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Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht , 12.02.2020 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 19 mal gelesen)

Arbeitszeugnis: Wann und wie kann es angefochten werden?

Arbeitszeugnis: Wann und wie kann es angefochten werden? © freepik - mko

Wer am Ende eines Arbeitsverhältnisses sein Arbeitszeugnis in den Händen hält, sollte genau hinschauen, ob es Fehler enthält. Schließlich ist das Arbeitszeugnis ein wichtiger Bestandteil für alle zukünftigen Bewerbungen. Bei unrichtigen Angaben oder zweifelhaften Formulierungen kann gegen ein Arbeitszeugnis vorgegangen werden.

Arbeitszeugnis – Formale Fehler beachten!


Fehler bei den Formalien im Arbeitszeugnis kommen immer wieder vor. Um beurteilen zu können, ob formale Fehler vom Arbeitgeber gemacht wurden, sollte man die Formalien eines qualifizierten Arbeitszeugnisses kennen. Das Arbeitszeugnis muss auf schriftlich Geschäftspapier verfasst sein. Ein Arbeitszeugnis darf nicht per Fax oder E-Mail erteilt werden. Es enthält neben dem Ort und dem Datum der Zeugnisausstellung die Daten zum Arbeitnehmer (Name, Anschrift, Geburtsdatum), eine Beschreibung seiner Tätigkeit im Unternehmen, eine Beurteilung seiner Arbeitsleistung und seines Sozialverhaltens. Mit Einwilligung des Arbeitnehmers kann auch der Grund der Kündigung mit aufgeführt werden. Das Arbeitszeugnis endet mit Grußformel und eigenhändiger Unterschrift des Arbeitgebers oder eines Vertreters.

Häufige formale Fehler kommen bei der Tätigkeitsbeschreibung vor. Hier werden oft Tätigkeiten, die während der Zeit im Unternehmen vom Arbeitnehmer ausgeübt wurden, vergessen. Rechtschreibfehler sind auch formale Fehler, die behoben werden sollten.

Inhaltliche Fehler – Vorsicht Zeugnissprache!


Weit häufiger als über formale Fehler streiten sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber über die Beurteilung des Arbeits- und Sozialverhaltens im Arbeitszeugnis. Arbeitgeber verwenden oft sog. Geheimcodes im Arbeitszeugnis. Vermeintlich wohlwollende Aussagen haben in der Zeugnissprache eine andere Bedeutung.

Lesen Sie dazu mehr in unserem Rechtstipp: „Arbeitszeugnis: Form, Inhalt und Geheimcodes“.

Inhaltliche Fehler im Arbeitszeugnis können vorliegen, wenn die Arbeitsleistung zu schlecht (also schlechter als befriedigend) bewertet wurde. In diesem Fall muss der Arbeitgeber beweisen, warum er das Arbeits- oder Sozialverhalten des Arbeitnehmers so einschätzt.

Aber auch wenn besondere Arbeitsleistungen, wie etwa ein besonderer Projekterfolg, nicht im Arbeitszeugnis erwähnt werden, stellt das einen inhaltlichen Fehler dar. Ebenso, wenn sich im Arbeitszeugnis widersprüchliche Formulierungen finden oder es schlicht zu kurz ist.

So gehen Sie gegen Fehler im Arbeitszeugnis vor!


1. Gespräch mit dem Arbeitgeber


Suchen Sie zunächst das Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber. Viele, insbesondere formale, Fehler lassen sich schnell und unbürokratisch aufklären und beheben. Im Nachgang zum Gespräch empfiehlt es sich die Korrekturen im Arbeitszeugnis nochmal schriftlich festzuhalten und mit einer Fristsetzung von 14 Tagen an den Arbeitgeber zu senden.

Kommt es zu keiner Einigung im Gespräch mit dem Arbeitgeber, sollten Sie sich Rat von einem Anwalt für Arbeitsrecht holen.

2. Arbeitszeugnis prüfen lassen - Expertenrat einholen


Ein Anwalt für Arbeitsrecht prüft Ihr Arbeitszeugnis auf formale und inhaltliche Fehler und bespricht mit Ihnen zusammen das weitere Vorgehen. In der Regel wird der Anwalt zunächst außergerichtlich auf den Arbeitgeber zu gehen und eine Korrektur des Arbeitszeugnisses fordern.

3. Klage auf Berichtigung des Arbeitszeugnisses erheben


Kommt es zu keiner außergerichtlichen Einigung mit dem Arbeitgeber über eine Korrektur des Arbeitszeugnisses, bleibt dem Arbeitnehmer noch der Gang zum örtlich zuständigen Arbeitsgericht, um eine Klage auf Berichtigung des Arbeitszeugnisses zu erheben.

Gut zu wissen: Der Arbeitgeber darf nach einer Klage auf Zeugnisberichtigung das Arbeitszeugnis nicht zum Nachteil des Arbeitnehmers verändern!

Welche Fristen müssen eingehalten werden?


Korrekturen beim Arbeitszeugnis sollten möglichst schnell eingefordert werden, ansonsten besteht die Gefahr, dass sich der Arbeitgeber etwa an bestimmte Arbeitsleistungen nicht mehr erinnern kann.

Fristen für das Einfordern oder Berichtigen eines Arbeitszeugnisses können im Arbeits- oder Tarifvertrag vereinbart sein. Dies sollte zunächst geprüft werden. Eine gesetzliche Frist für das Einfordern einer Zeugnisberichtigung gibt es nicht. Laut Rechtsprechung sollten Arbeitnehmer innerhalb von sechs Monaten eine Berichtigung des Arbeitszeugnisses einzufordern. Für das Einfordern des Arbeitszeugnisses bleibt dem Arbeitnehmer eine gesetzliche Frist von drei Jahren.

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