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Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht , 08.07.2021 (Lesedauer ca. 10 Minuten, 1474 mal gelesen)

Corona-Krise: Was müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jetzt beachten?

Team am Arbeitsplatz während der Corona Pandemie Team am Arbeitsplatz während der Corona Pandemie © freepik-mko

Die Corona-Pandemie stellt die Arbeitswelt vor eine Reihe von rechtlichen Fragen: Müssen Arbeitnehmer auch während der Arbeitszeit eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen? Wie ist die Lohnfortzahlung bei Quarantäne oder bei Betriebsschließungen geregelt? Welche Rechte haben Eltern bei corona-bedingter Kita- oder Schulschließung? Was gilt im Hinblick auf die Home-Office-Arbeit? Und wann sind Kündigungen im Zusammenhang mit Corona erlaubt?

Update: Krankschreibung per Anruf beim Arzt wieder möglich


Aufgrund der stark steigenden Corona-Infektionszahlen ist wieder eine telefonische Krankschreibung für Patienten, die an leichten Atemwegserkrankungen leiden, möglich. Die Krankschreibung kann nach einem Gespräch mit dem Arzt bis zu sieben Tage erfolgen. Eine Verlängerung der Krankschreibung ist einmalig für weitere sieben Tage möglich. Diese Sonderregelung gilt bundesweit zunächst bis zum 30. September 2021.

Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung auch während der Arbeitszeit?


Der Arbeitgeber kann seinen Arbeitnehmer verpflichten auch während der Arbeitszeit eine angemessene Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Dies entschied das Arbeitsgericht Berlin (Aktenzeichen 42 Ga 13034/20) im Fall einer Flugsicherheitsassistentin, die statt einer Mund-Nasen-Bedeckung während der Arbeitszeit einen Gesichtsschutzschirm tragen wollte. Laut Gericht ist der Arbeitgeber verpflichtet seine Beschäftigten und das Publikum am Flughafen vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zu schützen. Daher könne er auch auf eine geeignete Mund-Nasen-Bedeckung bestehen.

Das Arbeitsgericht Köln (Aktenzeichen 12 Ca 450/21) hat die fristlose Kündigung eines Arbeitnehmers bestätigt, weil dieser trotz Abmahnung durch seinen Arbeitgeber seine Mund-Nasen-Bedeckung bei Kundenbesuchen nicht trug. Der Arbeitnehmer hatte seinem Chef ein Blanko-Schreiben mit dem Betreff: „Rotzlappenbefreiung“ vorgelegt, wonach ihm das Tragen einer Maske aus gesundheitlichen Gründen nicht zu zumuten wäre. Das Gericht bezweifelte die Ernsthaftigkeit des Attestes und lehnte es darüber hinaus ab, weil es keine Diagnose einer Krankheit enthielt.

In diesem Sinne entschied auch das Arbeitsgericht Siegburg (Aktenzeichen 4 Ga 18/20): Der Gesundheitsschutz der Arbeitnehmer und Besucher überwiegt das Interesse eines einzelnen Arbeitnehmers ohne Mund-Nasen-Bedeckung zu arbeiten.
Das Landesarbeitsgericht Köln (Aktenzeichen 2 SaGa 1/21) stellt in einer Entscheidung klar, dass ein Arbeitgeber die Beschäftigung eines Arbeitnehmers im Betrieb ablehnen kann, wenn dieser durch ein ärztliches Attest vom Tragen einer Maske befreit ist. Der Arbeitnehmer ist in diesem Fall als arbeitsunfähig zu behandeln.

Quarantäne oder Betriebsschließung: Wann erhalten Arbeitnehmer Lohnfortzahlung wegen Corona?


An Corona erkrankte Arbeitnehmer haben, wie bei jedem anderen Krankheitsfall, einen Anspruch auf Lohnfortzahlung für maximal sechs Wochen. Dieser Anspruch ist im Entgeltfortzahlungsgesetz verankert. Wer länger arbeitsunfähig erkrankt, erhält von seiner gesetzlichen Krankenkasse Krankengeld.

Arbeitnehmer, die nicht an Corona erkrankt sind, sondern vom Gesundheitsamt etwa als mögliche Kontaktperson zu einem Coronafall in Quarantäne gestellt werden, erhalten ihr Gehalt weiterhin von ihrem Arbeitgeber. Rechtlich werden sie kranken Arbeitnehmern gleich gestellt – also in den ersten sechs Wochen erhalten sie ihren Nettolohn, danach Krankengeld.

Der Arbeitgeber kann sich die Lohnfortzahlung erstatten lassen. Dieser Anspruch steht ihm nach dem Infektionsschutzgesetz zu. Die Entschädigung muss innerhalb von drei Monaten nach dem Ende der Quarantäne vom Arbeitgeber bei der zuständigen Landesbehörde, das sind in der Regel Gesundheits- oder Versorgungsämter, beantragt werden.

Doch aufgepasst: Wer nach einem Urlaub in einem Risikogebiet in häusliche Quarantäne muss und deshalb nicht arbeiten kann, erhält keinen Lohn. Begibt sich der Arbeitnehmer wissentlich an einen Urlaubsort, der als Risikogebiet deklariert ist, ist er für die Quarantäne selbst verantwortlich. In diesem Fall empfiehlt es sich vorab mit dem Arbeitgeber abzustimmen, ob Homeoffice möglich ist. Welche Urlaubsregionen aktuell als Risikogebiet ausgewiesen sind, ist auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts nachzulesen.

Wird ein Betrieb aufgrund von Corona-Erkrankungen geschlossen, haben die gesunden Arbeitnehmer weiterhin einen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Der Arbeitgeber ist gesetzlich zur weiteren Gehaltszahlung verpflichtet, wenn er seine Arbeitnehmer aus Gründen, die in seiner betrieblichen Sphäre liegen, nicht mehr beschäftigen kann.

Übrigens: Arbeitnehmer, die unter Quarantäne stehen oder deren Betrieb geschlossen wurde, müssen die versäumte Arbeitszeit nicht nacharbeiten. Der Arbeitgeber darf in diesem Fall auch nicht auf das Überstundenkonto der Arbeitnehmer zugreifen.

Kita und Schule schließt wegen Corona – Wie ist die Rechtslage für die Eltern?


Ist die Betreuung eines Kindes nicht mehr gewährleistet, weil Schulen oder Kindergärten geschlossen wurden, müssen sich die Eltern zuerst um eine alternative Betreuung ihrer Kinder, etwa durch die Großeltern, bemühen. Ist das nicht möglich, können sich Arbeitnehmer auf ihr Leistungsverweigerungsrecht berufen, da ihnen die Erfüllung ihrer Arbeitspflicht nicht zumutbar ist. Strenggenommen, darf vom Arbeitnehmer in dieser Situation nicht verlangt werden, für die Kinderbetreuung seinen Erholungsurlaub in Anspruch zu nehmen. In der Praxis ist das aber oft der Fall.

Um Eltern stärker zu unterstützen, die Kinder bis zum 12. Lebensjahr zu Hause betreuen und deshalb nicht arbeiten können, wird der Anspruch auf Lohnfortzahlung verlängert.

Schließt die Schule oder die Kita eine längere Zeit entfällt der Anspruch auf Lohnfortzahlung. Eltern haben dann aber einen Anspruch auf Entschädigungszahlungen nach dem Infektionsschutzgesetz.

Der Entschädigungsanspruch nach dem Infektionsschutzgesetz für Eltern, die während der Corona-Pandemie von einer Schul- oder Kita-Schließung betroffen sind und ihre Kinder selbst betreuen müssen, beträgt 67 Prozent des Nettoeinkommens als Verdienstausfall und ist auf höchstens 2.016 Euro im Monat begrenzt.

Voraussetzung für den Entschädigungsanspruch ist, dass den Eltern keine andere zumutbare Betreuung offensteht und das zu betreuende Kind das zwölfte Lebensjahr noch nicht beendet hat oder behindert oder hilfebedürftig ist.
Der Anspruch besteht für höchstens 10 Wochen pro Elternteil und kann über mehrere Monate verteilt werden. Die Auszahlung der Entschädigung erfolgt über den Arbeitgeber. Dieses Geld kann er sich bei der zuständigen Behörde zurückerstatten lassen.
Wenn Schulen und Kita aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen sind und Kinder zu Hause betreut werden müssen, haben gesetzlich versicherte Eltern rückwirkend ab dem 5.1.2021 pro Kind einen Anspruch auf 20 Tage Kinderkrankengeld, statt wie bisher nur 10 Tage. Alleinerziehende haben pro Kind jetzt einen Anspruch von 40 Tagen Kinderkrankengeld. Das Kinderkrankengeld kann bei der Krankenkasse auch beantragt werden, wenn die Eltern im Home-Office arbeiten.

Kündigung in der Corona-Krise – Was ist erlaubt?


Laut mehreren Entscheidungen des Arbeitsgerichts Berlin (Aktenzeichen 38 Ca 4569/20; 34 Ca 6664/20; 34 Ca 6667/20; 34 Ca 6668/20) kann ein Betrieb keine betriebsbedingte Kündigung mit dem Hinweis auf Corona oder Umsatzrückgängen begründen. Er muss vielmehr im Einzelfall darlegen, warum es sich bei dem Umsatzrückgang nicht nur um eine vorübergehende Auftragsschwankung handelt.

Die Kündigung eines Arbeitnehmers wegen einer Corona-Quarantäne ist unwirksam, entschied das Arbeitsgericht Köln (Aktenzeichen 8 Ca 7334/20). Der Arbeitgeber hatte die behördliche Quarantäne-Anordnung bezweifelt und dem Arbeitnehmer unterstellt, er wolle sich nur vor der Arbeit drücken. Dies rechtfertigt lange noch keine Kündigung, befanden die Kölner Richter.
Hustet ein Arbeitnehmer einen Kollegen aus nächster Nähe an, kann das in Zeiten der Corona-Pandemie eine fristlose Kündigung rechtfertigen, so das Landesarbeitsgericht Düsseldorf (Aktenzeichen 3 Sa 646/20). Der Arbeitnehmer verstoße mit diesem Verhalten in erheblicher Weise gegen seine Pflicht zur Rücksichtnahme gegenüber seinen Kollegen.

Nachtarbeit und Ausgangssperre – Was gilt?


Arbeitnehmer, die in Risikogebieten mit nächtlichen Ausgangssperren leben und nachts zur Arbeit müssen, sollten sich sicherheitshalber von ihrem Arbeitgeber eine entsprechende Bescheinigung ausstellen lassen. So können teure Bußgelder vermieden werden.

Home-Office-Arbeit während Corona-Krise: Pflicht?


Grundsätzlich haben Arbeitnehmer keinen Anspruch auf Home-Office-Arbeit, wenn dieser sich nicht aus ihrem Arbeits- oder einem Tarifvertrag oder einer Betriebsvereinbarung ergibt.

Zur Eindämmung der Corona-Pandemie wurde aufgrund der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung für Arbeitgeber ab dem 27.1.2021 eine Pflicht normiert, dort wo Home-Office-Arbeit möglich ist, diese auch dem Arbeitnehmer zu ermöglichen. Diese „Home-Office-Pflicht“ gilt aufgrund der zurückgehenden Corona-Infektionen seit dem 1. Juli 2021 nicht mehr.

Wie sieht der Versicherungsschutz im Home-Office aus?


Arbeitnehmer stehen bei der Ausübung ihrer beruflichen Tätigkeit und auf dem Weg zur und von der Arbeit unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Ob der Versicherungsschutz greift, hängt entscheidend davon ab, ob zum Unfallzeitpunkt einer privaten oder beruflichen Tätigkeit nachgegangen wird. Die Grenzen sind im Home-Office fließend. Was gehört hier zur beruflichen Tätigkeit und was ist dem Privatbereich zu zuordnen?

Der Gang zur Toilette ist laut einem Urteil des Sozialgerichts München (Aktenzeichen B 2 U 5/15 R) nicht vom Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung umfasst. Ebenso wenig der Gang in die Küche, um sich was zu trinken oder zu essen zu holen, entschied das Bundessozialgericht (Aktenzeichen B 2 U 5/15 R). Der Weg zur Küche stehe nicht im Zusammenhang mit der Ausübung des Berufs, sondern verfolge eigenwirtschaftliche Interessen.

Aus diesen Urteilen folgt: Versichert sind im Home-Office nur die Tätigkeiten, die in einem engen Zusammenhang mit der beruflichen Ausübung stehen.

Urlaub und Corona – Was müssen Arbeitnehmer beachten?


Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist Reisen mit vielen Einschränkungen und Risiken verbunden. Viele Arbeitnehmer würden sich daher ihre zugesicherten Urlaubstage gerne für die Zeit aufsparen, wenn unbeschwerter Urlaub wieder möglich ist. Das geht leider nicht. Bereits bewilligter Urlaub muss genommen und kann auch während einer Pandemie nicht verschoben werden.
Dies stellt der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (Aktenzeichen 6 CE 20.94330.4.2020) im Fall eines Beamten klar, der genehmigten Urlaub zurückgeben wollte, weil die Hochzeitsfeier, für die er den Urlaub genommen hatte, aufgrund der Corona-Pandemie ausfiel. Genehmigter Urlaub kann laut Gericht nur aus wichtigem Grund verschoben werden – allein die Corona-Pandemie reiche dafür nicht aus.

Arbeitnehmer, die ihren bereits genehmigten Urlaub verschieben möchten, sind auf die Zustimmung ihres Arbeitgebers angewiesen.
Kommt ein Arbeitnehmer während seines Urlaubs in Quarantäne, bleibt sein Urlaubsanspruch unzweifelhaft bestehen, wenn er an Corona erkrankt ist. Findet die Quarantäne nur als Kontaktperson, die selbst gesund ist, statt, kommt es darauf an, ob der Urlaub noch dem Zweck der Erholung dient.

Der Arbeitgeber hat während der Corona-Krise, etwa aufgrund von stark zurückgehender Auftragslage, die Möglichkeit Urlaub oder Betriebsferien anzuordnen. Betriebsferien müssen 14 Tage vor Beginn angekündigt werden und dürfen nicht den gesamten Jahresurlaub eines Arbeitnehmers ausmachen.

Kein Weihnachtsgeld wegen Corona-Krise?


Aufgrund der wirtschaftlichen Lage befürchten viele Arbeitnehmer in diesem Jahr kein Weihnachtsgeld vom Arbeitgeber zu erhalten. Arbeitnehmer, die in ihrem Arbeitsvertrag die Zahlung von Weihnachtsgeld oder einem 13. Gehalt vereinbart haben, haben auch einen Anspruch darauf. Der Arbeitgeber darf das Weihnachtsgeld nicht einfach streichen. Steht zum Weihnachtsgeld nichts im Arbeitsvertrag, ist zu prüfen, ob der Arbeitgeber aufgrund einer betrieblichen Übung zur Zahlung von Weihnachtsgeld verpflichtet ist. Das ist immer dann der Fall, wenn diese Sonderzahlung mehrere Jahre in Folge geleistet wurde, so dass der Arbeitnehmer auch in diesem Jahr von einer Zuwendung ausgehen konnte. Liegt keine betriebliche Übung vor, dann handelt es sich beim Weihnachtsgeld um eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers, die er nicht zahlen muss.

Trotz Corona: Paketzusteller dürfen nicht an Sonn- und Feiertagen arbeiten


Der Online-Handel boomt in der Corona-Krise und die Paketzusteller kommen mit dem Zustellen der Lieferungen nicht hinter her. Trotzdem ist es ihnen nicht erlaubt an Sonn- und Feiertagen zu arbeiten, entschied das Verwaltungsgericht Berlin (Aktenzeichen VG 4 L 132/20 u.a.) in mehreren Fällen. Begründung: Eine Ausnahme vom Sonn- und Feiertagsbeschäftigungsverbot sei nur vorgesehen, wenn dem Betrieb ansonsten schwere und unzumutbare Nachteile entstehen würden. Dies konnte von den Paketzustellern nicht zur Überzeugung des Gerichts dargelegt werden. Es gebe trotz Corona keine Versorgungskrise, die eine Zustellung der Pakete zur dringenden Versorgung der Haushalte notwendig mache.

Wann erhalten Arbeitnehmer einen Corona-Bonus?


Es gibt Berufsgruppen, wie etwa das Pflegepersonal in Krankenhäusern, die während der Corona-Pandemie mehr arbeiten müssen und auch einem höheren gesundheitlichen Risiko ausgesetzt sind. Arbeitgeber haben die Möglichkeit diesen Arbeitnehmern eine Sonderzahlung zukommen zu lassen. Bis zu einem Betrag von 1.500 Euro ist diese Zuwendung steuerfrei und sozialversicherungsbeitragsfrei. Bisher galt diese Regelung bis zum 30. Juni 2021. Sie wurde allerdings nun bis zum 31. März 2022 verlängert. Es gibt aber keinen Anspruch auf einen Corona-Bonus.

Das Verwaltungsgericht München (Aktenzeichen M 31 K 20.4504, M 31 K 20.5587, M 31 K 20.4944, M 31 K 20.4309) hat entschieden, dass Beschäftigte eines ambulanten Dialysezentrums keinen Anspruch auf den bayerischen Corona-Bonus haben. Begründung: Den Corona-Bonus erhalten nur Pflegenden, die in bestimmten Einrichtungen beschäftigt sind, dazu gehört ein ambulantes Dialysezentrum nicht.

Kurzarbeitergeld in Zeiten von Corona – Wann und für wen?


Wird ein Betrieb aufgrund einer behördlichen Anordnung geschlossen oder gibt es aufgrund der weltweiten Ausbreitung von Corona Lieferengpässe, können Unternehmen Kurzarbeitergeld für die vom Arbeitsausfall betroffenen Arbeitnehmer beantragen. Voraussetzung ist, dass sie ihre Produktion beschränken oder einstellen mussten.

Bevor Kurzarbeitergeld beantragt werden kann, muss der Betrieb die Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit anzeigen. Diese prüft bei jedem Antrag im Einzelfall, ob die Voraussetzungen für Kurzarbeitergeld vorliegen. Der erleichterte Zugang zu Kurzarbeitergeld kann bis 30. September 2021 beantragt werden.

Kurzarbeitergeld kann bis zu zwölf Wochen bewilligt werden und wird in Höhe des entsprechenden Arbeitslosengelds bezahlt.
Ausführliche Informationen zur Kurzarbeit in der Corona-Krise finden Sie in unserem Rechtstipp „Kurzarbeit – Was gilt in der Corona-Krise?“.

Was tun, wenn der Arbeitgeber Insolvenz anmeldet?


Coronabedingt sind viele Insolvenz in der Wirtschaft zu befürchten. Das bedeutet für viele Arbeitnehmer, dass sie ihre Arbeit verlieren.

Lesen Sie alles wichtig zur Insolvenz des Arbeitgebers in der Corona-Krise in unserem Rechtstipp „Corona – Tipps für Arbeitnehmer bei Insolvenz des Arbeitgebers“.

Betriebsratsmitglieder dürfen per Videokonferenz an Sitzung teilnehmen


Hält ein Unternehmen die aktuell geltenden Vorgaben der SARS-CoV-2- Arbeitsschutzverordnung nicht ein, haben die Mitglieder des Betriebsrats das Recht bis zum 30. Juni 2021 per Videokonferenz von zu Hause aus an der wöchentlichen Betriebsratssitzung teilzunehmen. Dies entschied das Arbeitsgericht Köln (Aktenzeichen 18 BVGa 11/21) und stellt klar, dass der Arbeitgeber nicht berechtigt ist, gegenüber den per Videokonferenz teilnehmenden Betriebsratsmitgliedern Abmahnungen auszusprechen oder Gehaltskürzungen vorzunehmen.

Was müssen Arbeitgeber in Corona-Zeiten beachten?


Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Arbeitgeber die Gefahren für die Sicherheit und Gesundheit seiner Arbeitnehmer am Arbeitsplatz zu beurteilen und entsprechenden Maßnahmen zur Gefahrenabwehr zu treffen.
Das heißt der Arbeitgeber muss sich in Zeiten von Corona ständig auf dem Laufenden halten, etwa die Informationen des Robert-Koch-Instituts verfolgen, und seine Mitarbeiter im Bedarfsfall entsprechend in Kenntnis setzen. Er sollte sie im Rahmen seiner Möglichkeiten über Entstehung, Verbreitung und Symptomatik der Erkrankung aufklären und sie auffordern ihn im Verdachtsfall zu unterrichten. Dienstreisen in Gefahrengebiete, vor denen das Auswärtige Amt warnt, müssen abgesagt werden.

Kommt es zu einem Corona-Fall im Unternehmen muss der Arbeitgeber die zuständige Gesundheitsbehörde umgehend informieren. Der betroffene Arbeitnehmer muss von den übrigen Mitarbeitern räumlich getrennt werden bis entweder die Gesundheitsbehörde vor Ort einen Corona-Test durchführt oder er zu einem Corona-Test abgeholt wird.

So dann gilt es für den Arbeitgeber herauszufinden, mit welchen Personen der betroffene Mitarbeiter Kontakt hatte. Auch diese Personen müssen auf Corona getestet werden. Um die übrigen Mitarbeiter zu schützen sollte soweit möglich Home-Office oder eine Schließung des Betriebs erwogen werden.

Wie wird ein ausreichender Arbeitsschutz in Corona-Zeiten gewährleistet?


Sicherheit und Gesundheitsschutz von Arbeitnehmern während der Corona-Pandemie eine hohe Bedeutung. Die Bundesregierung hat daher bundesweit verbindliche Arbeitsschutzstandards SARS-CoV-2 erstellt. Mit der im Januar eingeführten sog. SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung soll der Arbeitsschutz um Infektionsschutzmaßnahmen vor SARS-CoV-2 ergänzt und dynamisch je nach Verlauf der Corona-Pandemie angepasst werden. Die SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung wurde bis einschließlich 10. September 2021 verlängert.

Eine wichtige Arbeitsschutzmaßnahme ist die Testpflicht für Präsenzbeschäftigte. Arbeitgeber sind verpflichtet ihren Beschäftigten zweimal pro Woche ein freiwilliges Testangebot für einen Schnell- und Selbsttest machen. Die Kosten für die Test übernimmt der Arbeitgeber. Ausnahmen von der Testpflicht gibt es für vollständig geimpfte bzw. von einer Corona-Erkrankung genesene Arbeitnehmer.

Der Arbeitgeber muss Arbeitnehmern, die nicht anders geschützt werden können, ausreichend medizinische Gesichtsmasken zur Verfügung stellen. Es sind betriebliche Hygienepläne zu erstellen und für die Arbeitnehmer zugänglich zu machen. Infektionsschutz muss auch in den Pausen gewährleistet werden. Die Mindestabstandpflicht von 10 m2 pro Person in mehrfach belegten Räumen entfällt sowie auch die Pflicht zum Homeoffice. Trotzdem sollten betriebliche Räume auf ein Minimum von Personen genutzt werden.
Arbeitnehmer mit Krankheitssymptomen, die auf eine Corona-Infektion hindeuten, müssen zu Hause bleiben. Der Betriebsarzt berät Arbeitnehmer hinsichtlich der arbeitsbedingten Gefahren für ihre Gesundheit. Bei Risikopatienten muss der Arbeitgeber individuelle Schutzmaßnahmen veranlassen. „Gesundheit geht vor“ – dieses Credo muss der Arbeitgeber aktiv kommunizieren und umsetzen.

Quarantäne: Verdienstausfall auch bei Selbstständigen und Freiberuflern?


Selbstständigen und Freiberuflern steht im Quarantäne-Fall ebenfalls ein Anspruch auf Verdienstausfall nach dem Infektionsschutzgesetz zu. Die vorstehenden Erläuterungen gelten hier entsprechend. Sie haben darüber hinaus die Möglichkeit bei einer Existenzgefährdung für Mehraufwendungen, wie nicht gedeckte Betriebsausgaben, einen Antrag auf Erstattung zu stellen. Die Höhe der Erstattung richtet sich nach dem Verdienstausfall- maßgeblich ist die letzte Steuererklärung.


erstmals veröffentlicht am 11.03.2020, letzte Aktualisierung am 08.07.2021

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