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Immobilienrecht , 26.01.2017

Wer haftet für Eis & Schnee vom Dach?

Wer haftet für Eis & Schnee vom Dach? © sma - topopt

Dachlawine oder Eiszapfen: Der Winter kann auch in der Stadt durchaus gefährliche Ausmaße annehmen. Dabei stellt sich schnell die Frage, welche Vorsichtsmaßnahmen Hauseigentümer treffen müssen.

Müssen Hauseigentümer Schneefanggitter auf dem Dach anbringen?


Grundsätzlich muss nicht jedes Haus mit Schneefanggittern ausgestattet sein. Ob diese Sicherungsmaßnahme zum Schutz vor Dachlawinen notwendig ist, ist immer im Einzelfall zu entscheiden. Kriterien sind hier die allgemeine Schneelage des Ortes, die Neigung des Daches und auch Art und Umfang des gefährdeten Verkehrs. Schneefanggitter können allerdings für das Dach eines Hauses baupolizeilich vorgeschrieben sein.

Warnschilder nicht notwendig- Schneefanggitter reicht


Ein Hauseigentümer in München genügt in der Regel seiner Verkehrssicherungspflicht im Hinblick auf Dachlawinen durch das Anbringen von Schneefanggittern. Dies entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 274 C 32118/13) im Fall eines Autofahrers, dessen geparktes Auto von einer Dachlawine getroffen wurde und dadurch Schäden an der Heckscheibe und Kofferraumabdeckung erlitt. Seinen Schaden wollte der Mann vom Hauseigentümer ersetzt haben. Zu Unrecht, entschied das Amtsgericht München. Das Gericht stellt fest, dass die Hauseigentümerin mit dem Anbringen der Schneefanggitter ihrer Verkehrssicherungspflicht in ausreichendem Maß nachgekommen ist. Grundsätzlich habe im Fall von Dachlawinen jeder selbst für die Sicherheit seines Eigentums Sorge zu tragen, folglich müsse auch der PKW-Halter seinen PKW an einem vor Dachlawinen sicheren Ort abstellen. Erst im Fall von konkreten Gefahren ist der Hauseigentümer verpflichtet, durch geeignete Maßnahmen Dritte vor Schäden zu schützen. Je nach Einzelfall könne es auf die allgemeine Schneelage vor Ort, die Neigung des Daches, die örtlichen Gepflogenheiten und die konkrete Witterungslage ankommen. Im vorliegenden Fall hat das Gericht konkrete Umstände, die zusätzliche Maßnahmen erforderlich machen könnten, nicht festgestellt. Insbesondere sei auch das Aufstellen von Warnschildern nicht erforderlich gewesen. Das Aufstellen von Warnschildern sei nicht durch gesetzliche Vorschriften geregelt. Weder die Bayerische Bauordnung enthalte eine Regelung zum Schutz vor Dachlawinen, noch gebe es eine entsprechende Verordnung der Stadt München.

Dachneigung entscheidend!



Ein Hauseigentümer ist dazu verpflichtet ein Schneefanggitter anzubringen, wenn das Haus ein besonders steiles Dach besitzt, etwa mit einer Dachneigung von 60 Grad, in einem schneereichen Gebiet und sich unter dem Dach ein öffentlicher Parkplatz befindet. Das entschied das Landgericht Ulm (Aktenzeichen 1 S 16/06) und bejaht zumindest ein hälftiges Mitverschulden und eine entsprechende Haftung des Hauseigentümers. Das Oberlandesgericht Karlsruhe (Aktenzeichen 1 U 305/82) sieht die Notwendigkeit von Schneegittern schon bei einer Dachneigung von 45 Grad.


erstmals veröffentlicht am 26.01.2015, letzte Aktualisierung am 26.01.2017

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