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Kategorie: Anwalt Familienrecht , 12.03.2020 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 57 mal gelesen)

Sorgerecht für unverheiratete Väter – Was gilt?

Sorgerecht für unverheiratete Väter – Was gilt? © freepik - mko

Der Anteil der nichtehelich geborenen Kinder in Deutschland steigt stetig an. Für unverheiratete Väter sind mit der Ausübung ihrer Verantwortung und dem Sorgerecht eine Reihe von Fragen verbunden. Wie sieht die derzeitige rechtliche Situation für ledige Väter aus? Unter welchen Umständen kann das alleinige Sorgerecht beantragt werden? Und welche Rolle spielt der Wille des Kindes dabei?

Das müssen unverheiratete Väter zum Sorgerecht wissen!


Bis zur Reform des Sorgerechts im Jahr 2013 stand der Mutter eines nichtehelich geborenen Kindes das alleinige Sorgerecht zu. Dem leiblichen Vater wurde nur ein Umgangsrecht zugebilligt, wenn er eine enge Bezugsperson des Kindes war, also eine sozial-familiäre Beziehung zwischen ihm und dem leiblichen Kind bestand. Der Vater hatte auch kein Auskunftsanspruch über die persönlichen Verhältnisse des eigenen Kindes, der verheirateten getrennten lebenden Elternteilen im Rahmen des Kindeswohls zu steht. Das gemeinsame Sorgerecht konnte der ledige Vater nur mit Zustimmung der Mutter erhalten.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte und auch das Bundesverfassungsgericht entschieden im Jahr 2009/2010, dass diese Regelungen im deutschen Recht das Grundrecht von unverheirateten Vätern auf Pflege und Erziehung ihres leiblichen Kindes verletzen. Der deutsche Gesetzgeber reagierte daraufhin mit der Verabschiedung eines neuen Sorgerechts.

Die aktuelle Gesetzeslage eröffnet unverheirateten Vätern – neben der Möglichkeit einer Eheschließung- die Option sich mit der Kindesmutter auf ein gemeinsames Sorgerecht zu einigen und eine entsprechende Sorgerechtserklärung abzugeben. Ist eine solche Einigung nicht möglich, kann der unverheiratete Vater einen Antrag auf Übertragung des gemeinsamen Sorgerechts beim Familiengericht stellen. Das Familiengericht entscheidet dann zum Wohle des Kindes, ob es dem Antrag entspricht.
Wichtig zu wissen: Diese Möglichkeiten stehen auch allen Männern zur Verfügung, die vor der Sorgerechtsreform im Jahr 2013, Vater eines nichtehelichen Kindes wurden.

Sorgerechtsantrag: So läuft das Verfahren ab!


Zunächst muss der unverheiratete Vater einen Antrag auf das gemeinsame Sorgerecht beim zuständigen Familiengericht stellen. Der Antrag muss das Geburtsdatum und den Geburtsort des leiblichen Kindes enthalten. Das Familiengericht kontaktiert daraufhin die Mutter und gibt ihr eine Frist zur Stellungnahme. Das Ende der Frist darf aus Gründen des Mutterschutzes frühestens sechs Wochen nach der Geburt des Kindes sein.

Jetzt kommt es auf das Verhalten der Mutter an: Schweigt sie zum Antrag des leiblichen Vaters, wird das Gericht den Eltern das gemeinsame Sorgerecht zu sprechen. Trägt die Mutter Gründe vor, warum ein gemeinsames Sorgerecht dem Kindeswohl widerspricht, wird das Gericht dies in einer Verhandlung prüfen und so dann entscheiden.

Im Fokus steht das Kindeswohl!


Das Kindeswohl spielt eine zentrale Rolle bei der Frage, ob dem unverheirateten Vater ein gemeinsames Sorgerecht zu gesprochen wird. Das Familiengericht macht seine Entscheidung im Hinblick auf ein gemeinsames Sorgerecht in erster Linie vom Kindeswohl abhängig. Kann die Mutter nachvollziehbar begründen, warum ein gemeinsames Sorgerecht nicht dem Wohl des Kindes dient, wird es dem Vater verwehrt werden. Gibt es keine Gründe für eine Gefährdung des Kindeswohls, wird das Gericht einem gemeinsamen Sorgerecht, als beste Option für das Kind, stattgeben. Ältere Kinder werden im Rahmen des Sorgerechtsverfahrens vom Gericht befragt.

Lediger Vater- Chance auf alleiniges Sorgerecht?


Ledige Väter, die das alleinige Sorgerecht für ihr leibliches Kind beantragen, müssen konkret begründen, warum das Wohl des Kindes durch ein gemeinsames Sorgerecht gefährdet wird. Gründe können zum Beispiel die Vernachlässigung eines Kindes, die Gefährdung seiner Gesundheit, Gewalt gegenüber dem Kind oder Vermögensveruntreuung sein. Auch in diesem Fall wird das Familiengericht im Einzelfall prüfen, ob das alleinige Sorgerecht des unverheirateten Vaters tatsächlich dem Wohl und der positiven Entwicklung des Kindes dient.

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