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Reiserecht , 30.11.2016

FIS-Regeln, Schneemangel und fehlende Sektgläser- Ihre Rechte im Skiurlaub!

FIS-Regeln, Schneemangel und fehlende Sektgläser- Ihre Rechte im Skiurlaub! © Vladislav Gajic - Fotolia

Berge, Sonne und Pulverschnee - die Skisaison ist in den klassischen Skigebieten gestartet. Jetzt geht’s auf die Piste und in den Winterurlaub. Was es Rechtliches zu beachten gibt, wenn sich etwa die romantische Berghütte als Rümpelkammer ohne Heizung herausstellt, oder es zu einer Kollision auf der Piste mit einem Snowboardfahrer kommt, zeigen unsere Urteile rund um den Winterurlaub.

Zu wenig Schnee am Urlaubsort – kein Reisemangel!



Kommt man am Urlaubsort an und findet statt einer verschneiten Winterlandschaft nur grüne Pisten und matschige Hänge, ist das kein Umstand für den ein Reiseveranstalter haften muss. Grundsätzlich wird Schneemangel als allgemeines Lebensrisiko verbucht. Etwas anders gilt nur, wenn der Reiseveranstalter den Urlaubsort als schneesicher angepriesen hat. In dem Fall haftet er bei Schneeausfall. Dies stellt ein Urteil des Landgerichts Frankfurt (Aktenzeichen 2/24 S 480/89) fest. Aber im zugrundeliegenden Fall erhielten die Urlauber 10 Prozent Minderungen des Reisespreises und eine teilweise Kostenerstattung, weil im Reiseprospekt die Höhe des Urlaubsortes und die Höhe der Lifte falsch angegeben waren.

Zu viel Schnee am Urlaubsort – kein Reisemangel!



Ein Urlauber hatte seinen Winterurlaub beim Hotel storniert, weil er in den Medien von einem Schneechaos gehört hatte. Der Hotelier verlangte den vereinbarten Übernachtungspreis von ihm, da die schneebedingten Behinderungen bis zur Ankunft des Urlaubers zum größten Teil wieder behoben waren. Das sah das Amtsgericht Viechtach (Aktenzeichen 2 C 463/06) auch so und verwies darauf, dass bei einem Beherbergungsvertrag die eingeschränkte Tauglichkeit der Umgebung kein Mangel der Mietsache sei, sondern im allgemeinen Lebensrisiko des Urlaubers liege.

Skihütte schwer zu erreichen und schlecht ausgestattet – kein Reisemangel!



Ist die Skihütte schwer zu erreichen, weil der zur Hütte gehörende Parkplatz nicht von Schnee geräumt ist, stellt das keinen Reisemangel dar, sondern es handelt sich um eine typische Behinderung im Winterurlaub. Ebenso wenig führen zu wenige Sektgläser und Geschirr zu einem Reisemangel, entschied das Amtsgericht Offenburg (Aktenzeichen 1 C 357/94).

Kollisionen auf der Skipiste- Wer muss Schadensersatz leisten?



Rücksichtsvolles Fahren ist für alle Wintersportler auf den Skipisten Pflicht! Damit Unfälle vermieden werden, hat der Internationale Skiverband für alle Wintersportler verbindliche FIS-Regeln aufgestellt, die auch für die Gerichte bei der Beurteilung der Schuldfrage maßgeblich sind. Aus diesem Grund sollten alle Wintersportler einen Blick auf diese Regeln werfen.

Bei einem Unfall auf der Skipiste haftet allein der von oben kommende Skifahrer, so das Landgericht Ravensburg (Aktenzeichen 4 O 185/05). Begründung: Der hintere Fahrer muss die Fahrspur und die Geschwindigkeit so wählen, dass der vor ihm fahrende Fahrer nicht gefährdet wird (FIS-Regel Nr. 3).
Ein Snowboardfahrer trägt bei einem Unfall mit einem Skifahrer eine höhere Haftungsquote, so das Landgericht Bonn (Aktenzeichen 1 O 484/04) mit der Begründung, dass ein Snowboardfahrer ein höheres Gefährdungspotential darstelle. Das Gericht wendete ebenfalls die FIS-Regel 1 (allgemeine Sorgfaltspflicht) und 4 (Sichtfahrgebot mit angepasster Geschwindigkeit) an. Beide Wintersportler haben es laut Gericht an der nötigen Sorgfalt fehlen lassen. Dennoch treffe den Snowboardfahrer aufgrund seiner Aufpralldynamik und schweren Steuerung ein höheres Haftungsrisiko.

Wichtig zu wissen: Ein Skifahrer darf auf der Skipiste stehen bleiben, um sich ein Bild über den weiteren Pistenverlauf zu machen. Fährt ein anderer Skifahrer in ihn hinein, haftet dieser alleine für die Unfallfolgen. So entschied das Oberlandesgericht Dresden (Aktenzeichen 7 U 1994/03).

Auch das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 27 U 209/00) zog zur Beurteilung eines Skiunfalls die FIS-Regeln heran. Eine Familie war von der Seite in den Hang hinein gefahren und rammte einen von oben kommenden schußfahrenden Skifahrer und verletzte eine weitere Skifahrerin schwer. Die Familie hätte nach den FIS-Regeln am Rande der Piste stehenbleiben und warten müssen, bis alle von oben kommenden Skifahrer vorbeigefahren sind. Für den Skiunfall trug die Familie die volle Haftung.

Auch am Ski-Lift kommt es häufig zu Unfällen: Eine Skifahrerin stürzte während der Fahrt mit einem Doppelschlepplift und brach sich das Handgelenk. Sie machte ihren Mitfahrer für den Sturz verantwortlich. Dieser sei schräg vor ihr mit seinen Skiern in der Liftspur gefahren und habe sogar auf ihren Skienden gestanden. Ihre Klage vor dem Landgericht Coburg (Aktenzeichen 22 O 600/11) blieb ohne Erfolg. Das Gericht konnte keinen Verstoß des Mitfahrers gegen die allgemeinen Verhaltensregeln des internationalen Skiverbandes FIS feststellen. Da die Frau ihre Version vom Unfallhergang mehrmals während des Prozesses änderte, konnte das Gericht den Angaben der Frau nicht folgen.

Skiunfälle können auch geschehen, wenn die Skibindungen nicht richtig eingestellt sind. Ein Mann, der sich neue Skier gekauft hatte und sich die Bindung im Fachgeschäft hatte einstellen lassen, kam auf der Skipiste zum stürzen und zog sich eine Verletzung seiner Bänder zu. Schadensersatz vom Skigeschäft gab es keinen, da laut Sachverständigengutachten die Skier nur minimal falsch eingestellt waren und der Sturz wohl eher am nicht richtig geschlossenen Schuh des Mannes lag, so das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 6 U 6/01).

Auch für den Langlauf gelten die FIS-Regeln. Eine Langläuferin, die aufgrund eines in die Loipe ragenden Skistocks zu Fall kam und sich verletzte, erhält keinen Schadensersatz, so das Oberlandesgericht Jena (Aktenzeichen 7 U 741/95). Die Langläuferin habe das „Sichtfahrgebot“ der FIS-Regeln für Langläufer missachtet, das wie bei den Alpinläufern zum rechtzeitigen Halt vor einem Hindernis verpflichtet.

Kollisionen mit dem Schlitten - Wer haftet?



Unfälle passieren auch beim Schlitten oder Bob fahren. Ein Gast, der auf einem Taxi-Bob von einem ausgebildeten Bobfahrer gefahren wurde, gab an am Ende der Fahrt einen Schlag auf seine Wirbelsäule erhalten zu haben. Tatsächlich wurde bei dem Mann eine Wirbelsäulenverletzung festgestellt. Dennoch erhielt er keinen Schadensersatz, entschied das Landgericht Arnsberg (Aktenzeichen 2 O 456/02). Unebenheiten auf dem Eis seien typische Gegebenheiten auf Bobbahnen, damit müssten Bobfahrer rechnen- genauso wie mit Erschütterungen.

Ebenso entschied das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 13 U 120/98), das die Klage einer Rodelfahrerin abwies, die sich auf einem vereisten Rodelhang verletzte. Die Frau machte den Betreiber des Rodelhangs dafür verantwortlich, er hätte den Hang sperren müssen. Nein, entschied das Gericht. Die Frau sei selbst verantwortlich dafür welche Gefahren sie bei einer Rodelabfahrt eingehen wolle.

Ist der Rodelhang allerdings so angelegt, dass man über ein Hindernis schießt und sich dabei verletzt, haftet der Betreiber des Hanges. So das Oberlandesgericht Nürnberg ( Aktenzeichen 6 U 1812/00). Das Gericht stellte klar, dass auch für Rodler die FIS-Regeln gelten.




erstmals veröffentlicht am 29.11.2016, letzte Aktualisierung am 30.11.2016

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