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Kategorie: Anwalt Zivilrecht , 22.12.2016 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Vorsicht bei Verträgen mit einem Fitnessstudio!

Vorsicht bei Verträgen mit einem Fitnessstudio! © AlexMaster - Fotolia

Die Outdoor-Saison neigt sich dem Ende zu. Da zieht es viele Sportler ins Fitnessstudio. Beim Abschluss eines Fitnessvertrages sollte man ganz genau hinschauen, wie folgender Fall zeigt:

Eine knapp siebzigjährige Frau erhielt einen Flyer von einem Fitnessstudio für Frauen mit folgendem Text: „Testen Sie uns! 2 Wochen 19,90 Euro - letzter Starttermin 28.2.13.“ Die Frau litt unter Rückenproblemen und da sie sich von ihrer Sozialhilfe keinen Vertrag mit einem Fitnessstudio leisten konnte, nutzte sie dieses Fitness-Angebot.

Bei der Unterschrift des Fitnessvertrages konnte sie den Wortlaut der Vereinbarung nicht lesen, da sie ihre Brille vergessen hatte. Der Mitarbeiter des Fitnessstudios versicherte der Frau, dass es sich um einen Vertrag entsprechend dem Angebot, wie auf dem Flyer abgedruckt, handeln würde. Tatsächlich hat die Frau aber einen Vertrag unterschrieben, in dem sie sich unter anderem für 64 Wochen Basispaket zu fast 16 Euro pro Woche und ein Startpaket zu 49 Euro verpflichtete. Zu Hause angekommen, bemerkte sie den Irrtum und versuchte den Vertrag rückgängig zu machen. Ohne Erfolg, das Fitnessstudio bestand auf Einhaltung des Vertrags. Die Frau kam ihrer finanziellen Verpflichtung nicht nach, woraufhin das Fitnessstudio klagte.

Ungelesene Schriftstück können angefochten werden



Erfolglos, entschied zum Glück der Frau das Amtsgericht München (Aktenzeichen 271 C 30721/13). Wer irrtümlich eine Erklärung unterschreibt, die einen anderen Inhalt hat als besprochen und gedacht, kann die Erklärung wirksam anfechten. Der Vertrag konnte wirksam angefochten werden, da sich die Frau über dessen Inhalt geirrt hat. Sie sei davon ausgegangen, nur eine zweiwöchige Nutzungsvereinbarung abgeschlossen zu haben gemäß dem Flyer, den sie bei den Vertragsverhandlungen vorgelegt hat.

Der Bundesgerichtshof hat bereits im Jahr 1994 entschieden, dass derjenige, der ein Schriftstück ungelesen unterschrieben hat, den Vertrag anfechten kann, wenn er sich von dessen Inhalt eine bestimmte, allerdings unrichtige Vorstellung gemacht hat. Da die Münchnerin den Vertrag mangels Brille nicht lesen konnte und auch nicht durchgelesen hat, hat sie, ohne dies zu merken, etwas anderes zum Ausdruck gebracht, als das, was sie in Wirklichkeit hatte erklären wollen. Sie hat sich darüber geirrt, welche Bedeutung ihrer Erklärung bei dem Geschäft zugekommen ist.

Das Gericht ist aufgrund der Angaben der Beteiligten wie auch der Gesamtumstände davon überzeugt, dass sie den Vertrag, wenn sie den tatsächlichen Inhalt gekannt hätte, so nicht unterschrieben hätte. Warum sollte sie - ohne das Fitnessstudio zu kennen und mit erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen - gleich einen Langzeitvertrag abschließen wollen, zumal teurer als das Testangebot? Ohnehin kam eine Mitgliedschaft aus finanziellen Gründen nicht in Frage.


erstmals veröffentlicht am 13.11.2014, letzte Aktualisierung am 22.12.2016

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