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Arztrecht , 11.03.2015

Schmerzensgeld vom Heilpraktiker!

Schmerzensgeld vom Heilpraktiker! © alexandro900 - Fotolia

Nicht nur Ärzte müssen für Behandlungsfehler bei Patienten aufkommen, auch Heilpraktiker müssen für ihre Fehlbehandlungen gegenüber ihren Patienten finanziell gerade stehen.

20.000 Euro Schmerzensgeld vom Reiki-Meister


Das Landgericht Oldenburg hat einen Reiki-Meister verurteilt seinem Patienten ein Schmerzensgeld in Höhe von 20.000 Euro und weiterer 3.600 Euro als Schadensersatz zu zahlen. Darüber hinaus ist er verpflichtet, auch künftig eintretende Schäden dem Patienten zu ersetzen.

Wie kam es dazu? Der Patient litt an einem Kribbeln in der rechten Körperhälfte und unter Kopf- und Rückenschmerzen. Die klassische Schulmedizin half ihm nicht, so dass der Mann einen Reiki-Meister aufsuchte, der auch als Chiropraktiker tätig war.

Während der Behandlung hatte der Reiki-Meister den Kopf des Patienten ruckartig einmal nach links und einmal nach rechts bewegte und dabei insgesamt fünf Schlaganfälle seines Patienten ausgelöste. Dieser musste lange stationär behandelt werden, war für vier Jahre arbeitsunfähig erkrankt und wird dauerhaft unter den Folgen der Schlaganfälle leiden. Heute liegt ein Grad der Behinderung von 50 Prozent vor.

Ein Sachverständigengutachten stellte fest, dass die Infarkte durch das Einrenken ausgelöst worden waren. Bei dem Manöver seien kleine Blutgerinnsel, sog. Thromben gelöst worden, die die Blutgefäße im Gehirn verstopften und so zu einer Sauerstoffunterversorgung führten.

Reiki-Meister benötigt Genehmigung für chiropraktische Tätigkeiten!


Das Landgericht Oldenburg entschied auf die Klage des Patienten, dass der Reiki-Meister seinem ehemaligen Patienten Schadensersatz und Schmerzensgeld zahlen, weil er eine Tätigkeit als Heilpraktiker ausgeübt habe, ohne im Besitz der dafür erforderlichen Genehmigung zu sein. Eine chiropraktische Tätigkeit falle unter den Anwendungsbereich des Heilpraktikergesetzes. Auch wenn die Tätigkeit nur nebenbei ausgeübt werde, müsse dafür eine Genehmigung nach diesem Gesetz eingeholt werden. Zweck des Erlaubnisvorbehalts sei unter anderem, ein Minimum an Fachkunde sicherzustellen, um die Patienten davor zu schützen, dass der Heilende sie, z.B. weil er die Bedeutung seines Handelns verkennt, schädigt. Gerade diese Gefahr, vor der das Heilpraktikergesetz schützen soll, hatte sich aus Sicht des Landgerichts Oldenburg hier verwirklicht.

Heilpraktiker muss auf notwendige ärztliche Behandlung hinwirken!


Ein Heilpraktiker darf den Patienten bei schwerwiegenden Erkrankungen nicht im Glauben lassen, eine ärztliche Behandlung werde durch den Heilpraktiker ersetzt. Diesen Grundsatz hat der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg (VGH) (Aktenzeichen 9 S 1782/08) in einer Entscheidung betont.
Der Heilpraktiker hatte eine Patientin wegen einer Geschwulst in der Brust behandelt. Auf der Grundlage einer bioelektrischen Funktionsdiagnose war er zum Schluss gelangt, dass es sich um eine gutartige Geschwulst handele. An dieser Diagnose hielt er auch dann noch fest, nachdem das Geschwür auf eine Größe von zuletzt 24 cm Durchmesser angewachsen und aufgebrochen war, und die Patientin stark an Gewicht verloren hatte. Als die Patientin sich schließlich in ärztliche Behandlung begab, wurde ein metastasierendes Mamma-Karzinom festgestellt, an deren Folgen sie schließlich verstarb.
Der VGH hat ausgeführt, dass dem Antragsteller die Heilpraktikererlaubnis zu Recht entzogen worden sei. Sein Verhalten rechtfertige den Schluss, dass ihm die für die Berufsausübung erforderliche Zuverlässigkeit fehle und die Volksgesundheit gefährdet sei, wenn er die Heilkunde ausübe. Ein Heilpraktiker müsse nämlich die Gefahren im Auge behalten, die sich daraus ergeben könnten, dass seine Patienten medizinisch gebotene Hilfe nicht oder nicht rechtzeitig in Anspruch nähmen. Er dürfe deswegen nicht dazu beitragen, notwendige ärztliche Behandlungen zu verhindern oder auch nur zu verzögern.


Letzte Aktualisierung am 2016-12-22 11:48:13.0

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