Logo anwaltssuche.de
Wirtschaftsrecht , 23.08.2010

Aktuelles BGH-Urteil zur Beraterhaftung

Wieder einmal liegt ein Urteil des Bundesgerichtshofes, in welchem ein Anlageberater zu Schadensersatz verurteilt wurde, vor.

Urteil vom 08.07.2010, Az. III ZR 249/09

Wieder einmal liegt ein Urteil des Bundesgerichtshofes, in welchem ein Anlageberater zu Schadensersatz verurteilt wurde, vor.

In der Entscheidung wurde konkret die Revision eines Beraters zurückgewiesen, der einem Kunden eine Beteiligung an einem geschlossenen Immobilienfonds (Turmcenter Frankfurt) verkauft hatte. Die hierfür benötigten Mittel des Kunden hatte dieser aus dem Verkauf eines von seinem Vater geerbten Hausgrundstücks gewonnen. Ab 2002 geriet der geschlossene Immobilienfonds in zunehmende wirtschaftliche Schwierigkeiten. Anfang 2006 ordnete das Amtsgericht München schließlich die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen der Fondsgesellschaft an.

Wegen Verlust seines eingesetzten Kapitals verklagte der Anleger den Berater auf Schadensersatz. Der Anleger machte geltend, der Berater habe seine Pflichten aus dem Anlageberatungsvertrag verletzt, da er ihm eine Anlage (geschlossener Immobilienfonds) empfohlen habe, die seinem erklärten Anlageziel einer sicheren Altersvorsorge widersprochen habe. Der klagende Anleger berief sich darauf, er sei nicht auf die spezifischen Risiken dieser Anlage, insbesondere nicht auf das Risiko eines Totalverlustes, hingewiesen worden.

Der Anlageberater wurde zu Schadensersatz wegen Vertragsverletzung in den Vorinstanzen verurteilt. Der BGH wies die Revision des Anlageberaters zurück und bestätigte damit dessen Haftung.

Der BGH hat in dieser Entscheidung auf einen Beratungsfehler erkannt, weil aufgrund der konkreten Beweisaufnahme und Zeugenaussagen in diesem Fall der Anleger offenbar eine „sichere Anlage“ für die Altersvorsorge gewollt habe. Im konkreten Fall wurde das Anlageziel des Kunden verfehlt.

Hinsichtlich des Beginns der Verjährungsfrist wurde zum Rechtsbegriff der „grobfahrlässigen Unkenntnis von Anspruchsvoraussetzungen“ höchstrichterlich ebenfalls erneut Stellung genommen. Der BGH vertritt hierzu die Auffassung, „dass der Anlageinteressent den ihm überlassenen Emissionsprospekt nicht durchgelesen hat, genüge für sich allein noch nicht, um die grobfahrlässige Unkenntnis von einem Beratungsfehler zu begründen“.

Vor diesem Hintergrund hat der BGH eine Verjährung des Anspruches des Anlegers verneint.


Rechtsanwältin Renate Winter
Rechtsanwältin
Ostendstrasse 100, 90482 Nürnberg
Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Wirtschaft & Wertpapiere
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Wirtschaftsrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

3.6 / 5 (7 Bewertungen)
Zum Anwalt für Wirtschaftsrecht an Ihrem Ort
B D F G H K L M N O R S T U W

Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
Kategorie: Anwalt Mietrecht 14.07.2016
Es wäre unzumutbar, wenn Mieter von heute auf morgen auf die Straße gesetzt werden könnten. Im Bürgerlichen Gesetzbuch ist deshalb der so genannte Mieterschutz fest verankert. Dem Mieterschutz gegenüber steht das Recht des Vermieters auf sein Eigentum.
Obwohl Presse wie Verbraucherverbände seit Jahren vor windigen Investitionsmodellen warnen, fallen private und sogar institutionelle Anleger (die es eigentlich wissen müssten) nach wie vor auf organisierten Investitionsbetrug herein. Wehren zwecklos?
Dass einem Anleger das Risiko einer Anlage klar gemacht wird, ist Aufgabe und Pflicht des Beraters. Klärt er den Anleger darüber nicht oder nur unzureichend auf, kann er haftbar gemacht und ggf. zu Schadenersatz verdonnert werden.
Die Deregulierung der Finanzmärkte brachte findige Unternehmer auf die Idee: Sie kreiierten Anlageprodukte, die keiner verstand, aber große Gewinne versprachen. Tausendfache Anklagen wegen Falschberatung, auf die Sie sich nach wie vor berufen können. Wir sagen Ihnen wie.
Kategorie: Anwalt Wirtschaftsrecht Siegfried Reulein    (319 mal gelesen)

Eine bemerkenswerte Entscheidung hat der Bundesgerichtshof am 03.06.2014 – XI ZR 147/12 – getroffen. Wieder einmal hatte der BGH sich mit der Frage zu beschäftigen, inwieweit Banken zur Aufklärung über vereinnahmte Provisionen verpflichtet sind.

3.7 / 5 (6 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Internetrecht    (138 mal gelesen)

BGH begrenzt Abmahnkosten bei WLAN auf €100,00: Entscheidung „Sommer unseres Lebens“ Mit Urteil vom 12.05.2010, Aktenzeichen I ZR 121/08, hat der BGH zu einer mit Spannung erwarteten Frage Stellung genommen. Es geht um die Verantwortlichkeit für Betreiber eines WLAN bei einem Urheberrechtsverstoß.

2.7 / 5 (3 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Mietrecht GKS Rechtsanwälte    (146 mal gelesen)

Mietverträge checken und Geld sparen; aktuelles BGH-Urteil stärkt erneut Mieterrechte

3.7 / 5 (3 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Wirtschaftsrecht    (175 mal gelesen)

Tritt der Bundesgerichtshof Klagewelle geschädigter Anleger gegen Banken los?

4.0 / 5 (6 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Wirtschaftsrecht Jürgen Wöhrle    (217 mal gelesen)

Geschädigte Anleger der offenen Immobilienfonds CS Euroreal und des SEB Immoinvest (Anlagesumme ca. 12 Mrd. EURO) schöpfen nunmehr Hoffnung, dass sie nicht auf ihrem Schaden sitzen bleiben müssen.

3.7 / 5 (3 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Wirtschaftsrecht Jürgen Wöhrle    (201 mal gelesen)

Das Management des offenen Immobilienfonds CS Euroreal hat am 09.05.2012 verlautbaren lassen, dass die Anleger, wie schon beim offenen Immobilienfonds SEB Immoinvest, über die Zukunft ihres Fonds entscheiden sollen und der Fonds unter dem Vorbehalt ausreichender Liquidität wieder eröffnet wird. Der SEB Immoinvest ist am Anfang der Woche mit dem gleichen Experiment gescheitert und wird jetzt aufgelöst.

3.3 / 5 (3 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Wirtschaftsrecht Siegfried Reulein    (179 mal gelesen)

Zinssatz– und Währungsswaps - Existenzbedrohende Form der Geldanlage für Privatanleger

2.7 / 5 (3 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Wirtschaftsrecht    (161 mal gelesen)

Mehr Schutz für Anleger durch Gesetzesinitiative der Bundesregierung?

2.7 / 5 (3 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht Renate Winter    (152 mal gelesen)

Ist die Rechtsprechung des BGH über die Aufklärungspflicht der Banken über Rückvergütungen (sog. “kick-backs“) auf Anlageberater übertragbar?

2.7 / 5 (3 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Bankrecht/Kapitalmarktrecht Siegfried Reulein    (142 mal gelesen)

Das Kammergericht Berlin hat unlängst mit Urteil vom 21.01.2016 - 4 U 63/13 – über eine interessante, aber nicht gänzlich unübliche Konstellation in der Vermittlung von Kapitalanlagen zu entscheiden.

3.9 / 5 (18 Bewertungen)


Alle Expertentipps zum Thema Wirtschaft & Wertpapiere

Suche in Fachbeiträgen