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Kategorie: Anwalt Sozialrecht , 04.03.2021 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 1501 mal gelesen)

Wann zahlt das Sozialamt die Beerdigung?

Wann zahlt das Sozialamt die Beerdigung? © freepik - mko

Angehörige eines verstorbenen Menschen müssen nicht nur mit dem Verlust klarkommen, sie müssen sich auch mit den Kosten der Beerdigung auseinandersetzen. Was tun, wenn das Erbe für eine Bestattung nicht ausreicht? Wann muss das Sozialamt die Beerdigungskosten übernehmen? Sarg, Leichenschmaus und Grabpflege – welche Kosten trägt das Sozialamt?

Wann zahlt das Sozialamt die Beerdigung?


Grundsätzlich müssen in Deutschland die Erben eines Verstorbenen die Bestattungskosten übernehmen. Das Sozialamt springt nur dann ein, wenn der Nachlass des Verstorbenen oder Sterbegelder die Kosten der Beerdigung nicht decken und die Erben nicht in der Lage sind, die Beerdigung aus eigenen finanziellen Mitteln zu bestreiten oder es ihnen nicht zu zumuten ist. Das wäre etwa der Fall, wenn der Erbe vom Erblasser misshandelt wurde.

Das Sozialamt muss die Beerdigungskosten im Falle einer Fehlgeburt nicht übernehmen, entschied das Landessozialgericht Essen (Aktenzeichen L 20 SO 219/16). Anders als ein Krankenhausträger seien die Eltern nicht zur Bestattung verpflichtet. In Nordrhein-Westfalen steht es den Eltern frei, eine Fehlgeburt bestatten zu lassen.

Sargträger stehen neben einem Sarg in der AussegnungshalleEin Bestattungsunternehmen, das sich bereits zu Lebzeiten einer Verstorbenen vertraglich verpflichtete, deren Urnenbegräbnis durchzuführen, hat keinen Anspruch auf einen Zuschuss des Sozialamtes, wenn das Erbe der Toten die Beerdigungskosten wider Erwarten doch nicht abdeckt. Dies hat das Sozialgericht Berlin (Aktenzeichen S 88 SO 1612/10) entschieden und daraufhin gewiesen, dass es im konkreten Fall leistungsfähige Erben zur Übernahme der Beerdigungskosten gab, die vor dem Sozialamt in Anspruch zu nehmen sind.

Auch ein Betreuer kann mit seinem Vermögen vorrangig zur Zahlung der Beerdigungskosten in Anspruch genommen werden, wenn er gegenüber dem Beerdigungsinstitut nicht kenntlich macht, dass er in fremden Namen den Auftrag zur Bestattung erteilt, entschied der Verwaltungsgerichtshof Mannheim (Aktenzeichen 1 S 419/18).

Beauftragt ein Freund des Verstorbenen eine Bestattung, kann er im Nachhinein nicht die Übernahme der Bestattungskosten vom Sozialamt fordern, da er rechtlich nicht zur Bestattung verpflichtet war, entschied das Sozialgericht Karlsruhe (Aktenzeichen S 1 SO 1200/12).

Welche Bestattungskosten übernimmt das Sozialamt?


Das Sozialamt übernimmt alle notwendigen Kosten, die mit der Bestattung verbunden sind. Dazu gehören die Kosten für den Sarg, Blumenschmuck, die Leichenschau, die Trauerfeier sowie das Errichten des Grabes.

Rose liegt auf einem GrabsteinNach einer Entscheidung des Sozialgerichts Mainz (Aktenzeichen S 11 SO 33/15) müssen auch die Kosten für einen Grabstein übernommen werden. Dabei sei auf die religiösen Vorschriften und örtlichen Gepflogenheiten im Einzelfall zu achten. Der Verweis, ein Holzkreuz reiche aus, kann unrechtmäßig sein. Maßstab der Kostenübernahme sei eine einfache würdige Beerdigung, die den örtlichen Gegebenheiten entspricht, so das Gericht.

Das Sozialamt darf die Bestattungskosten auch nicht nach pauschalen Vergütungssätzen erstatten, sondern muss im Einzelfall die Angemessenheit der Kosten prüfen, so das Bundessozialgericht (Aktenzeichen B 8 SO 20/10 R).

Und welche Kosten rund um die Beerdigung werden nicht übernommen?


Vom Sozialamt nicht übernommen werden in der Regel die Kosten für eine Todesanzeige, den Leichenschmaus (so das Sozialgericht Heilbronn; Aktenzeichen S 11 SO 1712/12) sowie die Trauerkleidung der Gäste. Das Sozialgericht Karlsruhe (Aktenzeichen S 1 SO 2641/12) stellt in einer Entscheidung klar, dass alle Aufwendung mit der Durchführung der Beerdigung untrennbar verbunden sein müssen. So seien etwa die Kosten für eine Schmuckurne oder eine Kondolenzmappe keine erforderlichen Aufwendungen.


erstmals veröffentlicht am 28.06.2018, letzte Aktualisierung am 04.03.2021

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