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Was ist eine Erpressung im Gegensatz zu Betrug, Raub oder Nötigung?

Letzte Aktualisierung am 01.09.2022 / Lesedauer ca. 5 Minuten

Wie ist die Erpressung definiert?

Im Strafgesetzbuch findet man das Vermögensdelikt Erpressung unter § 253 StGB. Bei der Erpressung im strafrechtlichen Sinn wird das Opfer durch Nötigungsmittel wie Gewalt oder Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung oder zum Nichtstun bewegt. Hinzukommt, dass der Erpresser, durch eine erzwungene Vermögensverfügung des Opfers, sich selbst oder einen Dritten mit der Erpressung bereichern will. Schon der Versuch der Erpressung ist strafbar. Klassischer Fall ist die Schutzgeldforderung bzw. Schutzgelderpressung. Einem Pizzeria-Betreiber wird z.B. angedroht, dass sein Laden in die Luft fliegt, wenn er nicht einen bestimmten Geldbetrag, die Schutzgeldzahlung, leistet. Zur Bereicherungsabsicht muss außerdem die Verwerflichkeit der Tat gegeben sein und die beabsichtigte Bereicherung muss rechtswidrig sein, d.h. es darf kein fälliger Anspruch des Erpressers gegen sein Opfer oder einen Dritten bestehen.

Wie hoch ist das Strafmaß für eine Erpressung?

Die Straftat der Erpressung wird mit einem Strafmaß von bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder mit einer Geldstrafe geahndet. Bereits die versuchte Erpressung ist strafbar! Immer dann, wenn ein Erpresser gewerbsmäßig erpresst oder eine Bande gegründet wurde, um die Erpressungen zu begehen, liegt ein besonders schwerer Fall der Erpressung vor. Hier liegt das Strafmaß bei einer Mindeststrafe nicht unter einem Jahr Freiheitsentzug. Eine Qualifizierung stellt die räuberische Erpressung dar. Bei einer einfachen Erpressung droht der Täter mit einem empfindlichen Übel – etwa einem Kratzer am Porsche. Bei der räuberischen Erpressung ist es erforderlich, dass der Täter mit einer Gefahr für Leib und Leben droht.

Räuberische Erpressung oder Raub - was ist der Unterschied?

Schwierig ist häufig die Abgrenzung zwischen räuberischer Erpressung und Raub. Die Entscheidung vor Gericht hängt am jeweiligen Tathergang. Wichtig für die Beurteilung ist das äußere Erscheinungsbild der Tat. Handelt es sich um die Wegnahme einer Sache oder gibt das Opfer die erpresste Sache unter Zwang heraus? Der Unterschied liegt in der Vermögensverschiebung. Die Wegnahme deutet auf Raub, die Herausgabe auf räuberische Erpressung. Auch die subjektive Einschätzung der Situation des Opfers ist mitentscheidend. Auch das Abzocken von Jugendlichen erfüllt den Tatbestand der räuberischen Erpressung: „Handy, Geld und Zigaretten her – sonst hauen wir dir eins auf die Schnauze“ – reicht für eine räuberische Erpressung, wenn das Opfer die geforderten Dinge aushändigt. Gleiches gilt für den Banküberfall, bei dem der Kassierer mit vorgehaltener Waffe genötigt wird das Geld auszuhändigen. In allen diesen Fällen handelt das Opfer aus Angst um Leib und Leben, aus Angst vor Mißhandlung. Bestraft wird die räuberische Erpressung wie der Raub – also mit einer Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr. Bei dem Tatvorwurf der räuberischen Erpressung wird dem Beschuldigten vom Gericht ein Pflichtverteidiger bestellt, sofern der Beschuldigte sich nicht bereits selbst um einen Rechtsbeistand für seine Verteidigung gekümmert hat. Auch erpresserischer Menschenraub ist eine räuberische Erpressung. Eine schwere räuberische Erpressung liegt dann vor, wenn die Tat von einer kriminellen Bande, bestehend aus wenigstens zwei Bandenmitgliedern, verübt wird oder wenn sie gewerbsmäßige Hintergründe hat.

Was ist der Unterschied zwischen Erpressung oder Nötigung?

Ob eine Nötigung oder eine Erpressung vorliegt, ist für ein Opfer oft nur schwer einzuschätzen. Der Unterschied liegt in der Bereicherungsabsicht des Täters. Erfolgt die Tathandlung in Bereicherungsabsicht für sich selbst oder einen Dritten, so handelt es sich um Erpressung. Der Grund der Handlung, einen Vermögensvorteil zu erreichen, fehlt bei der Nötigung. Eine Nötigungshandlung liegt dann vor, wenn der Täter mit seiner Androhung das Opfer zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt ohne Bezug zum Vermögen des Opfers oder eines Dritten. Das Nötigungsmittel, die Drohung, dient im Falle der Nötigung nicht der rechtswidrigen Bereicherung des Täters. Wenn also ein Vermieter einem Mieter den Strom abstellt, um ihn zum Auszug zu bewegen, ohne dabei einen Vermögensvorteil zu erlangen, dann liegt Nötigung gem. § 240 StGB vor und keine Erpressung. Der Nötigungserfolg ist hier der Auszug des Opfers.

Was ist ein Betrug im Unterschied zur Erpressung?

Ein Betrug ist im Gegensatz zur Erpressung immer dann anzunehmen, wenn nicht Nötigung, sondern eine Täuschung einen Vermögensschaden verursacht hat. Ein klassischer Betrugsfall ist der sog. Enkeltrick. Ein Täter gibt sich gegenüber alten Menschen als naher Verwandter aus, um von ihnen Bargeld oder Wertsachen zu erhalten. In diesem Fall erfolgt die Tatausführung durch die Täuschung einer Person – nicht durch Gewaltanwendung oder Drohung - zur Veräußerung des Vermögens.

Ist emotionale Erpressung auch strafbar?

Emotionale Erpressung geschieht durch Beleidigungen, Drohungen oder Vorwürfe. Das Opfer wird durch bestimmte Äußerungen manipuliert und zu einem bestimmten Verhalten gezwungen. „Wenn Du Dich von mir trennst, bringe ich mich um!“ Auch wenn sie nicht strafbar ist, so ist emotionale Erpressung für die Opfer meist sehr belastend.

Gibt es eine Verjährungsfrist bei Erpressung?

Jede Straftat, ausgenommen Mord, unterliegt einer Verjährungsfrist. Die Strafverfolgungsverjährung ist in § 78 StGB geregelt. Bei Erpressung richtet sich die Länge der Verjährungsfrist nach der Straftat, bzw. dem Strafrahmen für ein Verbrechen. Bei einer Höchststrafe von mehr als fünf Jahren liegt die Verjährungsfrist bei 10 Jahren, bei einer Höchststrafe von ein bis fünf Jahren beträgt die Frist fünf Jahre und bei einer Höchststrafe von einem Jahr beträgt die Verjährungsfrist drei Jahre.

Bei Verdacht auf Erpressung auf jeden Fall zum Anwalt

Wer Opfer einer Erpressung wurde oder glaubt erpresst zu werden, sollte sich umgehend an die Polizei oder an einen Rechtsanwalt für Strafrecht wenden. Es kommt bei Erpressung nicht auf den Taterfolg an, auch versuchte Erpressung ist strafbar! Gibt es möglicherweise Zeugen die in einem Ermittlungsverfahren eine Aussage machen können? Kontaktieren Sie am besten jetzt gleich unverbindlich einen Rechtsanwalt für Strafrecht in Ihrer Nähe! Droht eine Anklage wegen Erpressung und man bekommt eine Vorladung von der Polizei, sollte man unbedingt von seinem Schweigerecht Gebrauch machen und sich schnellstmöglich einen Rechtsanwalt für Strafrecht suchen. Der Anwalt vertritt seinen Mandanten / seine Mandantin dann auch als Strafverteidiger vor Gericht. Der Anwalt wird Akteneinsicht beantragen und überprüfen, ob der Tatbestand der Erpressung tatsächlich gegeben ist oder es sich lediglich um Nötigung handelt und wie am besten weiter vorzugehen ist. Der Anwalt kann auch einschätzen, ob die Staatsanwaltschaft ausreichend Beweise für eine Anklage wegen Erpressung hat. Erlässt die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl wegen Erpressung kann dies für den Angeklagten / die Angeklagte eine hohe Geldstrafe bedeuten. Endet ein Strafverfahren vor Gericht kann bei einer Verurteilung auch eine Höchststrafe von fünf Jahren Freiheitsstrafe drohen. Bei einer räuberischen Erpressung mit Todesfolge hat der Täter / die Täterin mit einer Freiheitsstrafe von mindestens zehn Jahren zu rechnen.