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anwaltssuche Richterhammer neben zwei Eheringen getrennt durch einen Blitz
Richterhammer neben zwei Eheringen getrennt durch einen Blitz ©mko - topopt

Die Scheidung: das formale Ende einer Ehe

Letzte Aktualisierung am 14.07.2020 / Lesedauer ca. 6 Minuten

Voraussetzungen für eine Ehescheidung

Eine Ehescheidung verändert die Lebensverhältnisse beider Partner nachhaltig. Aus diesem Grund fordert der Gesetzgeber eine einjährige Bedenkzeit für die Eheleute. Das Trennungsjahr kann durchaus im gemeinsamen Haus stattfinden. Es darf lediglich keine häusliche Gemeinschaft der Eheleute mehr bestehen. Das bedeutet: getrennt schlafen, getrennt haushalten, getrennte Konten. Erst mit Ablauf dieser Frist, gilt eine Ehe als zerrüttet. Durch einen Anwalt kann nun der Scheidungsantrag bei Gericht eingereicht werden. Mit dem Scheidungsantrag wird der juristische Prozess der Ehescheidung formal eingeleitet. Es müssen zahlreiche Regelungen darüber getroffen werden, wie und von wem bisher gemeinsam getragene Verantwortlichkeiten in Zukunft ausgeübt werden sollen. Entsprechende Regelungen sind im Scheidungsantrag anzugeben. Alle Einnahmen vor der rechtskräftigen Scheidung sind zwischen den Ehepartnern hälftig zu teilen. Gemeinsames Eigentum bleibt gemeinsames Eigentum, urteilte daher das OLG Stuttgart in seinem Beschluss v. 18.02.2016. Der Fall handelte vom Verkauf des gemeinsamen Familienautos kurz vor der Scheidung durch die Noch-Ehefrau. Der Ehemann muß die Hälfte des Verkaufserlöses bekommen.

Grundsätzliches zur Ehescheidung

Ob sich eine Ehescheidung problemlos oder kompliziert gestaltet, hängt von mehreren Faktoren ab. Schneller Streitpunkt sind leider oft Entscheidungen, rund um die gemeinsamen Kinder. Bei welchem Elternteil werden sie leben, wie wird das Umgangsrecht bzw. Besuchsrecht für das andere Elternteil gestaltet. Zudem muss der Unterhaltsanspruch geprüft und die Höhe von Trennungsunterhalt und ggf. nachehelichem Unterhalt berechnet werden. Auch folgende Punkte sind zu klären:

  • die Aufteilung des Zugewinns
  • die Entscheidung darüber, wie mit einem evtl. gemeinsam aufgebauten Unternehmen zu verfahren ist
  • den Versorgungsausgleich für erworbene Rentenansprüche.

Braucht man eigentlich einen Anwalt?

zerstrittenes Ehepaar bei einer AnwältinEtwa zwei Drittel aller Scheidungen erfolgen einvernehmlich. Die Ex-Partner sind sich in allen Punkten einig und streben eine schnelle und möglichst kostengünstige Scheidung an. Viele ehemalige Paare stellen in diesem Zusammenhang die Frage, ob man auf einen Anwalt verzichten kann. Die Antwort lautet hier ganz klar "Nein". Eine Ehe kann nur geschieden werden, wenn ein Scheidungsantrag gestellt wurde. Und dieser kann in Deutschland nur von einem Anwalt eingereicht werden, hierfür herrscht in Deutschland Anwaltszwang. Der Gesetzgeber möchte dadurch verhindern, dass jemand aus Unkenntnis auf ihm zustehende Rechte verzichtet und ihm dadurch Nachteile für sein weiteres Leben entstehen. Denn eine Scheidung hat nicht nur persönliche, sondern auch finanzielle Auswirkungen bis hin zu künftigen Rentenansprüchen. Jedoch kann man sich bei einer „einvernehmlichen“ Scheidung auf einen gemeinsamen Anwalt einigen und so Kosten für einen zweiten Anwalt einsparen.

Welche Papiere werden benötigt?

Für den Scheidungsantrag benötigt der Anwalt umfassende Informationen von den Partnern:

  • die eigenen Personalien und die der (minderjährigen) Kinder inkl. Angaben zum Wohnsitz
  • die Heiratsurkunde der Partner und die Geburtsurkunden der Kinder (jeweils im Original oder als beglaubigte Kopie)
  • Angaben zum Trennungsjahr
  • eventuell vorhandener Ehevertrag oder Scheidungsfolgenvereinbarung.
Außerdem Angaben zu eventuellen weiteren Regelungen, die zwischen den Eheleuten bereits getroffen wurden oder noch zu treffen sind, wie:

  • das Sorgerecht und Aufenthalt der Kinder, Kindesunterhalt, Ehegattenunterhalt
  • die Zustimmung zur Scheidung des Partners, der die Scheidung nicht beantragt hat.
  • Die Eigentums- und Vermögensverhältnisse wie das Miteigentum an Haus oder Wohnung, das Vermögen eines jeden Partners bei der Eheschließung, sowie eigene und gemeinsame Verbindlichkeiten.

Anfallende Scheidungskosten

Ab dem Scheidungsantrag kostet die Trennung: Das Gericht erhebt mit dem Einreichen der Scheidung einen Gerichtskostenvorschuss, der sich am Verfahrenswert orientiert. Wer knapp bei Kasse und anspruchsberechtigt ist, kann Prozesskostenhilfe beantragen. In diesem Zusammenhang kann es sinnvoll sein, dass derjenige Partner die Scheidung beantragt, der Anspruch auf Prozesskostenhilfe hat.

Wie können Scheidungskosten eingespart werden?

Viele Kosten spart man sich natürlich durch eine friedliche Einigung im Vorfeld. Eventuell kann man sich einen Scheidungsanwalt teilen und minimiert dadurch die Anwaltskosten. Im Streitfall hat sich deshalb die Einschaltung einer Mediatorin bzw. Mediators sehr bewährt, Mediatoren sind oft Juristen oder Psychologen. Ihr Einsatz kann zu mehr Klarheit und Nüchternheit beitragen. Dies macht dann eine Scheidungsfolgenvereinbarung möglich, durch die wiederum Gerichtskosten vermieden werden. Eine Scheidungsfolgenvereinbarung kann sehr individuell gestaltet werden. Meistens enthält sie den Ausschluss in Punkto Versorgungsausgleich und den Verzicht auf Ausgleichszahlung sowie die Regelung von Höhe und Laufzeit von Unterhaltszahlungen. Wichtig ist, dass die Interessen beider Parteien gleichberechtigt und nachhaltig wahrgenommen werden. Widersprechen sich die Interessen der Paare am Ende einer Ehe, kann dies, besonders beim Thema Vermögensausgleich, finanzielle Auswirkungen bis hin zu Rentenansprüchen haben. Ist man sich also nicht vollends sicher, dass ein Anwalt beide Parteien bestmöglich beraten kann, oder Kompromisse zum eigenen Nachteil gereichen würden, sollte man das Geld für einen eigenen Anwalt investieren. Dies kann sich auch bei den Themen Unterhalt, Sorgerecht und Umgangsrecht auszahlen.

Scheidung per Maus-Klick

Scheidung per Mausklick Online-ScheidungBei einer Online-Scheidung korrespondieren Mandant (Antragsteller) und Rechtsanwalt (Verfahrensbevollmächtigter) fast ausschließlich online, also per Online-Formular oder E-Mail. Persönliche Anwaltsbesuche sind weitgehend überflüssig. Am Ende des Scheidungsverfahrens steht der Scheidungstermin beim Familiengericht. Hier wird die Scheidung, in Anwesenheit beider Ehegatten, offiziell vollzogen und beurkundet. Vieles kann für die Internet-Scheidung sprechen, besonders wenn es sich um einen sehr einfachen Fall, z.B. ohne Kinder und nennenswerte Vermögenswerte, handelt. Jedoch sollte das persönliche Gespräch mit einem Rechtsanwalt vor Ort nicht unterschätzt werden, da sich viele Probleme erst nach und nach offenbaren. Zu bedenken ist, dass sich das Anwaltshonorar nach dem Gegenstandswert richtet und somit keine Kostenersparnis einbringt! Außerdem hat ein kompetenter Scheidungsanwalt immer die individuelle Lösung der jeweiligen Fälle, Probleme und Situationen im Fokus seiner Beratung und sieht sich als aktiver Gestalter zugunsten seiner Mandanten.

Scheidungskosten bei der Steuer absetzbar?

Seit 2013 gibt es einen Zusatz im Einkommensteuergesetz, wonach Scheidungskosten nicht mehr als außergewöhnliche Belastung in der Einkommensteuererklärung berücksichtigt werden. Allerdings können, laut aktueller Rechtslage, die entstandenen Gerichts- und Rechtsanwaltsgebühren nach wie vor angerechnet werden (Aktenzeichen 14 K 1861/15). Kosten für Kindesunterhalt, Trennungsunterhalt oder Zugewinnausgleich fallen nicht darunter (BFH-Urteil vom 10.3.2016, VI R 69/12). Geben Sie aus diesem Grund nach wie vor alle entstandenen Kosten bei Ihrer Einkommensteuer an und warten Sie die Entscheidung und Begründung vom örtlichen Finanzamt ab.

Was regelt eine Scheidungsfolgenvereinbarung?

Scheidungsvereinbarung oder Scheidungsfolgenvereinbarung, das Scheidungsrecht macht keinen Unterschied. Es werden alle Dinge geregelt, die im Anschluss an eine rechtsgültige Scheidung gelten sollen. Zwischen Trennung und Scheidung kann auch eine Trennungsvereinbarung sinnvoll sein. Neben Sorgerecht und Unterhalt wird auch das Aufheben eines gemeinsamen Testaments, die Verteilung des Hausrats, der Verbleib in der ehelichen Wohnung, Steuerfragen, der Umgang mit gemeinsamen Schulden und Forderungen, Vermögensübertragungen und der Versorgungsausgleich geregelt. Eine Scheidungsfolgenvereinbarung sollte einvernehmlich getroffen werden. Gelingt dies nicht, kann ein Familiengericht auf Antrag eines Ehegatten eine Entscheidung treffen. Eine Scheidungsfolgenvereinbarung unterliegt grundsätzlich keinem Formerfordernis. Regelungen zu Vermögensübertragungen von Immobilien, nachehelichem Unterhalt, Versorgungs- und Zugewinnausgleich sowie die Aufhebung eines gemeinsamen Testaments müssen aber notariell beurkundet werden! Wird hier auf eine Beurkundung durch einen Notar verzichtet, ist die gesamte Scheidungsfolgenvereinbarung nichtig.

Was kostet eine Scheidungsfolgenvereinbarung?

Die Anwaltskosten für eine Scheidungsfolgenvereinbarung richten sich nach dem Vermögen der Ehepartner und des zu regelnden Inhalts. Der Streitwert bei einer Vereinbarung zum Unterhalt ist das 12fache des geltend gemachten Unterhalts. Beim Zugewinnausgleich ist die Höhe der geltend gemachten Forderung für den Streitwert maßgeblich. Ist eine notarielle Beurkundung notwendig, kommen noch die Notarkosten hinzu. Diese richten sich nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz. Auch hier ist der Geschäftswert, also der Vermögenswert, über den die Entscheidung getroffen werden soll, ausschlaggebend.

Die Trennungsvereinbarung

Möchte sich ein Paar trennen, kann die Trennungsvereinbarung für Klarheit sorgen. Meist geht es den Partnern darum, wer in der Wohnung verbleiben darf oder wer welche Gegenstände erhält. Auch steuerliche oder erbliche Aspekte können sofort nach einer Trennung eine Rolle spielen. Die meisten Paare, die sich trennen, möchten sich auch scheiden lassen. Die Trennungsvereinbarung regelt in diesem Fall die Zeit nach der Trennung bis zur endgültigen Scheidung. Es gibt aber auch einen kleinen Prozentsatz an Paaren, die lediglich "für immer" getrennt leben möchten. Auch für sie kann eine Trennungsvereinbarung Sinn machen.

Scheidungsvereinbarung oder Ehevertrag?

Ein Ehevertrag ist ein gültiger Vertrag zwischen Eheleuten. Meistens wird dieser zu Beginn einer Ehe vereinbart. Eine Trennungsvereinbarung oder Scheidungsvereinbarung ist dem Wesen nach auch ein Ehevertrag, jedoch eher am Ende einer Ehe.

Muster Trennungsvereinbarung / Scheidungsvereinbarung

Trennungs- oder Scheidungsvereinbarungen sind individuell. Damit Sie eine Vorstellung über den Inhalt bekommen, haben wir Ihnen ein PDF-Muster erstellt. Bitte beachten Sie, dass das Muster nur ein Anhaltspunkt bieten kann. Es ersetzt keinesfalls eine Rechtsberatung und hat auch keine Rechtskraft. Eine Trennungs- oder Scheidungsvereinbarung ist Anwaltssache. Hier können Sie eine Mustervereinbarung als PDF-Datei anschauen:

Formular Muster Scheidungsfolgenvereinbarung

Formular Muster Scheidungsfolgenvereinbarung Muster Scheidungsfolgenvereinbarung
Dieses Muster bietet eine hilfreiche Unterstützung beim Verfassen einer eigenen Scheidungsfolgenvereinbarung
Quelle: anwaltssuche.de, 29.01.2019 Downloads: 220