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Kategorie: Anwalt Familienrecht , 25.11.2019 (Lesedauer ca. 7 Minuten)

Adoption – Der Weg zum Wunschkind

Adoption – Der Weg zum Wunschkind © freepik - mko

Für wen kommt eine Adoption in Frage? Können auch Erwachsene adoptiert werden? Wie läuft das Adoptionsverfahren ab? Worauf muss man achten? Was kostet eine Adoption? Was ist bei einer Auslandsadoption zu beachten? Alle wichtigen Fragen zum Thema Adoption beantwortet Ihnen unsere Checkliste Adoption – aktuell, kompetent und verständlich!

Adoption – Das müssen Sie wissen!

Bleibt einem Paar der Wunsch nach eigenen Kindern unerfüllt oder bringt der neue Ehepartner ein Kind aus einer früheren Beziehung mit in die Ehe, besteht oft der Wunsch nach einer Adoption. Auch volljährige Erwachsene können unter bestimmten Voraussetzungen adoptiert werden. Wer sich zu einer Adoption entscheidet, sollte über alle zu erbringenden Voraussetzungen sowie die rechtlichen Konsequenzen einer Adoption gut informiert sein.

Adoption eines Minderjährigen

Adoption eines MinderjährigenEine Adoption eines minderjährigen Kindes ist gesetzlich nur zulässig, wenn sie dem Wohl des Kindes dient, seine Lebenssituation verbessert und zu erwarten ist, dass ein gutes Eltern-Kind-Verhältnis entsteht.

Die Adoption eines minderjährigen Kindes ist für verheiratete hetero- und homosexuelle Paare möglich. Aber auch alleinstehende Personen haben in Deutschland das Recht ein Kind zu adoptieren. Nichtverheirateten Paaren bleibt nur die Möglichkeit, dass ein Partner das Kind adoptiert.

Bei der Adoption gibt es zwar keine Altersgrenze, aber ein Partner muss mindestens 25 Jahre und der andere Partner darf nicht jünger als 21 Jahre alt sein. Zulässiger Altersunterschied zwischen dem Kind und den Eltern liegt bei nicht mehr als 40 Jahren. Im Fall einer Adoption durch eine alleinstehende Person, darf diese nicht jünger als 25 Jahre alt sein. Bei einer Stiefkind-Adoption muss der adoptierende Ehepartner mindestens 21 Jahre als sein und falls der andere Ehepartner das 21. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, muss er über 25 Jahre alt sein.

Kinderlosigkeit ist keine Voraussetzung für eine Adoption. Geprüft werden die wirtschaftlichen Verhältnisse, die Wohnverhältnisse sowie die psychologische Eignung der Adoptiveltern.

Eine weitere wichtige Voraussetzung ist die Einwilligung des Kindes zur Adoption. Bei Kindern unter 14 Jahre kann der gesetzliche Vertreter die Einwilligung zur Adoption erklären. Kinder die über 14 Jahre alt sind, müssen selbst in die Adoption einwilligen.

Daneben ist auch die Zustimmung der beiden leiblichen Eltern zur Adoption ihres Kindes notwendig. Die Zustimmung darf erst erteilt werden, wenn das Kind acht Wochen alt ist. Auf die Zustimmung eines Elternteils oder der Eltern kann verzichtet werden, wenn die Eltern nicht in der Lage sind diese Erklärung abzugeben oder wenn ihr Aufenthaltsort nicht bekannt ist. Die Zustimmung darf nicht von Bedingungen abhängig gemacht werden und sie kann nicht widerrufen werden. Allerdings haben die leiblichen Eltern des Kindes die Möglichkeit die Einwilligung auf bestimmte Voraussetzungen zu beschränken, etwa, dass das Kind nicht durch muslimische Eltern adoptiert werden darf.

Eine Adoption eines minderjährigen Kindes hat für das Kind und für die Eltern weitreichende rechtliche Konsequenzen. Mit der Adoption werden die Verwandtschaftsverhältnisse geändert. Das Kind gibt seine verwandtschaftliche Beziehung zu seinen leiblichen Eltern auf und tritt rechtlich in die Stellung eines leiblichen Kindes der Adoptiveltern. Unterhalts- und Erbansprüche gegenüber den leiblichen Eltern erlöschen und entstehen gegenüber den Adoptiveltern.

Der Nachname des adoptierten Kindes wird in den Ehenamen der Adoptiveltern geändert. Haben die Adoptiveltern keinen gemeinsamen Namen, muss dieser für das Kind bestimmt werden. Kinder, die älter als fünf Jahre alt sind, müssen der Namensänderung zu stimmen.

Adoption eines Stiefkinds

Adoption eines StiefkindsBei der Adoption eines Stiefkindes bleiben die rechtlichen Beziehungen mit seinem leiblichen Elternteil der neuen Familie bestehen. Hier erlischt nur das Verwandtschaftsverhältnis des Kindes zum leiblichen Elternteil und dessen Familie, der der Adoption zu stimmt.

Verweigert ein Elternteil, mit gemeinsamen Sorgerecht, die Zustimmung zu einer Stiefkind-Adoption, kann diese vom Familiengericht ersetzt werden, wenn dem Kind ohne die Adoption unverhältnismäßige Nachteile entstehen würden.

Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf zur Neuregelung der Stiefkindadoption vorgelegt, wonach Personen in verfestigter Lebensgemeinschaft, die in einem gemeinsamen Haushalt leben, zukünftig einfacher die Möglichkeit haben sollen, das Kind ihres Partners zu adoptieren. Von einer verfestigten Lebensgemeinschaft kann nach dem Gesetzentwurf gesprochen werden, wenn eine eheähnliche Beziehung seit mindestens vier Jahren besteht oder eheähnlich mit dem Kind zusammengelebt wird.

Adoption eines Erwachsenen

Bei der Erwachsenen-Adoption steht nicht das Wohl des Adoptierten im Fokus, sondern die sittliche Rechtfertigung. Diese ist anzunehmen, wenn eine Eltern-Kind-Beziehung entstanden ist oder zukünftig entstehen kann. Allein das Erlangen eines Adelstitels rechtfertigt beispielsweise keine Erwachsenen-Adoption.

Die rechtlichen Konsequenzen sind bei einer Erwachsenen-Adoption mit der Adoption eines minderjährigen Kindes vergleichbar. Die rechtlichen Beziehungen zur Ursprungsfamilie erlöschen. Der Erwachsene tritt in die rechtliche Stellung eines leiblichen Kindes des Adoptierenden, aber diese rechtliche Stellung hat keine Auswirkungen auf die Verwandten des Adoptierenden.

Eine Adoption eines Erwachsenen kann wieder aufgehoben werden, wenn schwerwiegende Gründe dafür vorliegen.

Adoption nach Leihmutterschaft


Für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch ist das Austragen eines durch künstliche Befruchtung erzeugten Kindes durch eine Leihmutter im Ausland oft eine Option. Während der leibliche Vater nach der Geburt des Kindes seine rechtliche Stellung durch die Anerkennung der Vaterschaft sichert, bleibt der genetischen Mutter nur die Möglichkeit das Kind zu adoptieren, um auch rechtlich als Mutter zu gelten. Nach deutschem Recht tritt die ausländische Leihmutter in die Rechtsstellung der Mutter, weil sie es geboren hat – trotz Eizellenspende. Das Oberlandesgericht Frankfurt/Main (Aktenzeichen 1 UF 71/18) hat in einer Entscheidung klargestellt, dass dem Adoptionsantrag der genetischen Mutter zu entsprechen ist, da die Adoption dem Wohl des Kindes diene und ein intaktes Eltern-Kind-Verhältnis in diesem Fall zu erwarten sei.

Was kostet eine Adoption?

Eine Adoption kostet in Deutschland zwischen 75 und 100 Euro Gebühren für das Vormundschaftsgericht. Eine Auslandadoption ist deutlich teurer. Hier müssen in der Regel Gebühren für eine Vermittlungsstelle, einen örtlichen Anwalt und Aufwendungen für den Besuch des Kindes im Ausland bezahlt werden.

Die Kosten für eine Adoption können nach einer Entscheidung Finanzgerichts Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen 3 K 1841/06) nicht als außergewöhnliche Belastungen bei der Einkommenssteuer geltend gemacht werden. Es gebe keine unausweichlichen rechtlichen, tatsächlichen oder sittlichen Gründe für die Adoption eines Kindes. Diese beruhe nur auf dem freien, nicht von außen bestimmten Willen der Eltern. Es fehle daher zur Anerkennung von außergewöhnlichen Belastungen an der notwendigen Zwangsläufigkeit der Adoptionskosten.

Wie läuft das Adoptionsverfahren ab?

Wer ist für das Adoptionsverfahren zuständig?

Zuständig für das Adoptionsverfahren ist in Deutschland das Vormundschaftsgericht, also in der Regel das zuständige Amtsgericht am Wohnort der Adoptiveltern.

Adoption- Welche Unterlagen benötigt man?


Für ein Adoptionsverfahren benötigen Sie folgende Unterlagen:

  • Antrag auf Adoption

  • Einwilligungserklärung des Kindes

  • Zustimmungserklärung der leiblichen Eltern

  • Geburtsurkunde der Adoptiveltern

  • Geburtsurkunde des Kindes

  • Ggfs. Heiratsurkund der Adoptiveltern

  • Polizeiliches Führungszeugnis der Adoptiveltern

  • Lebenslauf der Adoptiveltern

  • Ggfs. Gesundheitszeugnisse des Kindes und der Adoptiveltern

  • Ggfs. Verdienstbescheinigungen

  • Ggfs. Staatsangehörigennachweis


Wer alle Unterladen vollständig mit dem Antrag auf Adoption abgibt, hat gute Chancen das Adoptionsverfahren zu beschleunigen.

Wie geht´s weiter?

Adoptions AblaufNach dem Adoptionsantrag prüft das Gericht die gesetzlichen Voraussetzungen und vom Jugendamt wird eine Eignungsprüfung der Adoptiveltern vorgenommen. Dafür kommt das Jugendamt auch in die Wohnung der Adoptiveltern, um sich über die Lebens- und Wohnsituation ein Bild zu verschaffen.

Erscheinen die Adoptiveltern für eine Adoption geeignet, erfolgt eine Kennenlernphase oder Probezeit, bei der das Kind zu den Adoptiveltern zieht. Jetzt wird geschaut, ob sich eine Eltern-Kind-Beziehung anbahnt oder anbahnen kann. Bei Säuglingen dauert diese Phase rund ein Jahr, bei älteren Kindern auch länger. In dieser Zeit findet eine intensive Betreuung der Familie durch das Jugendamt statt.

Verläuft die Kennenlernphase erfolgreich, steht einer rechtskräftigen Adoption nichts mehr im Wege.

Was muss bei einer Auslandsadoption beachtet werden?

AuslandsadoptionBei einer Auslandsadoption eines Kindes durch deutsche Eltern geht es häufig um die Frage, ob das Kind die deutsche Staatsangehörigkeit durch die Adoption erwirbt. Grundsätzlich erwirbt ein durch Deutsche adoptiertes ausländisches Kind die deutsche Staatsangehörigkeit.

Eine wichtige Voraussetzung dafür ist aber nach einer Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts (Aktenzeichen BVerwG 1 C 30.16), dass die Adoption im Ausland mit der Adoption in Deutschland wesensgleich ist und das das Verwandtschaftsverhältnis zu den leiblichen Eltern durch die Adoption auch nach ausländischem Recht erlischt.

So entschied das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 11 UF 130/12) , dass eine nach thailändischem Recht vollzogene Adoption eines Kindes mit Zustimmung der leiblichen Eltern noch keine Volladoption nach deutschem Recht ermöglicht, da die erteilte Zustimmung der leiblichen Eltern nicht eine Beendigung des Eltern-Kind-Verhältnisses im Sinne einer deutschen Adoption erkennen lasse.

Stellt sich bei einer beabsichtigten Auslandsadoption eines Kindes während der Adoptionspflegezeit heraus, dass die Adoptionseltern sich mit dem Kind überfordert fühlen, haften sie beim Scheitern der Adoption für die Unterbringungskosten in Deutschland sowie im äußersten Fall für die Rückführung des Kindes in sein Geburtsland. Vorausgesetzt es wurde eine entsprechende Vereinbarung mit den ausländischen und deutschen Behörden getroffen. Dies stellte das Oberlandesgericht Köln (Aktenzeichen 7 U 151/18) in einer Entscheidung klar.

Wichtig zu wissen ist auch, dass eine ausländische Adoption in Deutschland nur anerkannt wird, wenn sich der Adoptionsbewerber einer Eignungsprüfung in Deutschland unterzogen hat. Dies entschied das Oberlandesgericht Frankfurt/Main (Aktenzeichen 1 UF 93/18).

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Häufige Fragen und Antworten zu Adoption


+ Adoption - wie läuft das ab?

Eine Adoption ist ein langwieriges Verfahren, das sich über mehrere Jahre hinwegziehen kann. Den genauen Ablauf einer Adoption finden Sie oben in unserer Checkliste.


+ Adoption - was ist zu beachten?

Bei einer Adoption gibt es eine Vielzahl von bürokratischen und rechtlichen Voraussetzungen zu beachten. Hilfreiche Unterstützung finden Sie bei einem Anwalt für Familienrecht.


+ Adoption - was braucht man?

Für eine Adoption werden folgende Unterlagen benötigt: Antrag auf Adoption, Einwilligungserklärung des Kindes, Zustimmungserklärung der leiblichen Eltern, Geburtsurkunde der Adoptiveltern, Geburtsurkunde des Kindes. Ob ggfs. weitere Unterlagen benötigt werden, erfahren Sie beim zuständigen Vormundschaftsgericht.


+ Adoption - wo beantragen?

Eine Adoption wird beim Vormundschaftsgericht, beim örtlich zuständigen Amtsgericht, beantragt.


+ Adoption - wer muss zustimmen?

Einer Adoption müssen sowohl die leiblichen Eltern wie auch das Kind zustimmen. Bei Kindern unter 14 Jahren erfolgt die Zustimmung durch den gesetzlichen Vertreter.


+ Adoption - wer steht in der Geburtsurkunde?

In der neuen Geburtsurkunde sind als Eltern die Adoptiveltern eingetragen.


+ Adoption - wie alt darf man höchstens sein?

Es gibt keine Altersgrenze für eine Adoption, aber der Altersunterschied zwischen Kind und Eltern darf nicht mehr als 40 Jahre betragen.


+ Adoption - was kostet das?

Für eine Adoption fallen Gebühren für das Vormundschaftsgericht zwischen 75 und 100 Euro an. Wird anwaltliche Hilfe beim Adoptionsverfahren benötigt, erhöhen sich die Kosten um die Anwaltsgebühr.


+ Wo werden Adoptionsunterlagen aufbewahrt?

Adoptionsunterlagen werden bei der Adoptionsvermittlungsstelle beim Jugendamt aufbewahrt.




erstmals veröffentlicht am 22.07.2019, letzte Aktualisierung am 25.11.2019

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