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Kategorie: Anwalt Familienrecht , 25.05.2020 (Lesedauer ca. 4 Minuten, 40 mal gelesen)

Vaterschaftstest: Das müssen Betroffene wissen!

Vaterschaftstest: Das müssen Betroffene wissen! © freepik - mko

Ein Vaterschaftstest schafft Klarheit bei Zweifeln über die Abstammung eines Kindes. Für Vater, Mutter und Kind stellen sich in diesem Zusammenhang viele Fragen: Wer kann einen Vaterschaftstest beantragen? Was passiert, wenn ein Beteiligter nicht einverstanden ist? Wie läuft ein Vaterschaftstest ab? Welche Kosten fallen an und wer muss sie tragen? Und unter welchen Voraussetzungen kann eine Vaterschaft angefochten werden?

Wie funktioniert ein Vaterschaftstest?


Bei einem Vaterschaftstest werden im Idealfall von allen Betroffenen – Vater, Mutter, Kind – Gewebeproben entnommen. Dies kann als Abstrich von der Mundschleimhaut mittels eines speziellen Vaterschaftstest-Kit von den Betroffenen selbst oder durch eine Blutentnahme beim Arzt erfolgen. Beides ist als Beweis vor Gericht verwertbar. Die Proben werden dann an ein spezielles Labor eingeschickt. Dort wird die DNA aus den Gewebeproben isoliert und mit unterschiedlichen Methoden analysiert. In der Regel werden 15 bis 40 sog. DNA-Marker analysiert. Je mehr DNA-Marker untersucht werden, desto sicherer, aber auch desto teurer ist der Vaterschaftstest. Die Auswertung der Testergebnisse dauern in der Regel nur wenige Tage. Das Ergebnis eines Vaterschaftstests kann eine Vaterschaft mit Sicherheit ausschließen und mit bis zu 99,9 prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Vaterschaft bestätigen – was vor Gericht ausreicht! Die Kosten für einen Vaterschaftstest belaufen sich je nach DNA-Verfahren zwischen 150 und 400 Euro.

Wer trägt die Kosten?


Wird ein Vaterschaftstest vom Gericht angeordnet, zahlt derjenige, der sich als biologischer Vater herausstellt. In allen anderen Fällen gilt: Wer einen Vaterschaftstest beauftragt, muss auch die Kosten dafür tragen.

Müssen alle mit dem Vaterschaftstest einverstanden sein?


Für einen Vaterschaftstest müssen alle Betroffenen – Vater, Mutter, Kind und/oder weitere mögliche Erzeuger – ihr schriftliches Einverständnis geben. Bei minderjährigen Kindern muss der sorgeberechtigte Elternteil dem Test zustimmen. Verweigert etwa die Mutter ihre Zustimmung zur Testung, kann das Familiengericht diese ersetzen. Dies ergibt sich aus dem gesetzlichen Anspruch auf Einwilligung in eine Abstammungsuntersuchung. Voraussetzung ist allerdings, dass der Vater ein ernsthaftes Interesse am Kind hat und der Kontakt zu ihm für das Kindeswohl förderlich ist. Lehnt ein potenzieller Erzeuger den Vaterschaftstest ab, kann dieser durch das Familiengericht angeordnet werden.

Es besteht aber kein Anspruch auf Einwilligung zu einer Abstammungsuntersuchung, wenn die Abstammung des Kindes schon durch ein früheres genetisches Abstammungsgutachten belegt ist und keine wissenschaftlichen Zweifel an diesem Gutachten bestehen, entschied der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen XII ZB 173/16).

Heimlicher Vaterschaftstest – erlaubt?


Heimliche Vaterschaftstest sind in Deutschland verboten und werden als Ordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld von bis zu 5.000 Euro geahndet. Auch das ausführende Labor riskiert ein hohes Bußgeld. Vor Gericht ist ein heimlich durchgeführter Vaterschaftstest im Übrigen ohne jede Beweiskraft.

Ein Hotel muss übrigens einer Mutter, die den potentiellen Vater ihres Kindes durch einen Vaterschaftstest ermitteln möchte, keine Auskunft über die Adressdaten seiner Gäste geben, so das Amtsgericht München (Aktenzeichen 191 C 521/16).

Vaterschaftstest für mutmaßlich leiblichen Vater?


Ein Mann, der eine Beziehung mit einer verheirateten Frau unterhielt, die kurz nach dem Ende der Beziehung ein Kind zur Welt brachte, hat keinen Anspruch auf Durchführung eines Vaterschaftstests. Dies entschied der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (Beschwerde-Nr. 16112/15). Der Mann war vor verschiedenen deutschen Gerichten mit seinem Begehren gescheitert, da sie mit der Durchführung eines Vaterschaftstest eine Gefährdung der Familiensituation und damit des kindlichen Wohls befürchteten. So sah es auch der EuGHMR, der die Entscheidung der deutschen Gerichte zum Wohl des Kindes gerade im Hinblick auf seine Integration in der Familie, die Vaterrolle des Ehemannes der Mutter und die Probleme um die außereheliche Affäre bestätigte.

Umgekehrt hat das Oberlandesgericht Zweibrücken (Aktenzeichen 2 WF 159/04) entschieden, dass ein mutmaßlicher leiblicher Vater nicht zu einem Vaterschaftstest gezwungen werden kann. Dies stelle einen gravierenden Eingriff in sein Persönlichkeitsrecht dar.

Wer kann man eine Vaterschaft anfechten?


Eine Vaterschaft kann von der Mutter des Kindes, dem mutmaßlichen biologischen Vater, dem möglichen Scheinvater und dem volljährigen Kind angefochten werden. Seit dem Jahr 2013 ist es Behörden nicht mehr erlaubt eine Vaterschaft anzufechten.

Der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen XII ZB 321/19) stellt in einem Urteil klar, dass die Mutter auf ihr Recht zur Anfechtung der Vaterschaft nicht verzichten und dieses Recht auch nicht verwirken kann. Dafür sei es unerheblich, ob die von einem anderen Mann schwangere Frau bewusst die Ehe mit einem Dritten eingegangen ist, um eine rechtliche Vaterschaft zu begründen.

Ein biologischer Vater kann die rechtliche Vaterschaft eines Dritten erfolgreich anfechten, wenn sein Kind und der rechtliche Vater nicht in einer Familie leben und daher auch keine sozial-familiäre Beziehung zwischen den Beiden besteht, die geschützt werden muss. Dies entschied das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 12 UF 244/14).

Wie läuft die Anfechtung ab?


Wer eine Vaterschaft anfechten möchte, muss einen Antrag beim zuständigen Familiengericht stellen. Dies ist innerhalb von zwei Jahren möglich, ab dem Zeitpunkt wo Zweifel an der Vaterschaft aufkommen. Diese Zweifel muss der Antragsteller vor Gericht begründen, etwa durch einen Vaterschaftstest oder einem ärztlichen Nachweis über eine Zeugungsunfähigkeit. Allein der Umstand, dass beim Geschlechtsverkehr ein Kondom benutzt wurde, reicht nicht, um eine Vaterschaft auszuschließen, entschied der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen XII ZR 58/12). Die Frist der Vaterschaftsanfechtung fängt laut Gericht daher mit dem Geschlechtsverkehr, bzw. der Geburt des Kindes an zu laufen.

Bei Kindern beginnt die Frist für eine Anfechtung der Vaterschaft ab Erreichen der Volljährigkeit.

Wer als Vater die Frist zur Anfechtung der Vaterschaft versäumt, bleibt unterhaltspflichtig, selbst wenn er nicht der biologische Vater des Kindes ist, entschied das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 2 WF 190/13).

Anfechtung der Vaterschaftstest nach Embryonenspende möglich?


Eine Vaterschaftsanfechtung für ein Kind, das aufgrund einer in Deutschland unzulässigen Embryonenspende gezeugt wurde, ist zulässig, wenn der vermeintliche Vater in den konkreten Befruchtungsvorgang nicht eingewilligt hat und die Ehe vorher bereits gescheitert war. Dies entschied das Oberlandesgericht Frankfurt/Main (Aktenzeichen 2 UF 194/16).


erstmals veröffentlicht am 16.04.2020, letzte Aktualisierung am 25.05.2020

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