anwaltssuche
Arztrecht , 22.12.2016

Zahnersatz - Haftet der Zahnarzt bei Schmerzen?

Kronen, Brücken oder Prothesen- die Auswahl an Zahnersatz ist groß. Welcher Zahnersatz der richtige für den Patienten ist, muss der Zahnarzt letztlich entscheiden. Macht der Zahnersatz dem Patienten dann Kummer, muss er dem Zahnarzt einen Behandlungsfehler nachweisen.

Austausch verschiedener Prothesen kein Behandlungsfehler

Ein Zahnarzt handelt nicht behandlungsfehlerhaft, wenn er eine mit Stiften zu befestigende, beschädigte Teilprothese durch eine Prothese mit Teleskopkronen ersetzt. So lautet eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm (Aktenzeichen 26 U 76/12) im Fall einer Patientin, die seit dem Jahre 1989 im Unterkiefer eine herausnehmbare, mit einem Stiftsystem befestigte Teilprothese trug. Aufgrund eines Prothesenschadens fertigte die beklagte 2008 eine prothetische Neuversorgung an. Hierbei wurde die ältere Prothese durch eine Prothese mit Teleskopkronen ersetzt. Obwohl Reparaturen und Anpassungen an der Prothese von der Zahnärztin vorgenommen wurden, hatte die Patientin nachwievor Schmerzen. Sie war der Meinung, dass die Prothesen-Neuversorgung nicht indiziert gewesen und fehlerhaft ausgeführt worden sei. Außerdem sei sie nicht hinreichend aufgeklärt worden. Aus diesen Gründen verklagte die Patientin die Zahnärztin auf Schadensersatz und Schmerzensgeld von rund 20.000 Euro und Ersatz eines Haushaltsführungsschadens von über 40.000 Euro.

Zu Unrecht, entschied das Oberlandesgericht Hamm. Die prothetische Neuversorgung der Klägerin sei indiziert gewesen. Eine Reparatur der alten Prothese wäre ebenso aufwendig gewesen wie die Neuversorgung. Auch die Reparatur hätte das Risiko von Druckstellen beinhaltet, zudem wäre eine Schwachstelle im Bereich der Stifte zurückgeblieben. Die Neuversorgung sei fachgerecht ausgeführt worden, eine unzureichende parodontale Befundung oder die Beschädigung eines in die Neuversorgung einbezogenen Eckzahns seien nicht festzustellen. Dass die Zahnärztin eine parodontale Befundung nicht dokumentiert habe, habe keine gegenteilige Indizwirkung, weil insoweit aus zahnmedizinischer Sicht keine Dokumentationspflicht bestanden habe.

Patientin war aufgeklärt

In die zahnärztliche Behandlung habe die Patientin auch wirksam eingewilligt. Über die Neuversorgung sei sie ausreichend informiert worden, diese sei auf der Basis eines der Zahnärztin zuvor ausgehändigten Kostenvoranschlages vorgenommen und der Patientin gegenüber abgerechnet worden, wobei sie ihren Eigenanteil gezahlt habe. Hieraus sei zu schließen, dass ihr der Umfang der Arbeiten bekannt gewesen sei und sie diese gebilligt habe. Über Behandlungsalternativen sei die Patientin nicht unzureichend aufgeklärt worden. Die Möglichkeit einer komplett auf Implantate gestützten Neuversorgung sei mit ihr erörtert und letztlich wegen der Kosten und auch aus medizinischen Gründen abgelehnt worden. Weitere fachgerechte Behandlungsalternativen habe es nicht gegeben, so die Hammer Richter.



erstmals veröffentlicht am 27.03.2014, letzte Aktualisierung am 22.12.2016

Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Gesundheit & Arzthaftung
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Arztrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.161290322580645 / 5 (31 Bewertungen)
Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
Kategorie: Anwalt Medizinrecht 22.12.2015
Zahnarztrechnungen können für den Laien schwer verständlich sein. Es ist daher gut, vorab Fragen zur Art und Durchführung der Behandlung und zur Höhe der Kosten mit dem Zahnarzt und der Krankenversicherung abzuklären. Was tun, wenn das versäumt wurde?
Kategorie: Anwalt Arztrecht 28.09.2017
Wenn Ärzte, Zahnärzte oder Psychotherapeuten miteinander kooperieren, sprach man frührer von einer Gemeinschaftspraxis. Heute bezeichnet man dies als Berufsausübungsgemeinschaft. Mit der Änderung des Vertragsarztrechts im Jahr 2007 wurde der Begriff Gemeinschaftspraxis durch den Begriff Berufsausübungsgemeinschaft ersetzt, weil gesetzlich viele neue Möglichkeiten der Berufsausübung für Ärzte geschaffen wurden. Sie können seit dem Zweigstellen errichten und selbst unter erweiterten Bedingungen Ärzte einstellen.
Behandlungsfehler oder Pfusch beim Zahnersatz? © yanlev - Fotolia
Kategorie: Anwalt Arztrecht 07.02.2017 (732 mal gelesen)

Ob die Krone wackelt, oder das Implant drückt - Patienten sind oft mit den Folgen einer Zahnersatzbehandlung unzufrieden. Für den behandelnden Zahnarzt drohen dann nicht selten Arzthaftungsprozesse.

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.019230769230769 / 5 (52 Bewertungen)
Fehlerhafte Behandlung beim Zahnarzt - Schmerzensgeld! © yanlev - Fotolia
Kategorie: Anwalt Arztrecht 18.04.2017 (709 mal gelesen)

Schmerzen der Patientin nach Wurzelbehandlung falsch interpretiert. Dieser Fehler unterlief einem Zahnarzt. Im Anschluss musste er Schadenersatz und Schmerzensgeld zahlen.

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.7096774193548385 / 5 (31 Bewertungen)


Alle Expertentipps zum Thema Gesundheit & Arzthaftung