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Letzte Aktualisierung am 13.06.2017 / Lesedauer ca. 3 Minuten

Verleumdung - eine Frage der Ehre

Unwahrheiten über einen anderen Menschen zu verbreiten, gehört - leider - zum Repertoire menschlicher Kommunikation. Über andere zu lästern oder Gerüchte zu streuen ist ein beliebter Breitensport, den wir alle beherrschen. Seine möglichen Folgen nehmen wir selten ernst: Ein unbedacht verbreitetes Gerücht kann großen Schaden anrichten. Seine extreme Form, die Verleumdung, ist ein Ehrdelikt (Ehrverletzungsdelikt). Es gilt als schwere Form der Beleidigung und ist nach deutschem Recht strafbar.

Ehrverletzungsdelikte

Zu den Ehrverletzungsdelikten zählen die Beleidigung, die üble Nachrede und die Verleumdung. Die persönliche Ehre des Einzelnen genießt durch das Persönlichkeitsrecht besonderen gesetzlichen Schutz, kann aber durch eine ehrenrührige Äußerung oder Behauptung verletzt werden. Die „üble Nachrede“ gilt als die kleine Schwester der Verleumdung. Man stellt eine Behauptung über einen anderen Menschen auf (meist in dessen Abwesenheit), oder macht eine entsprechende Bemerkung, die als ehrenrührig / ehrverletzend betrachtet werden kann. Diese Behauptung wird als Tatsache hingestellt; der Täter kann sie allerdings nicht beweisen. Beispiel: „Herr Müller betrügt seine Frau. Ich habe ihn neulich mit einer anderen gesehen“ kann als üble Nachrede gewertet werden.

Verleumdung geschieht vorsätzlich

Der Schritt von der üblen Nachrede zur Verleumdung ist dann gegeben, wenn eine ehrenrührige Tatsache nicht nur behauptet und verbreitet wird, sondern wenn dies auch noch bewusst wahrheitswidrig geschieht: Der Verleumder weiß, dass seine Behauptung unwahr ist und nicht den Tatsachen entspricht. Er handelt wider besseres Wissen. Man kann also von einem gezielten, absichtsvollen Verhalten ausgehen, das Schaden anrichten soll. Wüsste der Täter aus dem obigen Beispiel sicher, dass Herr Müller seine Frau niemals betrügen würde, weil er treu ist wie Gold, könnte das als Verleumdung gewertet werden. Problem: Um den Tatbestand der Verleumdung zu erfüllen, muss dem Täter das Wissen, dass er die Unwahrheit sagt, nachgewiesen werden. Das kann im Einzelfall sehr schwierig sein.

Verleumdung wird nur auf Antrag verfolgt

Verleumden kann man nur eine natürliche lebende Person; der Persönlichkeitsschutz gilt unter besonderen Voraussetzungen aber auch für juristische Personen. Wer als Person des politischen Lebens in der Öffentlichkeit steht, erfährt einen besonderen Schutz gegen Verleumdung durch ehrenrührigen Äußerungen. Voraussetzung: Sie müssen öffentlich getätigt werden. Verleumdung ist ein Antragsdelikt. Eine Strafverfolgung gibt es nur dann, wenn der Verleumdete einen Strafantrag stellt. Verleumdung wird in der Regel mit Geldstrafe geahndet; es kann aber auch eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren verhängt werden. Erfolgt die Verleumdung öffentlich, kann sie bis zu 5 Jahren betragen. Kann eine ehrenrührige Behauptung bewiesen werden (also: sie stellt sich als wahr heraus), so kann der Täter in der Regel nicht dafür verurteilt werden.

Verleumdung in sozialen Medien

Verleumdung und üble Nachrede haben durch das Internet und soziale Medien eine neue Dimension erreicht. Hier ist es nicht nur möglich, verletzende Behauptungen über Dritte schnell und ungefiltert zu veröffentlichen sondern auch ungesicherte Information unbedacht weiter zu verbreiten – mit den entsprechenden Konsequenzen. Wenn Ihnen eine Verleumdung vorgeworfen wird oder Sie selbst Ziel einer ehrverletzenden Behauptung geworden sind, wenden Sie sich vertrauensvoll an einen Rechtsanwalt. Gerade Behauptungen im Internet erreichen erhebliches Drehmoment und entfalten schnell eine fatale Wirkung. Ein Anwalt kann schnell die notwendigen Schritte einleiten und Sie wirksam bei der Wahrung Ihrer Rechte unterstützen.