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Kategorie: Anwalt Familienrecht , 31.07.2018 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Vaterschaftstest – Was ist erlaubt?

Vaterschaftstest – Was ist erlaubt? © mko - topopt

Ein Vaterschaftstest ist einfach durchzuführen und kostet auch wenig. Doch Vorsicht, ohne das Einverständnis der Betroffenen darf ein Vaterschaftstest nicht durchgeführt werden. Der Gesetzgeber hat strenge Regeln für den Vaterschaftstest aufgestellt und wer sich nicht daran hält, riskiert eine empfindliche Strafe.

Gericht kann Vaterschaftstest anordnen


Ein Vaterschaftstest darf nicht heimlich durchgeführt werden. Alle Betroffenen müssen dazu ihr schriftliches Einverständnis erteilt haben. Streitet ein in Frage kommender Vater die Vaterschaft für ein Kind ab, kann gerichtlich ein Vaterschaftstest angeordnet werden. Diesem Vaterschaftstest muss sich der Mann dann auch unterziehen. In der Regel erfolgt der Vaterschaftstest anhand einer Speichelprobe.

Kein Vaterschaftstest für mutmaßlichen leiblichen Vater


Ein Mann, der eine Beziehung mit einer verheirateten Frau unterhielt und die nach dem Ende der Beziehung ein Kind zur Welt brachte, hat keinen Anspruch auf Durchführung eines Vaterschaftstests. Dies entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (Beschwerde-Nr. 16112/15). Der Mann war vor verschiedenen deutschen Gerichten mit seinem Begehren gescheitert, da die Gerichte eine Gefährdung der Familiensituation und damit des kindlichen Wohls mit der Durchführung eines Vaterschaftstest befürchteten. So sah es auch der EuGHMR, der den deutschen Gerichten attestierte zum Wohl des Kindes seine Integration in der Familie, die Vaterrolle des Ehemannes der Mutter und die Probleme im Hinblick auf die außereheliche Affäre richtig gewertet zu haben.

Mit welchen Folgen müssen die Beteiligten rechnen?


Kommt ein Kind während einer Ehe zur Welt, gilt das Kind zunächst einmal als Kind des Ehemannes. Der Ehemann kann aber, wenn er Zweifel an seiner Vaterschaft hat, diese anfechten. Das Recht die Vaterschaft anzufechten steht im Übrigen auch der Ehefrau zu sowie dem volljährigen Kind.

Kinder, die von einer ehelosen Mutter geboren werden, haben zunächst keinen Vater. Mit Zustimmung der Mutter kann der leibliche Vater aber seine Vaterschaft anerkennen lassen. Verweigert die Mutter die Zustimmung, bleibt dem leiblichen Vater hier auch nur der Weg über den gerichtlich angeordneten Vaterschaftstest.

So gehen Sie bei einer Vaterschaftsanfechtung vor


Wer die Vaterschaft gerichtlich anfechten möchte, muss Beweise bringen. Das kann ein negativer Vaterschaftstest sein, oder eine ärztliche Bescheinigung über eine Zeugungsunfähigkeit, oder der Nachweis, dass man sich zum Zeugungszeitpunkt räumlich gar nicht in der Nähe der Frau aufhielt.

Zudem muss die Anfechtungsfrist von zwei Jahren, gerechnet von dem Zeitpunkt aus, ab dem der Betroffene Kenntnisse hatte, die gegen eine Vaterschaft sprechen. Bei Kindern beginnt die Anfechtungsfrist mit dem Erlangen der Volljährigkeit.
Wichtig zu wissen: Der Vaterschaftstest darf nicht heimlich gemacht werden. Wer ohne das Einverständnis des Betroffenen einen Vaterschaftstest durchführen lässt, muss mit einem Bußgeld von bis zu 5.000 Euro rechnen.


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