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Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht , 29.04.2020 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 98 mal gelesen)

Kurzarbeit – Was gilt in der Corona-Krise?

Kurzarbeit – Was gilt in der Corona-Krise? © freepik - mko

Viele Betriebe und Arbeitsplätze sind aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie in Gefahr. Um die wirtschaftliche Situation aufzufangen, werden immer mehr Arbeitnehmer in Kurzarbeit geschickt. Doch was bedeutet Kurzarbeit? Wie hoch ist das Kurzarbeitergeld? Wie wird es beantragt? Wie lange wird es gezahlt? Hat es später Auswirkungen auf die Rente? Und werden die Einkünfte aus einem Nebenjob beim Kurzarbeitergeld angerechnet?

Was bedeutet Kurzarbeit?


Kurzarbeit heißt, dass die Arbeitszeit der Arbeitnehmer aufgrund eines erheblichen unvermeidbaren Arbeitsausfalls reduziert wird. Dies kann die gesamte Belegschaft oder auch nur einen Teil des Unternehmens betreffen. Der betroffene Arbeitnehmer erhält bei Kurzarbeit entsprechend weniger Lohn. Der entgangene Verdienst wird vom Staat mit der Zahlung eines Kurzarbeitergeldes ausgeglichen. Damit sollen Kündigungen in wirtschaftlich schwierigen Lagen vermieden werden.

Wer hat einen Anspruch auf Kurzarbeitergeld?


Einen Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben alle versicherungspflichtigen Arbeitnehmer, deren Unternehmen Kurzarbeit angezeigt hat. Darunter fallen auch Zeitarbeiter und Leiharbeiter. Keinen Anspruch haben bereits gekündigte Arbeitnehmer oder Arbeitnehmer, die Krankengeld beziehen, sowie Selbstständige; Freiberufler und Minijobber.

Wie viel wird gezahlt?


Bisher erhielten Arbeitnehmer vom Staat ein Kurzarbeitergeld in Höhe von 60 Prozent ihres entgangenen Netto-Gehalts. Das Kurzarbeitergeld erhöhte sich auf 67 Prozent, wenn ein Kind im Haushalt des Arbeitnehmers lebt.
Jetzt wird aufgrund der Corona-Krise das Kurzarbeitergeld ab 1. Mai 2020 stufenweise erhöht. In den ersten drei Monaten Kurzarbeit bleibt es bei der bisherigen Regelung. Ab dem vierten Monat erhöht sich das Kurzarbeitergeld um 10 Prozent aus 70, bzw. 77, Prozent. Ab dem siebten Monat gibt es dann 80, bzw. 87, Prozent Kurzarbeitergeld.
Die Anhebung des Kurzarbeitergeldes soll bis zum 31. Dezember 2020 gelten.
Zusätzlich zum Kurzarbeitergeld werden vom Staat auch die Sozialversicherungsbeiträge bezahlt. Kurzarbeitergeld ist für Arbeitnehmer steuerfrei.

Wer kann Kurzarbeitergeld beantragen?


Kurzarbeitergeld kann nur vom Arbeitgeber bei der Agentur für Arbeit beantragt werden. Arbeitnehmer können kein Kurzarbeitergeld beantragen. Voraussetzung für Kurzarbeitergeld ist, dass der Arbeitgeber aus unvermeidbaren wirtschaftlichen Gründen oder anderer erheblichen Ereignisse seine Belegschaft nicht mehr im normalen Umfang beschäftigen kann. Meist ist das der Fall aufgrund von Lieferengpässen oder von Stornierungen von großen Aufträgen oder wie jetzt bei einer Pandemie.

Im Rahmen der Corona-Krise sind die Voraussetzungen für die Beantragung von Kurzarbeitergeld erleichtert worden: Es müssen nur mindestens 10 Prozent der Belegschaft vom Arbeitsausfall betroffen sein. Vorher waren dies noch ein Drittel der Beschäftigten.

Wie lange kann Kurzarbeitergeld beansprucht werden?


Grundsätzlich wird Kurzarbeitergeld bis zu zwölf Monate gezahlt. Die Zahlung kann jetzt aufgrund der Corona-Pandemie einfacher auf 24 Monate verlängert werden.

Dürfen Arbeitnehmer mit einem Nebenjob etwas dazu verdienen?


Arbeitnehmer müssen die Einkünfte, die sie mit einem Nebenjob während des Bezugs von Kurzarbeitergeld erzielen, bei der Agentur für Arbeit anzeigen. Sie werden bei der Beantragung von Kurzarbeitergeld berücksichtigt. Unberücksichtigt bleiben jedoch Einkünfte eines Nebenjobs, der schon vor der Kurzarbeit ausgeübt wurde.

Ausnahme: Arbeitnehmer, die aufgrund der Corona-Krise von Kurzarbeit betroffenen sind, dürfen in einem Nebenjob Einkünfte bis zur vollen Höhe ihres bisherigen monatlichen Nettoeinkommens dazuverdienen, ohne das eine Anrechnung stattfindet. Diese Ausnahme bezog sich zunächst auf Einkünfte von Nebenjobs in systemrelevanten Bereichen, wie Landwirtschaft oder Krankenhäusern, jetzt gilt sie für alle Berufsgruppen. Die Regelungen gilt vom 1. Mai 2020 bis zum 31. Dezember 2020.

Überstundenabbau und Urlaub vor Kurzarbeit?


Bevor Kurzarbeitergeld angemeldet werden kann, muss der Betrieb alles ihm Mögliche getan haben, um den Arbeitsausfall zu vermindern. Aus diesem Grund kann der Arbeitgeber, ggfs. in Absprache mit dem Betriebsrat, von den Arbeitnehmern zunächst verlangen Überstunden abzubauen und Urlaub zu nehmen.

Wirkt sich die Kurzarbeit auf die Rente aus?


Auch während der Kurzarbeit sind Arbeitnehmer rentenversichert. Die Beiträge werden aber nach dem tatsächlich erzielten Lohn berechnet. Da dieser in der Kurzarbeit geringer ist als normalerweise, werden auch weniger Rentenansprüche gesammelt.
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erstmals veröffentlicht am 25.03.2020, letzte Aktualisierung am 29.04.2020

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