anwaltssuche
Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht , 26.05.2014 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Fiktive Abrechnung nach Unfall: Preis einer

Fiktive Abrechnung nach Unfall: Preis einer Rechtsanwalt Frank Brüne
Fiktive Abrechnung nach Unfall: Preis einer "freien" oder einer "markengebundenen" Werkstatt?

Tritt nach einem Verkehrsunfall ein Schaden auf, so darf der Geschädigte - wenn er sich für den Weg der "fiktiven Abrechnung" entscheidet - als Ersatz den Stundenlohn einer markengebundenen Fachwerkstatt fordern, wenn ihm ansonsten eine Garantie am Fahrzeug verloren ginge. Dies hat das Oberlandesgericht Hamm per Urteil entschieden (Az. 24 U 147/12).

Der Hintergrund: Verschiedene Arten der Schadensregulierung
Wichtig ist es, vorab zu wissen, dass, wer nach einem Unfall einen Schaden am Auto feststellt, sich diesen auf zwei Arten kompensieren lassen kann: Zunächst besteht die Möglichkeit der Reparatur in einer Werkstatt. Dabei zahlt die Versicherung die tatsächlich angefallenen Kosten. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit einer so genannten "fiktiven Abrechnung auf Basis eines Gutachtens". Bei dieser Variante erstellt ein Gutachter eine Aufstellung über die Kosten, die entstehen würden, wenn eine Werkstatt den Schaden beheben würde. Diesen Betrag bekommt der Geschädigte dann ausbezahlt, damit dieser die Reparatur in Eigenregie vornehmen kann.

Welcher Stundensatz darf verlangt werden?
Nun stellt sich aber stets die Frage, welcher Stundensatz bei einer solchen "fiktiven Abrechnung" zugrunde gelegt werden darf: der einer freien (Karosserie-)Werkstatt oder aber der Stundensatz einer markengebundenen Werkstatt. Dies ist besonders relevant, da diese Preise bisweilen stark voneinander abweichen können.
So auch im entschiedenen Fall: Nach einem Verkehrsunfall forderte der Geschädigte bei der fiktiven Abrechnung den Ersatz des Stundensatzes einer Daimler-Benz Fachwerkstatt. Die gegnerische Versicherung war jedoch nur bereit, den Stundensatz einer nicht markengebundenen Werkstatt zu zahlen. Hiergegen wehrte sich jedoch der Geschädigte mit dem Argument, dass sein Wagen bisher stets markengebunden gewartet und repariert wurde und die für sein KFZ extra abgeschlossene 30-jährige Durchrostungsgarantie hinfällig würde, wenn er sein Fahrzeug in einer nicht markengebunden Werkstatt reparieren lassen würde.
Dem folgten die Richter des OLG Hamm und sprachen dem Geschädigten unter anderem den Betrag zu, den er für die Reparatur einer markengebundenen Werkstatt hätte bezahlen müssen.

Kürzung des Stundenverrechnungssatzes durch Versicherung nicht ohne Prüfung akzeptieren
Nach einem Unfall sollten sich Betroffene, die ihr Fahrzeug nicht in einer Werkstatt reparieren lassen, bei einer fiktiven Abrechnung nicht auf den Stundensatz einer markenfreien Fachwerkstatt verweisen lassen, wenn hierdurch möglicherweise ein Schaden entsteht, z. B. eine Garantie wegfällt, wie im beschriebenen Fall. Auch hier wird wieder deutlich, dass bei einer Unfallregulierung grundsätzlich ein auf Verkehrsrecht spezialisierter Rechtsanwalt beigezogen werden sollte. Die entstandenen Rechtsverfolgungskosten müssen, wenn der Fall gewonnen wird, sodann auch vom Gegner getragen werden.


Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Auto & Verkehr
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Verkehrsrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.875 / 5 (32 Bewertungen)
Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
Kategorie: Anwalt Mietrecht 23.06.2016
Leidiges Thema Betriebskostenabrechnungen: Viele Abrechnungen sind nicht absichtlich falsch, sondern aufgrund mangelnder Kenntnis von Seiten der Vermieter. Rechtshilfe und Informationen erhalten Sie hier.
Kategorie: Anwalt Mietrecht 21.07.2016
Kaum ein Thema enthält bei einem laufenden Mietverhältnis so viel Zündstoff wie die Höhe der Nebenkosten oder die jährliche Nebenkostenabrechnung - meist zu Ungunsten der Mieter, der mehr zahlen soll, als er vom Gesetz her müsste. Gibt es Möglichkeiten?
Expertentipp vom 23.08.2012 (694 mal gelesen)

Wer nach einem Radwechsel die Radmuttern nach 50 bis 100 Kilometern nicht nachzieht und beispielsweise durch sich lösende Räder Schäden am eigenen oder an fremden Fahrzeugen verursacht, haftet für diese vollumfänglich. Dies hat das Landgericht Karlsruhe in einem Urteil entschieden (Az.: 9 C 335/11).

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.923076923076923 / 5 (39 Bewertungen)
Expertentipp vom 16.05.2011 (448 mal gelesen)

Eine Autowerkstatt ist dazu verpflichtet, einen Kunden auch auf die Notwendigkeit einer kurz bevorstehenden Routineüberprüfung von Fahrzeugteilen hinzuweisen. Unterlässt sie dies, so haftet sie im Nachhinein umfangreich für Schäden, die bei einer regulären Unterrichtung des Kunden nicht in Erscheinung getreten wären. Diese äußerst umfangreiche Haftung von Autowerkstätten hat das Oberlandesgericht Schleswig-Holstein kürzlich mit einem Urteil begründet (Az.: 4 U 171/09).

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.7857142857142856 / 5 (28 Bewertungen)


Alle Expertentipps zum Thema Auto & Verkehr

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Datenschutzerklärung