anwaltssuche
Arbeitsrecht , 03.01.2018

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: Das neue Entgelttransparenzgesetz

In Deutschland werden Männer im Durchschnitt immer noch besser bezahlt als Frauen. Es besteht eine Lohndifferenz von 21 %. Auch wenn man dabei herausrechnet, dass Frauen mehr Teilzeit und in schlechter bezahlten sozialen Berufen arbeiten und im Vergleich weniger Führungspositionen einnehmen, so bleibt immer noch eine Lohnlücke von 7 % Das soll durch das neue Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG) geändert werden.

Am 6. Juli 2017 ist es in Kraft getreten. Mit diesem Gesetz soll mehr Transparenz bei der Entgeltregelung geschaffen werden. Das bedeutet, dass Beschäftige mehr Einblick bekommen sollen, nach welchen Kriterien und Vorgaben ihr eigenes Entgelt und das ihrer Kollegen berechnet wird und welchen Lohn Kollegen erhalten, die die gleiche Tätigkeit ausüben.

Dies wird durch den neuen Auskunftsanspruch im Entgelttransparenzgesetz geregelt. Arbeitnehmerinnen können in Zukunft von ihrem Arbeitgeber oder Betriebsrat Auskunft darüber verlangen, wie viel ihre männlichen Kollegen verdienen, und umgekehrt. Dabei ist aber Voraussetzung, dass die Kollegen die gleiche oder gleichwertige Tätigkeit ausüben wie der Auskunftssuchende selbst.

Wird dann eine Lohnungleichheit festgestellt, so kann die/der Arbeitnehmer/in von ihrem Arbeitgeber eine Lohnerhöhung fordern und diese notfalls gerichtlich durchsetzen. Weigert sich der Arbeitgeber Auskunft darüber zu geben, so kommt es zu einer Beweislastumkehr, d.h. der Arbeitgeber muss vor Gericht beweisen, dass die festgestellte Lohndifferenz nicht auf eine diskriminierende Benachteiligung zurückzuführen ist. Allerdings gibt es den Auskunftsanspruch nur, wenn mehr als 200 Mitarbeiter in einem Unternehmen beschäftigt sind.

Erstmals kann der Auskunftsanspruch 6 Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes am 6. Januar 2018 verlangt werden.

Auch auf die Arbeitgeber kommen durch das neue Gesetz einige Pflichten zu. Bei mehr als 500 Beschäftigten werden Unternehmen dazu aufgefordert, ihre Entgeltregelungen auf Lohngleichheit zu überprüfen und regelmäßig Bericht darüber zu erstatten, welche Maßnahmen sie zur Entgeltgleichheit getroffen haben.

Die praktische Bedeutung des neuen Entgelttransparenzgesetzes wird für die ArbeitnehmerInnen allerdings gering bleiben. So meint Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Graf von Stillfried von der Kanzlei Rechtsanwälte Kupka & Stillfried.: „Der Auskunftsanspruch wird den Arbeitnehmerinnen, die sich bei der Bezahlung benachteiligt fühlen, nicht wirklich nutzen. Denn auch wenn festgestellt wird, dass die männlichen Kollegen besser verdienen, so wird es für die Arbeitnehmerin schwierig sein dem Arbeitgeber eine Lohndiskriminierung nachzuweisen. Der Arbeitgeber wird sich dabei auf rechtfertigende Gründe herausreden. Letztendlich bleibt einem der Weg zum Gericht wohl nicht erspart. “

Ist man sich sowohl als Arbeitnehmer als auch als Arbeitgeber nicht sicher welche Rechten und Pflichten jetzt durch das neue Gesetz auf einem zukommen, sollte man sich am besten fachlichen Rat suchen. Ein Fachanwalt für Arbeitsrecht kann Auskunft darüber abgeben, wie man seinen Auskunftsanspruch durchsetzen kann und wie man gegen eine Lohndiskriminierung am besten vorgeht.

erstmals veröffentlicht am 20.12.2017, letzte Aktualisierung am 03.01.2018

Rechtsanwalt Dr. jur. Martin Kupka
Rechtsanwälte Kupka & Stillfried
Rechtsanwalt · Fachanwalt für Arbeitsrecht
Fürstenrieder Str. 275, 81377 München
(3 Bewertungen)
Direkt zum Profil
Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Arbeit & Beruf
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Arbeitsrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.333333333333333 / 5 (3 Bewertungen)
Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
14.03.2018
In vielen Fällen geht es bei arbeitsrechtlichen Streitigkeiten nicht nur um die Arbeitsleistung, sondern im Kern (auch) um persönliche Differenzen. Anwälte für Arbeitsrecht zeigen Erfolgsaussichten und Alternativen auf. Denn jeder Fall erfordert seine eigene Herangehensweise.
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht 08.05.2017
Die Interessen von Arbeitgeber und Arbeitnehmer kollidieren, wenn der Arbeitnehmer seinem Chef Konkurrenz macht. Er setzt sein Wissen noch während des Beschäftigungsverhältnisses ein und verdient im Arbeitsfeld und Tätigkeitbereich seines Arbeitgebers Geld. Das (nach)vertragliche Wettbewerbsverbot kann eine solche Konkurrenztätigkeit wirksam verhindern.
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht Rechtsanwälte Bender & Ruppel 12.07.2016 (1468 mal gelesen)

Im Arbeitsrecht gilt der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Dieser verbietet es "mit Kanonen auf Spatzen zu schießen". Bevor der Arbeitgeber zu dem denkbar einschneidensten arbeitsrechtlichen Mittel der Kündigung greift, muss er zuvor den Arbeitnehmer erfolglos abgemahnt haben. Doch nicht selten sind die Abmahnungen nicht begründet und der Arbeitnehmer fragt sich nach Erhalt, was er dagegen machen kann.

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.842696629213483 / 5 (89 Bewertungen)
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht 10.11.2009 (831 mal gelesen)

Nicht selten geschieht es, dass sich die Arbeitsvertragsparteien vor der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses über das vom Arbeitgeber zu erteilende Zeugnis unterhalten und einen bestimmten Zeugnistext vereinbaren.

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.037735849056604 / 5 (53 Bewertungen)


Alle Expertentipps zum Thema Arbeit & Beruf