anwaltssuche
Kategorie: Anwalt Arztrecht , 29.05.2020 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 128 mal gelesen)

Zahnersatz, Brille & Co: Was zahlt die Krankenkasse?

junge Frau mit Haarband und Brille liest junge Frau mit Haarband und Brille liest © freepik - mko

Ob Hörgerät, Zahnersatz oder Brille: Die Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen sind beschränkt. Was genau von der Krankenkasse erstattet wird und in welchem Umfang, ist vielen Versicherten oft nicht klar. Auf welche Leistungen haben Versicherte einen Anspruch? Und welche Kosten müssen sie im Krankheitsfall selbst tragen?

Zahnersatz


Beim Zahnersatz leistet die Krankenkasse einen sog. Festzuschuss. Dieser ist abhängig vom Befund und entspricht in der Regel rund 50 Prozent der Kosten einer Standardtherapie. Dieser Festzuschuss steigt ab Oktober 2020 auf 60 Prozent.

Damit ist klar: Versicherte bleiben auf einem Großteil der Kosten für Zahnersatz sitzen. Wer allerdings regelmäßig zum Zahnarzt geht und dies in einem Bonusheft dokumentiert, erhält bei fünfjähriger lückenloser Führung eine Erhöhung des Festzuschusses um 20 Prozent und bei zehnjähriger Führung von 30 Prozent.

Zahnreinigung vom Profi


Zahnärzte empfehlen ihren Patienten um Zahnerkrankungen vorzubeugen zwei Mal im Jahr eine professionelle Zahnreinigung durchführen zu lassen. In der Regel müssen gesetzlich Versicherte die Kosten für die professionelle Zahnreinigung selbst bezahlen. So lautet auch ein Urteil des Sozialgerichts Stuttgart (Aktenzeichen S 28 KR 2889/17), wonach die gesetzlichen Krankenkassen nur verpflichtet sind die Kosten für eine zahnärztliche Behandlung zu übernehmen, die zur Früherkennung, Verhütung oder Behandlung von Zahnerkrankungen notwendig sind.

Kieferorthopädie


Die Kosten für eine kieferorthopädische Behandlung übernimmt die Krankenkasse nur bei Kindern unter 18 Jahren mit einer Zahnfehlstellung von mindestens Schweregrades KIG 3 und bei Erwachsenen bei einer schweren Kieferanomalie.

Brille


Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für eine Brille bei Erwachsenen, wenn eine Kurz- oder Weitsichtigkeit von mehr als 6 Dioptrien oder eine Hornhautverkrümmung von mindestens 4 Dioptrien vorliegt. Bei Blindheit (Stufe 1) werden ebenfalls die Kosten für eine Brille von der Krankenkasse getragen, gleiches gilt bei Patienten mit Verletzungen oder Erkrankungen am Auge.

Kinder und Jugendliche erhalten die Kosten für eine Brille komplett erstattet.

Hilfsmittel


Hilfsmittel, wie Hörgerät, Rollstuhl oder Prothesen, werden von der Krankenkasse bis zu einem bestimmten Festbetrag bezahlt, wenn sie nicht ein Gebrauchsgegenstand des täglichen Lebens sind. So sind ein Laser-Langstock (Urteil des Sozialgericht Koblenz, Aktenzeichen S 11 SO 62/15), ein Therapiedreirad (Sozialgericht Fulda, Aktenzeichen S 11 KR 7/09) und ein Blindenhund (Urteil des Landessozialgericht Baden-Württemberg, Aktenzeichen L 4 KR 5486/05) medizinische Hilfsmittel, ein E-Bike hingegen nicht (Urteil des Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen, Aktenzeichen L 4 KR).

Heilpraktiker


Schlechte Nachrichten für gesetzlich-versicherte Patienten: Die gesetzlichen Krankenkassen erstatten eine Heilpraktikerbehandlung in der Regel nicht. Es gibt allerdings gesetzliche Krankenkassen, die Zusatzversicherungen für alternative Medizin anbieten.

Akkupunktur


Die Kosten für Akupunktur werden in zwei Fällen von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen: Chronische Knieschmerzen und chronische Rückenschmerzen, die mindestens sechs Monate bestehen.

Laser-Haarepilation


Frauen, die sich ihre Körperbehaarung mittels einer Laserbehandlung entfernen lassen, haben keinen Anspruch auf Kostenübernahme durch ihre Krankenkasse. Dies geht unter anderem aus einem Urteil des Landessozialgerichts Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen L 5 KR 226/15) hervor. Eine Laser-Haarepilation ist keine medizinisch anerkannte Behandlungsmethode.

Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Gesundheit & Arzthaftung
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Arztrecht