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Sozialrecht , 01.02.2018

Unfallversicherung: Sind Schüler auch bei außerschulischen Projektarbeiten versichert?

Unfallversicherung: Sind Schüler auch bei außerschulischen Projektarbeiten versichert? © Oksana Kuzmina - Fotolia

Bei Unfällen während des Schulbesuchs sind Schüler gesetzlich unfallversichert. Immer wieder strittig ist aber, ob der Versicherungsschutz der gesetzlichen Unfallversicherung auch bei außerschulischen Projekten greift.

Schülerunfallversicherung greift grundsätzlich bei Schulveranstaltungen


Grundsätzlich greift die gesetzliche Schülerunfallversicherung bei allen Unternehmungen von Schülern während des Unterrichts und bei Schulveranstaltungen. Entscheidendes Kriterium ist, ob der Schüler sich im Verantwortungsbereich der Schule befindet und der Aufsichtspflicht der Schule unterliegt. Das ist etwa bei Hausaufgaben nicht der Fall.

Schulisch veranlasste Gruppenarbeit fällt unter den Versicherungsschutz der gesetzlichen Unfallversicherung



Eine durch einen Lehrer veranlasste Gruppenarbeit, die außerhalb des Schulgeländes erledigt wird, ist unfallversichert. Das entschied aktuell das Bundessozialgericht (Aktenzeichen B 2 U 8/16 R).

Im zugrundeliegenden Fall war ein Schüler bei einer bei einer schulisch veranlassten Gruppenarbeit so gestürzt, dass er seither auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Der Junge sollte mit drei weiteren Mitschülern einen Videoclip erstellten. Dafür trafen die Schüler sich mit Wissen und Billigung der Lehrerin nach Schulschluss zu Hause bei einem der Schüler. Auf dem Heimweg von einem solchen Treffen kam es zwischen zwei Schülern zum Streit und damit auch zum Sturz des verunfallten Schülers. Die gesetzliche Unfallversicherung lehnte den Versicherungsschutz ab, da der Unfall ihrer Ansicht nach nicht im Verantwortungsbereich der Schule, sondern der Eltern, stattgefunden habe.

Das sah das Bundessozialgericht letztinstanzlich anders: Richtig sei, dass kein Versicherungsschutz bestehe, wenn Hausaufgaben zu Hause erledigt würden. Hier handele es sich aber nicht um die Erledigung von Hausaufgaben, sondern um eine Gruppenarbeit, die außerhalb der Schule erledigt werden sollte. Der Heimweg von dieser Projektarbeit sie damit für die Schüler ebenfalls mit unfallversichert.

Außerschulische Projektarbeit muss eine organisatorische Veranstaltung der Schule sein


Das Landessozialgericht Baden-Württemberg (Aktenzeichen 6 U 4904/14) entschied jetzt, dass Schüler auch bei außerschulischen Projektarbeiten unter dem Schutz der Schülerunfallversicherung stehen, wenn sie dabei einen Unfall erleiden.

Im zugrundeliegenden Fall erlitt ein Schüler, der auf dem Weg von einem Videodreh außerhalb der Schule nach Hause war, einen Unfall. Der Schüler wurde von einem Mitschüler angeschubst, stürzte und erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, was ihn bis heute an einen Rollstuhl fesselt. Der Videodreh wurde im Rahmen des Musikunterrichts als Aufgabe gestellt und durfte auch außerhalb der Schule gedreht werden.

Das Landessozialgericht Baden-Württemberg sah hierin einen Fall für die Schülerunfallversicherung. Entscheidendes Kriterium war für das Gericht, dass die Projektarbeit eine organisatorisch von der Schule getragene Unternehmung war. Wenn die Schule es den Schülern überlässt, wo sie ihre Projektarbeit erledigen, bedeute dies nicht, dass damit der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung entfalle. Auch moderne Unterrichtsformen sind von der gesetzlichen Unfallversicherung gedeckt, entschieden die Sozialrichter.

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