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Kategorie: Anwalt Reiserecht , 17.11.2021 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 807 mal gelesen)

FIS-Regeln, Schneechaos und fehlende Sektgläser- Ihre Rechte im Skiurlaub!

FIS-Regeln, Schneechaos und fehlende Sektgläser- Ihre Rechte im Skiurlaub! © freepik - mko

Glitzernde Berge, Pulverschnee und Hüttenromantik – so stellt sich der Winterurlauber sein Schneemärchen vor. Wenn dann der Schnee fehlt, das Wellnesshotel keines ist, die gemietete Skihütte kaum erreicht werden kann und es auf der vollen Skipiste zu einer Kollision mit einem anderen Wintersportler kommt, ist es von Vorteil seine Rechte und Pflichten im Winterurlaub zu kennen.

Was gilt als Reisemangel im Skiurlaub?


Grüne, verschlammte Pisten statt einer in der Sonne glitzernden Schneelandschaft: Größer kann die Enttäuschung beim angekommenen Winterurlauber kaum sein. Doch ist fehlender Schnee ein Reisemangel für den der Reiseveranstalter einstehen muss? Nein, entschied das Landgericht Frankfurt/Main (Aktenzeichen 2/24 S 480/89). Schneemangel stellt im Winterurlaub ein allgemeines Lebensrisiko dar, für das der Reiseveranstalter nicht haftet. Etwas anders gilt nur, wenn der Reiseveranstalter den Urlaubsort als schneesicher angepriesen hat.

Umgekehrt führt auch zu viel Schnee und Schneechaos am Urlaubsort nicht dazu, dass der Urlauber sein Hotel kostenfrei stornieren kann, so das Amtsgericht Viechtach (Aktenzeichen 2 C 463/06). Bei einem Beherbergungsvertrag sei die eingeschränkte Tauglichkeit der Umgebung kein Mangel, sondern liege im allgemeinen Lebensrisiko des Urlaubers.

Ist die Skihütte schwer zu erreichen, weil der zur Hütte gehörende Parkplatz nicht von Schnee geräumt ist, stellt das keinen Reisemangel dar, sondern es handelt sich um eine typische Behinderung im Winterurlaub, entschied das Amtsgericht Offenburg (Aktenzeichen 1 C 357/94) und stellt im gleichen Urteil klar, dass auch zu wenige Sektgläser und Geschirr in einer Skihütte keinen Reisemangel darstellen.

FIS-Regeln: Wie verhalten sich Wintersportler richtig?


Damit es nicht zu Unfällen auf der Skipiste kommt, hat der Internationale Skiverband für alle Wintersportler verbindliche FIS- Regeln aufgestellt:

1. Rücksicht auf die anderen Skifahrer und Snowboarder
Jeder Skifahrer und Snowboarder muss sich so verhalten, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt oder ihn in der Ausübung seiner Tätigkeit einschränkt.
2. Beherrschung der Geschwindigkeit und der Fahrweise
Jeder Skifahrer und Snowboarder muss auf Sicht fahren. Er muss seine Geschwindigkeit und seine Fahrweise seinem Können und den Gelände-, Schnee- und Witterungsverhältnissen sowie der Verkehrsdichte anpassen.
3. Wahl der Fahrspur
Der von hinten kommende Skifahrer oder Snowboarder muss seine Fahrspur so wählen, dass er vor ihm fahrende Skifahrer und Snowboarder nicht gefährdet.
4. Überholen
Überholt werden darf von oben oder unten, von rechts oder links, aber immer nur mit einem Abstand, der dem überholten Skifahrer oder Snowboarder für alle seine Bewegungen genügend Raum lässt.
5. Einfahren und Anfahren
Jeder Skifahrer und Snowboarder, der in eine Skiabfahrt einfahren, nach einem Halt wieder anfahren oder hangaufwärts schwingen oder fahren will, muss sich nach oben und unten vergewissern, dass er dies ohne Gefahr für sich und andere tun kann.
6. Anhalten
Jeder Skifahrer und Snowboarder muss es vermeiden, sich ohne Not an engen oder unübersichtlichen Stellen einer Abfahrt aufzuhalten. Ein gestürzter Skifahrer oder Snowboarder muss eine solche Stelle so schnell wie möglich freimachen.
7. Aufstieg und Abstieg
Ein Skifahrer oder Snowboarder, der aufsteigt oder zu Fuß absteigt, muss den Rand der Abfahrt benutzen.
8. Beachten der Zeichen
Jeder Skifahrer und Snowboarder muss die Markierung und die Signalisierung beachten.
9. Hilfeleistung
Bei Unfällen ist jeder Skifahrer und Snowboarder zur Hilfeleistung verpflichtet.
10. Ausweispflicht
Jeder Skifahrer und Snowboarder, ob Zeuge oder Beteiligter, ob verantwortlich oder nicht, muss im Falle eines Unfalles seine Personalien angeben.

Was ist bei einem Wintersportunfall dringend zu beachten?


Ist es zu einem Ski- oder Rodelunfall gekommen, sollten unbedingt die Personalien der Unfallbeteiligten und bestenfalls auch von Unfallzeugen aufgenommen werden. Dies ist für die rechtliche Verfolgung von Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüchen notwendig. Kommt es zu einem Konflikt zwischen den Unfallbeteiligten, rufen Sie sofort die Bergwacht dazu. Die Telefonnummer der Bergwacht finden Sie in den Liftstationen. Sie sollte am besten schon vor der ersten Abfahrt im Handy gespeichert werden.

Skiunfall aufgrund falsch eingestellter Skibindung – Haftet der Händler?


Eine falsch eingestellt Skibindung ist oft die Ursache für einen Skiunfall: Ein Kunde kaufte sich im Fachhandel neue Skier und ließ sich die Bindung dort einstellen. Auf der Skipiste stürzte er und zog sich eine Verletzung seiner Bänder zu. Schadensersatz vom Skigeschäft gab es keinen, da laut Sachverständigengutachten die Skier nur minimal falsch eingestellt waren und der Sturz wohl eher am nicht richtig geschlossenen Schuh des Mannes lag, stellte das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 6 U 6/01) fest.


erstmals veröffentlicht am 29.11.2016, letzte Aktualisierung am 17.11.2021

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