Logo anwaltssuche.de
Verkehrsrecht , 07.08.2012

Verkehrsrecht: Müssen Versicherer Gutachten-Preis einer Fachwerkstatt akzeptieren?

Verkehrsrecht: Müssen Versicherer Gutachten-Preis einer Fachwerkstatt akzeptieren? Rechtsanwalt Henning Karl Hartmann

Fachwerkstätten sind teuer. Immer häufiger versuchen Versicherer mit Hilfe eines Gegen-Gutachtens bei einer freien Werkstatt Geld zu sparen. Muss das akzeptiert werden?

Es ist im Verkehrsrecht ein Dauerthema. Wenn der durch einen Unfall Geschädigte auf Grundlage eines Sachverständigengutachtens abrechnen will, so kann er dies grundsätzlich tun. Niemand ist gezwungen, die Reparatur auch tatsächlich durchzuführen. Man kann das aus dem Gutachten ersichtliche Geld der Versicherung auch nehmen, und zum Beispiel mit der erlittenen Beule im Lack einfach "leben". Oder man kann selber reparieren. Auch eine anderweitig günstiger gefundene Reparaturmöglichkeit kann in Anspruch genommen werden. Wichtig: die Abrechnung nach Gutachten steht derjenigen auf Grundlage eines Kostenvoranschlages gleich. Fragen hierzu beantwortet gerne Ihr Rechtsanwalt.

Die Abrechnung nach Gutachten wird jedoch zunehmend erschwert. Immer häufiger versuchen die Versicherungen, durch ein eigenes Kostenangebot auf eine freie Werkstatt, die die Reparatur preisgünstiger durchführen würde und akzeptieren das Gutachten nicht. Es wird eine eigene Abrechnung aufgemacht, die natürlich Werte ergibt, die unterhalb der Preise aus dem Gutachten liegen.


Der BGH hat hierzu deutlich und wiederholt Stellung genommen (A.Z. VI ZR 91/09 und VI ZR 259/09). Hiernach bleibt es grundsätzlich bei den Preisen, die markengebundene Fachwerkstätten in dem Gutachten berechnen. Diese sind Grundlage der Ermittlung des Herstellungsaufwandes. Das Gutachten ist dann richtig. Die Versicherung trifft hiergegen die volle Beweislast, d.h. sie stichhaltig darlegen, dass entgegen den Werten in dem Gutachten dem Geschädigten in einer ihm zumutbaren Weise die Inanspruchnahme einer qualitativ gleichwertigen freien Werkstatt möglich ist. Dann kann das Wirtschaftlichkeitsgebot dies gebieten. Hierfür ist nicht nur das Alter des PKW ein Indiz, auch bei einem acht Jahre alten Fahrzeug sind grundsätzlich die Preise der markengebundene Fachwerkstatt, die sich in dem Gutachten finden, maßgeblich.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Anspruchsgeltendmachung und Vorlage des Gutachten und Anspchsschreiben durch einen Rechtsanwalt oftmals erst dazu führt, dass die zutreffenden und zu beanspruchenden Sätze, wie sie der Abrechnung nach Gutachten zugrunde liegen, auch gezahlt werden.

Abschließender Tipp: Eine Verkehrsrechtsschutzversicherung sichert Sie gegen unerwünschte Kosten ab.



Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Auto & Verkehr
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Verkehrsrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.043478260869565 / 5 (23 Bewertungen)
Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
Kategorie: Anwalt Arzthaftungsrecht 20.06.2017
Medizinische Gutachter werden beauftragt, ihre fachliche Bewertung eines komplexen medizinischen Sachverhalts abzugeben und damit eine Entscheidungsfindung zu unterstützen. Auftraggeber sind in der Regel die Gerichte, es können aber auch Privatpersonen, Behörden oder Versicherungsgesellschaften usw. sein.
Kategorie: Anwalt Medizinrecht 02.12.2015
Ein medizinisches Gutachten wird bei Auseinandersetzungen vor Gericht, mit Versicherern oder Behörden (Berufsgenossenschaft) gerne zu Rate gezogen. So sollen medizinische Vorfälle aufgeklärt werden, um damit in Verbindung stehende Rechtsfragen beantworten zu können.
Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht 07.03.2013 (427 mal gelesen)

Einem Verkehrsteilnehmer, der allein als Autofahrer im Straßenverkehr alkoholauffällig wurde, darf das Fahrradfahren von der Straßenverkehrsbehörde nicht verboten werden, nur weil er ein medizinisch-psychologisches Gutachten verweigerte.

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.0 / 5 (24 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht 14.11.2012 (415 mal gelesen)

Alkohol im Straßenverkehr ist kein Kavalierdelikt. Nimmt ein Autofahrer unter Alkoholeinfluss mit seinem Fahrzeug am Straßenverkehr teil, drohen ihm empfindliche Strafen. Eins kann ihm aber nicht verboten werden: Er darf trotz alkoholisierter Autofahrt weiter mit seinem Fahrrad fahren.

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.035714285714286 / 5 (28 Bewertungen)


Alle Expertentipps zum Thema Auto & Verkehr

Suche in Expertentipps