anwaltssuche
Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht , 25.03.2020 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 10 mal gelesen)

Kurzarbeit – Was gilt in der Corona-Krise?

Kurzarbeit – Was gilt in der Corona-Krise? © freepik - mko

Viele Betriebe und Arbeitsplätze sind aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie in Gefahr. Um die wirtschaftliche Situation aufzufangen, melden immer mehr Unternehmen Kurzarbeit an. Erwartet werden bis zu 2 Millionen Kurzarbeiter in der Corona-Krise. Doch was bedeutet Kurzarbeit? Wer hat jetzt einen Anspruch? Wie hoch ist das Kurzarbeitergeld? Wie wird es beantragt? Wie lange wird es gezahlt? Und hat es später Auswirkungen auf die Rente?

Was bedeutet Kurzarbeit?


Kurzarbeit heißt, dass die Arbeitszeit der Arbeitnehmer aufgrund eines erheblichen unvermeidbaren Arbeitsausfalls reduziert wird. Dies kann die gesamte Belegschaft oder auch nur einen Teil des Unternehmens betreffen. Der betroffene Arbeitnehmer erhält bei Kurzarbeit entsprechend weniger Lohn. Der entgangene Verdienst wird vom Staat mit der Zahlung eines Kurzarbeitergeldes ausgeglichen. Damit sollen Kündigungen in wirtschaftlich schwierigen Lagen vermieden werden.

Wer hat einen Anspruch auf Kurzarbeitergeld?


Einen Anspruch auf Kurzarbeitergeld haben alle versicherungspflichtigen Arbeitnehmer, deren Unternehmen Kurzarbeit angezeigt hat. Darunter fallen auch Zeitarbeiter und Leiharbeiter. Keinen Anspruch haben bereits gekündigte Arbeitnehmer oder Arbeitnehmer, die Krankengeld beziehen, sowie Selbstständige; Freiberufler und Minijobber.

Wie viel wird gezahlt?


Arbeitnehmer erhalten vom Staat ein Kurzarbeitergeld in Höhe von 60 Prozent ihres entgangenen Netto-Gehalts. Das Kurzarbeitergeld erhöht sich auf 67 Prozent, wenn ein Kind im Haushalt des Arbeitnehmers lebt. Zusätzlich werden vom Staat auch die Sozialversicherungsbeiträge bezahlt. Kurzarbeitergeld ist für Arbeitnehmer steuerfrei.

Wer kann Kurzarbeitergeld beantragen?


Kurzarbeitergeld kann nur vom Arbeitgeber bei der Agentur für Arbeit beantragt werden. Arbeitnehmer können kein Kurzarbeitergeld beantragen. Voraussetzung für Kurzarbeitergeld ist, dass der Arbeitgeber aus unvermeidbaren wirtschaftlichen Gründen oder anderer erheblichen Ereignisse seine Belegschaft nicht mehr im normalen Umfang beschäftigen kann. Meist ist das der Fall aufgrund von Lieferengpässen oder von Stornierungen von großen Aufträgen oder wie jetzt bei einer Pandemie.

Im Rahmen der Corona-Krise sind die Voraussetzungen für die Beantragung von Kurzarbeitergeld erleichtert worden: Es müssen nur mindestens 10 Prozent der Belegschaft vom Arbeitsausfall betroffen sein. Vorher waren dies noch ein Drittel der Beschäftigten.

Wie lange kann Kurzarbeitergeld beansprucht werden?


Grundsätzlich wird Kurzarbeitergeld bis zu zwölf Monate gezahlt. Die Zahlung kann jetzt aufgrund der Corona-Pandemie einfacher auf 24 Monate verlängert werden.

Dürfen Arbeitnehmer mit einem Nebenjob etwas dazu verdienen?


Arbeitnehmer müssen die Einkünfte, die sie mit einem Nebenjob während des Bezugs von Kurzarbeitergeld erzielen, bei der Agentur für Arbeit anzeigen. Sie werden bei der Beantragung von Kurzarbeitergeld berücksichtigt. Unberücksichtigt bleiben jedoch Einkünfte eines Nebenjobs, der schon vor der Kurzarbeit ausgeübt wurde.

Ausnahmen aufgrund der Corona-Krise: Wer jetzt während seiner Kurzarbeit einen Nebenjob in einem systemrelevanten Bereich aufnimmt, dessen Einkünfte werden nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Voraussetzung ist, dass das gesamte Einkommen aus Lohn, Kurzarbeitergeld und Nebenjob das normalerweise erzielte Bruttoeinkommen des Arbeitnehmers nicht übersteigt. Systemrelevante Bereiche sind etwa die Landwirtschaft, Krankenhäuser oder Lebensmittelgeschäfte.

Überstundenabbau und Urlaub vor Kurzarbeit?


Bevor Kurzarbeitergeld angemeldet werden kann, muss der Betrieb alles ihm Mögliche getan haben, um den Arbeitsausfall zu vermindern. Aus diesem Grund kann der Arbeitgeber, ggfs. in Absprache mit dem Betriebsrat, von den Arbeitnehmern zunächst verlangen Überstunden abzubauen und Urlaub zu nehmen.

Wirkt sich die Kurzarbeit auf die Rente aus?


Auch während der Kurzarbeit sind Arbeitnehmer rentenversichert. Die Beiträge werden aber nach dem tatsächlich erzielten Lohn berechnet. Da dieser in der Kurzarbeit geringer ist als normalerweise, werden auch weniger Rentenansprüche gesammelt.
.

Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Arbeitsrecht
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Arbeitsrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

Stern Stern Stern Stern Stern 5.0 / 5 (1 Bewertungen)
Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
Coronavirus – Was müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jetzt beachten? © freepik - mko
Expertentipp vom 25.03.2020 (225 mal gelesen)

Die Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland sorgt bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern für Verunsicherung. Gibt es eine Lohnfortzahlung in der Quarantäne? Haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf Home-Office-Arbeit? Müssen Arbeitnehmer zur Arbeit, wenn die Kinderbetreuung ausfällt, weil eine Schule oder ein Kindergarten geschlossen wird? Unter welchen Bedingungen ist die Krankschreibung per Telefon erlaubt?

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.6 / 5 (5 Bewertungen)
Arbeit: Neue gesetzliche Regelungen 2015 © Andrey Popov - Fotolia
Expertentipp vom 22.12.2016 (483 mal gelesen)

Das Jahr 2015 bringt für Arbeitnehmer einige erfreuliche Gesetzesänderungen: Mindestlohn, Erhöhungen des Regelbedarfs von Arbeitsuchenden und die Verlängerungen des Kurzarbeitergeldes- um nur ein paar zu nennen. Erfahren Sie mehr …

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.9 / 5 (30 Bewertungen)


Alle Expertentipps zum Thema Arbeitsrecht

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Datenschutzerklärung