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Sterbehilfe: Der aktuelle Rechtsstand

Letzte Aktualisierung am 2017-06-20 / Lesedauer ca. 3 Minuten

Sterbehilfe - es gibt unterschiedliche Formen

Sterbehilfe ist nicht gleich Sterbehilfe: Man kann einen sterbewilligen Menschen in völlig unterschiedlichen Formen dabei unterstützen, vom Leben zum Tod zu kommen. Sterbehilfe in aktiver Form ist von den Gesetzen der meisten europäischen Länder nicht gedeckt. Bevor man tiefer in dieses sensible Thema eintaucht, ist daher eine Begriffsklärung notwendig. Es gibt unterschiedliche Formen der Sterbehilfe, ob die Bezeichnungen dafür sinnvoll sind, sei dahingestellt. Es ist fein zu unterscheiden:
  • Passive Sterbehilfe. Man lässt eine sterbewillige Person sterben, indem man auf die Gabe lebensverlängernder Medikamente verzichtet oder sie reduziert / eine lebensverlängernde Behandlung abbricht.
  • Aktive Sterbehilfe. Ein Dritter führt den Tod der sterbewilligen Person aktiv herbei, etwa durch die Gabe von entsprechenden Medikamenten.
  • Indirekte Sterbehilfe. Starke Medikamente, die schwerstkranke Menschen bekommen, haben Nebenwirkungen, die den Eintritt des Todes beschleunigen können. Wenn hingenommen wird, dass diese Nebenwirkungen den Eintritt des Todes beschleunigen, spricht man von indirekter Sternehilfe.
  • Assistierter Suizid. Bei dieser Form der "Beihilfe zur Selbsttötung" unterstützt ein Dritter den Sterbewilligen dabei, sein Ende selbst herbeizuführen, etwa indem man ihm ein Medikament zur Verfügung stellt, das er sich selbst verabreichen kann.

Aktive Sterbehilfe ist verboten

Der Gesetzgeber tut sich hierzulande mit diesem Thema schwer, mit Rücksicht auf die unrühmliche deutsche Euthanasie-Vergangenheit auch verständlich. Nach deutschem Recht sind alle Formen der aktiven Sterbehilfe untersagt ("Tötung auf Verlangen"). Die indirekte und die passive Sterbehilfe sind nur dann straffrei, wenn sie durch die Willensäußerung des Patienten gedeckt sind bzw. wenn eine gültige Patientenverfügung vorliegt. Wenn - nur ca. 10 Prozent der Bundesbürger haben eine Patientenverfügung verfasst. Ob die gültig ist (und auffindbar), steht auf einem andern Blatt. Für Ärzte ist die Situation zweischneidig: Ohne Patientenverfügung darf der Arzt keine passive oder indirekte Sterbehilfe leisten; dem Patienten droht in einer Situation, in der er nicht mehr selbst entscheiden kann, wochen- und monatelanges Dahindämmern. Mit Patientenverfügung ist der Arzt zur passiven Sterbehilfe verpflichtet. Nur eine gute und eindeutige Patientenverfügung schafft rechtliche Klarheit.

Beihilfe zur Selbsttötung

Die Beihilfe zur Selbsttötung wird in Deutschland widersprüchlich verhandelt. Rechtlich gesehen ist diese Form der Sterbehilfe ein Suizid ("assistierter Suizid"): Wer sich selbst tötet, kann nicht bestraft werden. Der Suizid-Helfer darf so weit gehen, dass er die Gelegenheit für die Selbsttötung schafft, etwa Medikamente besorgt und zur Verfügung stellt. Verabreichen darf er sie auf keinen Fall, wenn er sich nicht strafbar machen will. Nach der eigenen Verabreichung ist der Unterstützer nach deutschem Recht allerdings dazu verpflichtet, erste Hilfe zu leisten, wiederzubeleben, einen Notarzt zu alarmieren. Tut er dies nicht, kann er wegen unterlassener Hilfeleistung bestraft werden.

Sterbehilfe ist in einigen Ländern erlaubt

In Europa macht die Harmonisierung beim sensiblen Thema Sterbehilfe Schluss. Eine europäische Einheitlichkeit gibt es nicht, jedes Land hat seine eigenen Regelungen (bzw. keine). Drei europäische Länder gestatten alle Formen der Sterbehilfe: die Niederlande, Belgien und Luxemburg. Hier ist die so genannte "organsierte" Sterbehilfe möglich - in Deutschland strikt verboten durch eine neue Regelung aus dem Jahr 2015. Sie verbietet "Sterbehilfevereine" und Einzelpersonen, die Beihilfe zum Suizid anbieten. Die Beihilfe zur Selbsttötung bleibt erlaubt, etwa durch Angehörige. Mehr dies aber mehrfach tut, dem kann ein geschäftsmäßiges Interesse unterstellt werden, das strafbar ist. Es ist sicherlich sinnvoll, sich mit Angelegenheiten des Sterbens zu beschäftigen; entkommen können wir ihnen nicht. Die Beschäftigung mit dem Thema hat meist zur Folge, dass man Position bezieht zu essentiellen Fragen wie Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung. Unterstützung und rechtliche Klarheit kann Ihnen ein Rechtsanwalt bieten. Kontaktieren Sie jetzt gleich unverbindlich einen Anwalt für Medizinrecht in Ihrer Nähe!

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