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Arztrecht , 02.06.2015

Fettabsaugung- Kostenübernahme durch die Krankenkasse?

Fettabsaugung- Kostenübernahme durch die Krankenkasse? © W. Heiber Fotostudio - Fotolia

Bauch, Beine, Po: Mehr als 20.000 Menschen lassen sich jährlich in Deutschland Fett absaugen. Und in einigen Fällen muss die gesetzliche Krankenkasse für diese Operationskosten aufkommen. Lesen Sie mehr …

Wann zahlt die Krankenkasse eine Fettabsaugung?


Das Sozialgericht Dresden (Aktenzeichen S 47 KR 541/11) entschied jüngst, dass die gesetzliche Krankenkasse bei einer medizinisch notwendigen Fettabsaugung die Kosten übernehmen muss. Im zugrundeliegenden Fall litt eine Patientin an Lipödemen an ihren Beinen ( sogenannte Reiterhosen). Die Lipödeme bereiteten ihr starke Schmerzen und sie war in ihrem Bewegungsablauf stark eingeschränkt. Die Patientin hatte alle herkömmlichen Behandlungen, wie Reduktion des Körpergewichts, Lymphdrainagen und Komressionsbehandlungen bereits erfolglos versucht. Ihre gesetzliche Krankenkasse wollte die Kosten für eine Fettabsaugung nicht übernehmen. Ihrer Ansicht nach handele es sich hier um eine neue Behandlungsmethode für die es keine Empfehlung des Gemeinsamen Bundesausschuss über den diagnostischen und therapeutischen Nutzen gebe.

Fettabsaugung muss medizinisch notwenig sein!


Zu Unrecht, entschied das Sozialgericht Dresden. Der therapeutische Nutzen der Fettabsaugung ergebe sich bei der Patientin durch die erhebliche Linderung der Schmerzen und die bessere Beweglichkeit. Eine stationäre Behandlung sei angebracht, da die Patientin mit hochdosierten Schmerzmitteln behandelt wurde und Infusionen erhielt. Neue Behandlungsmethoden seien im stationären Bereich immer zulässig, solange der gemeinsame Bundesausschuss keine negativen Urteile über die Behandlungsmethode treffe. Die gesetzliche Krankenkasse müsse daher die Kosten für die stationäre Behandlung einer Fettabsaugung tragen.

Aber: Landessozialgerichte lehnen Fettabsagung auf Kosten der gesetzlichen Krankenkasse ab!


Das Landessozialgericht Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen L 5 KR 228/13) beurteilte die Pflicht zur Kostenübernahme einer Fettabsaugung für die gesetzliche Krankenkasse konträr und lehnt die Kostenübernahme für eine ambulante und stationäre Fettabsaugung ab. Kern der Begründung: Es gebe derzeit noch keine gesicherten medizinischen Erkenntnisse über Qualität und Wirksamkeit der Fettabsaugung. Es fehle an entsprechenden medizinischen Studien, was auch mit dem Aktualisierungsgutachten des Medizinischen Dienste vom Januar 2015 bestätigt werde.

So auch das Landessozialgericht Baden-Württemberg (Aktenzeichen L 4 KR 3517/11) im Fall einer Patientin, die an sogenannten Reiterhosen litt. Das Gericht lehnte ebenfalls die Kostenübernahme für eine Fettabsaugung durch die gesetzliche Krankenkasse ab und begründete dies auch mit dem derzeit noch mangelnden Nachweis einer medizinischen Wirksamkeit.



Letzte Aktualisierung am 2016-12-22 11:29:07.0

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