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Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht , 29.11.2012

Wenn Bello zubeißt: Neue Urteile zur Hundehalterhaftung!

Beißt ein Hund zu, haftet in aller Regel sein Herrchen. Ist von früheren Vorfällen bekannt, dass der Hund häufiger zu beißt, kann das selbst dann gelten, wenn vor dem Hund gewarnt wurde und er sogar bei seiner Bissattacke angekettet war.

Beißt ein Hund zu, haftet in aller Regel sein Herrchen. Ist von früheren Vorfällen bekannt, dass der Hund häufiger zu beißt, kann das selbst dann gelten, wenn vor dem Hund gewarnt wurde und er sogar bei seiner Bissattacke angekettet war.

Das zeigt ein Urteil des Landgerichts Coburg (Aktenzeichen 11 O 660/07), mit dem eine Hundehalterin verpflichtet wurde, einem achtjährigen Bissopfer ein Schmerzensgeld von 1.500 Euro zu bezahlen. Zwar hatte sich das Kind dem Tier trotz Warnung genähert. Wegen früherer Bissattacken hätte der Vierbeiner nach Ansicht des Gerichts aber jedenfalls während der Anwesenheit von Kindern auf dem Anwesen der Beklagten, die dort Zimmer vermietet, weggesperrt werden müssen.
Wer bei der Keilerei zweier Hunde dazwischen geht, um das eigene Tier zu schützen, und dabei vom fremden Hund gebissen wird, erhält von seinem Hundehalter nur anteiligen Schadensersatz und Schmerzensgeld. So lautet eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm (Aktenzeichen I-6 U 72/11) in folgendem Fall: Der Hund der Beklagten hatte sich von der Leine gerissen und sich auf den angeleinten Hund der Klägerin gestürzt, woraufhin diese schützend ihre Hand über den Kopf ihres Tiers hielt und dabei selbst gebissen wurde. Das Gericht urteilte bezüglich der Klage auf Schmerzensgeld und Schadensersatz wie folgt: Auch wenn die Klägerin in berechtigter Sorge um ihr Tier eingriff, musste sie nach den Ausführungen des Gerichts wissen, dass ihr Handeln die Gefahr mit sich bringt, selbst gebissen und verletzt zu werden. Ihr Mitverschulden hat das Gericht mit 50 Prozent bewertet, das verlangte Schmerzensgeld und den Verdienstausfall entsprechend gekürzt und ihr insoweit gut 3.000 Euro zuerkannt. Auch die bezahlten Tierarztkosten bekommt die Klägerin nur anteilig, gekürzt um die Tiergefahr des eigenen Hundes, ersetzt. Ihr stehen nach den Ausführungen des Senats nur 75 Prozent dieser Aufwendungen zu, weil sich insoweit ihr Eingreifen nicht ausgewirkt habe.
Das Landgericht Coburg (Aktenzeichen 13 O 37/09) gab in einem anderen Fall auch der Klage eines Hundehalters Recht, der zwar durch einen unangeleinten Hund eines anderen Hundehalters nicht gebissen wurde, aber dermaßen gerammt, so dass er daraufhin zu Boden stürzte und sich Verletzungen im Gesicht und am Arm zuzog. Der beklagte Hundehalter sei als Halter eines Haustieres ist nach § 833 des Bürgerlichen Gesetzbuches zum Ersatz des durch das Tier entstandenen Schadens verpflichtet. Das Coburger Gericht sprach dem Opfer einen Schmerzensgeldanspruch in Höhe von 2.000,00 Euro und einen Haushaltsführungsschaden von etwa 1.300,00 Euro zu.

Tipp der Redaktion: Opfer eines Hundesbisses können neben den Heilungskosten auch Schmerzensgeld und die Kosten für Sachschäden- beispielsweise an der Kleidung - gegenüber dem Hundehalter geltend machen.


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