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Warum eine Patientenverfügung erstellen und muss diese auch aktualisiert werden?

Letzte Aktualisierung am 2017-04-26 / Lesedauer ca. 3 Minuten

Zu wenige Menschen denken an eine Patientenverfügung

Das Sterben blenden wir gerne aus - als das Gegenteil des Lebens. Entscheidungen darüber, was nach ihrem Tod zu geschehen hat oder auf dem Weg dorthin, treffen Menschen zu Lebzeiten nur ungern. Nur wenige sorgen vor und verfassen ein Testament zur Regelung ihres Nachlasses (30 Prozent). Noch weniger kümmern sich um eine so genannte Patientenverfügung (10 Prozent), in der sie festlegen, wie sie medizinisch behandelt werden möchten, wenn sie nicht mehr in der Lage sind, darüber selbst zu entscheiden, z.B. nach einem Unfall mit fortgesetzter Bewusstlosigkeit oder Koma. Fakt: In einer technisierten Welt sterben immer mehr Menschen im Krankenhaus - zu den dortigen Bedingungen. Dazu gehören all jene Errungenschaften, zu denen die Medizin heute in der Lage ist. Unter Umständen bedeutet das ein wochen- und monatelanges Dahindämmern.

Die Patientenverfügung hilft auch dem Arzt

Ärzte sind bei ihren Behandlungen zu lebenserhaltenden Maßnahmen verpflichtet. Jedoch muss der der Patient jeder Behandlung zustimmen bzw. sie ablehnen. Ohne Patientenverfügung gilt der „mutmaßliche Patientenwille“. Der ist jedoch schwer bis kaum zu ermitteln. In aller Regel bedeutet das den Einsatz lebensverlängernder Maßnahmen trotz schlechtester Prognose. Das Leben wird so lange wie möglich erhalten, auch dann wenn keinerlei Aussicht auf Besserung besteht. Viele Menschen würden dies zwar rundweg für sich ablehnen. Eine Patientenverfügung verfassen sie aber trotzdem nicht.

Formvorschriften der Patientenverfügung

Wer kann über das eigene Leben entscheiden als man selbst? Andere können und dürfen das nicht, und das ist gut so. Die Patientenverfügung ist daher die einzige Möglichkeit, keine Zweifel am eigenen Willen zu lassen. Sie weist den verantwortlichen Arzt an, was er zu tun hat (oder zu lassen hat), wenn ein betroffener Patient seinen Willen nicht mehr äußern kann. Eine Entscheidung von erheblicher Tragweite - verständlich daher, dass man volljährig (und einwilligungsfähig) sein muss, um sie zu treffen. Aus genau dem gleichen Grund muss die Patientenverfügung schriftlich verfasst und persönlich mit dem eigenen Namen unterschrieben sein. Patientenerklärungen oder Verfügungen, die mündlich geäußert wurden („Lasst mich doch sterben“), sind keinesfalls als solche zu werten. Das gilt auch für unvollständige Verfügungen oder solche, in denen keine klaren, widerspruchsfreien Bestimmungen getroffen werden. Eine Patientenverfügung kann erst dann in Kraft treten, wenn ein Patient nicht mehr einwilligungsfähig ist.

Was steht in einer Patientenverfügung?

Möglichst konkrete Bestimmungen und Aussagen sind unumgänglich, wenn es um eine solche Willensäußerung geht. „Ich möchte in Würde sterben“ ist eher keine. Andererseits sind konkrete Formulierungsvorschläge (überall im Internet zu haben) problematisch, wenn man ihnen unkritisch vertraut oder sie ungeprüft übernimmt. Klar ist: Je konkreter eine Patientenverfügung formuliert ist, desto weniger Interpretationsspielraum bleibt offen und desto weniger Unsicherheit ist vorhanden (z.B. auch für die Angehörigen). Nicht eindeutige Formulierungen sind kontraproduktiv. Sie führen wieder darauf zurück, dass der „mutmaßliche Patientenwille“ von Dritten interpretiert werden muss. Konkrete Formulierungen weisen dagegen darauf hin, dass sich der Verfasser der Patientenverfügung mit der Thematik gründlich auseinandergesetzt hat. Aus dieser Auseinandersetzung entstehen persönliche und individuelle Wünsche, welchen Behandlungen man im Notfall zustimmt, welche man sich aber keinesfalls vorstellen kann. Tipp: Es ist es ist hilfreich und dem Ernst der Situation angemessen, wenn man sich bei der individuellen Formulierung von einer rechtlich und / oder ärztlich fachkundigen Person beraten lässt.

Aktualisieren Sie Ihre Patientenverfügung!

Wie ein Testament auch, sollte man eine Patientenverfügung so aufbewahren, dass Angehörige bzw. Betreuer oder Bevollmächtigte sie im Ernstfall ohne weiteres finden können. Ebenfalls wichtig: Einstellungen gegenüber Behandlungen, Beziehungen zu als Betreuern benannten Personen und medizinische Behandlungsmöglichkeiten ändern sich. Der Inhalt einer einmal verfassten Patientenverfügung kann daher eine Halbwertszeit haben. Die regelmäßige Durchsicht und Aktualisierung im Hinblick auf persönliche Änderungen ist zu empfehlen. Erfahrungsgemäß kann man besser schlafen, wenn unausweichliche Zukunftsfragen geklärt sind. Das trifft mit einiger Sicherheit auch auf die Patientenverfügung zu. Denken Sie darüber nach, zusammen mit der Patientenverfügung gleich eine Vorsorgevollmacht zu verfassen. Damit bestimmten Sie eine Person Ihres Vertrauens („Bevollmächtigter“), die sich um Ihre Belange kümmert, wenn Sie nicht mehr einwilligungsfähig sind. Entkommen kann man dem Thema nicht, aber man kann sich ihm stellen. Fragen Sie am besten einen Fachmann, wenn Sie Sicherheit in Sachen Patientenverfügung haben wollen. Kontaktieren Sie jetzt gleich unverbindlich einen Rechtsanwalt für Medizinrecht in Ihrer Nähe!

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