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Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht , 16.01.2013

Wer haftet beim Reitunfall?

Hoppe, hoppe Reiter, wenn er fällt dann schreit er! In vielen Fällen klagt der gestürzte Reiter aber auch und die Gerichte müssen sich mit der Frage auseinandersetzen, ob jemand für den Reitunfall und seine Folgen haftet. Hier einige Urteile.

Hoppe, hoppe Reiter, wenn er fällt dann schreit er- in vielen Fällen klagt der gestürzte Reiter aber auch und die Gerichte müssen sich mit der Frage auseinandersetzen, wer für den Reitunfall und seine Folgen haftet. Hier einige Urteile.

Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Koblenz (Aktenzeichen 5 U 1708/05) sind die Veranstalter von Reitkursen dazu verpflichtet, gerade bei Anfängern mit besonders großer Sorgfalt zu agieren, um möglichen Unglücksfällen vorzubeugen. Bei einem Unfall müssen sie als Pferdehalter die Erfüllung ihrer Pflichten spätestens vor Gericht darlegen und beweisen. Im zugrundeliegenden Fall war eine Reiterin bei ihrer ersten Reitstunde vom Pferd gefallen, weil dieses plötzlich zu galoppieren begann. Die Frau zog sich schwere Verletzungen beim Sturz zu und verlangte Schadensersatz. Die Reitschule lehnte dies mit dem Argument ab, dass die Frau einen Reitfehler begannen habe.

Die Koblenzer Richter verurteilten die Reitschule zum Schadensersatz aufgrund der Verletzung ihrer vertraglichen Sorgfaltspflicht Der Reitunfall sei die Folge unterlassener Schutzmaßnahmen des Veranstalters bzw. des Reitlehrers, für den der Veranstalter hafte, so die Richter. Für den Umfang der zu treffenden Vorbeugemaßnahmen sei insbesondere die Art der Übung sowie das Alter und die Erfahrenheit von Reitschüler und Pferd von Bedeutung. Ein Reitlehrer müsse seine Schüler immer über die zu beachtenden Regeln und Schutzmaßnahmen informieren, so das Gericht. Darüber hinaus müsse er sich stets vergewissern, dass die Teilnehmer auch alles verstünden und zur Umsetzung im Stande seien. Sollte es sich um die erste Reitstunde eines Schülers handeln, müsse der Veranstalter ihm außerdem ein friedfertiges Pferd zuweisen, das nicht zu temperamentvollen Gangwechseln neige. Um ganz sicher zu gehen, müsse das Pferd zunächst sogar an der Leine geführt werden, damit Tier und Reiter sich aneinander gewöhnen könnten, so die Richter. Sämtliche Maßnahmen habe der Veranstalter und Pferdehalter im Verfahren aber entweder erst gar nicht dargelegt oder er habe sie nicht nachweisen können.

Ein Reiterhof haftet aber nicht für jeden Schaden, den Kinder im Verlauf ihrer Reiterferien erleiden, entschied das Oberlandesgericht Oldenburg (Aktenzeichen15 U 47/03). Im zugrundliegenden Fall war ein dreizehnjähriges Mädchen im Rahmen eines „freien“ unbeaufsichtigten Reitens von einem ansonsten gutmütigen Pony gestürzt und hatte sich dabei lebensgefährliche Verletzungen zu gezogen. Die Richter lehnte eine Schadensersatzklage des Mädchens ab. Sie begründeten das damit, der Sturz des Mädchens auch mit einer Aufsicht nicht zu verhindern gewesen wäre. Es handele sich dabei um allgemeines Lebensrisiko.

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