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Strafrecht: Rechtliches zur Opfervertretung

Letzte Aktualisierung am 27.06.2016 / Lesedauer ca. 3 Minuten

Opfervertretung - Ausbruch aus der Isolation

Wer Opfer einer Straftat geworden ist, hat mit den Folgen zu kämpfen - manchmal ganz alleine, denn viele Menschen, die mit einem Verbrechen konfrontiert waren, trauen sich nicht, Hilfe zu beanspruchen. Auch in dem der Straftat folgenden Strafprozess gegen den Täter sind sie auf sich allein gestellt. Zwar hat sich in jüngerer Vergangenheit Wesentliches zugunsten der Opfer getan, doch tendiert die Justiz nach wie vor dazu, Verbrechensopfer im übelsten Falle lediglich als "Beweismittel" anzusehen. Respekt für die Verletztheit oder die Gefühle des Opfers - Fehlanzeige. Als Opfer muss man selbst aktiv um Unterstützung nachsuchen. Immerhin dürfen Verbrechensopfer durch eine Person ihres Vertrauens begleitet werden (z.B. zu den Vernehmungen), eingreifen darf diese Person jedoch nicht. Der Rechtsanwalt eines Opfers darf das sehr wohl, und zwar von der ersten Vernehmung an.

Gute Gründe, sich von einem Anwalt vertreten zu lassen

Es gibt zahlreiche gute Gründe sich als Opfer in einem Strafprozess von einem Anwalt begleiten und vertreten zu lassen. Rein formal gesehen haben Verletzte / Opfer bestimmte Auskunftsrechte, die sie selbst auf Antrag wahrnehmen können, z.B. Auskünfte über die Einstellung und den Ausgang des Verfahrens, über Weisungen an den Täter, Kontakt zu vermeiden, über Haftveränderungen oder Vollzugslockerungen für verurteilte Täter. Es wird aber immer auch geprüft, ob die Auskünfte an das Opfer schutzwürdige Interessen des Beschuldigten verletzten. Ein Anwalt kann hier weiter gehende Rechte im Interesse seines Mandanten wahrnehmen. In erster Linie wichtig ist die Akteneinsicht - der Anwalt des Opfers darf diese uneingeschränkt wahrnehmen. Er darf außerdem bei allen Vernehmungen / Verhören durch Staatsanwaltschaft oder Gericht zugegen sein, wenn sein Mandant als Zeuge gehört wird. Im Verfahren wird die Verteidigung des Täters in aller Regel versuchen, das Opfer zu verunsichern oder die Sicherheit seiner Aussagen zu erschüttern. Der Anwalt darf dann - und das wird häufig in seiner Wichtigkeit und in seinen Auswirkungen unterschätzt - Fragen zurückweisen, die an das Opfer gestellt werden. Zweifellos ist ein solches Eingreifen eine wichtige sachliche und psychologische Unterstützung, die der Anwalt seinem Mandanten bieten kann.

Nehmen Sie Ihr Recht als Nebenkläger wahr

Weiterhin entscheidend wichtig ist das Einschalten eines Anwalts, wenn das Opfer im Verfahren als Nebenkläger auftreten will. Opfer bestimmter (schwerer) Straftaten haben das Recht sich einem Strafverfahren, in dem sie normalerweise nur als Zeuge auftreten würden, als Nebenkläger anzuschließen. Voraussetzung: Die Straftat muss "nebenklagefähig" sein (das sind z.B. Straftaten gegen das Leben, die sexuelle Selbstbestimmung, die körperliche Unversehrtheit, die persönliche Freiheit usw.) In jedem Fall entscheidet das Gericht über die Zulassung einer Nebenklage. Für den Zeugen / das Opfer im Strafprozess bedeutet dies, dass es nicht mehr nur auf seine Zeugenfunktion reduziert ist, sondern jetzt auch aktiv in das Prozessgeschehen eingreifen kann und dafür eine Reihe eigener Rechte besitzt (z.B. ständige Anwesenheit in der Hauptverhandlung, Befragung des Täters und der Zeugen, Stellen von Beweisanträgen und ein späteres Angreifen des Urteils mit Rechtsmitteln. Nebenkläger können also "in die Berufung" gehen. Zwar herrscht für die Nebenklage kein Anwaltszwang (das Opfer könnte sich also selbst vertreten), doch gehört die Opfervertretung in der Nebenklage gehört zu den höheren Weihen der juristischen Kunst, die man am besten einem Anwalt anvertraut.

.... und die Kosten?

Eigentlich muss der (verurteilte) Täter für die Anwaltskosten der Opfervertretung aufkommen. Es gibt jedoch Ausnahmen (wie z.B. Minderjährigkeit oder Mittellosigkeit). Auch andere Wege stehen offen, etwa der Antrag auf Kostenübernahme durch den Staat (bzw. Prozesskostenhilfe). Ebenso finden sich zahlreiche Hilfeangebote (z.B. von Stiftungen wie der Weiße Ring), die durch finanzielle Unterstützung Lücken im Entschädigungsrecht / bei den Prozess- oder Beratungskosten schließen helfen. Beauftragen Sie einen erfahrenen Anwalt für Strafrecht mit der Opfervertretung, wenn Sie in einem Strafprozess als Zeuge oder Nebenkläger auftreten. Bei uns finden Sie einen - einfach per Klick!