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Kategorie: Anwalt Arztrecht , 07.04.2020 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 1034 mal gelesen)

Pfusch beim Zahnarzt – Ihre Rechte!

Schöne Zähne mit einem Lächeln Schöne Zähne mit einem Lächeln © freepik - mko

Ob Kronen, Implantate oder Prothesen- Zahnersatz ist in Deutschland ein teures Vergnügen. Umso ärgerlicher, wenn die Zahnprothetik dann Probleme macht. Doch wann haftet der Zahnarzt? Darf er bei einer mangelhaften Behandlung nachbessern? Welche Ansprüche haben Patienten? Und wie entscheiden die Gerichte?

Wann haftet ein Zahnarzt?


Ein Zahnarzt schuldet seinen Patienten eine sachgerechte zahnärztliche Versorgung. Dies ergibt sich aus dem Behandlungsvertrag, der zwischen Zahnarzt und Patient abgeschlossen wurde. Der Zahnarzt haftet nicht für einen Behandlungserfolg. Eine Haftung kommt nur für Behandlungsfehlern, Fehlern bei der Aufklärung oder Dokumentation der Behandlung oder bei fehlerhaften Arbeitsabläufen in der Praxis in Betracht.
Kann dem Zahnarzt ein solcher Fehler nachgewiesen werden, ist für die Haftungsfrage entscheidend, dass dieser Fehler ursächlich für eine Gesundheitsschädigung des Patienten war.

So muss ein Zahnarzt seinem Patienten eine neue Zahnbrücke anfertigen, wenn die von ihm eingesetzte Brücke große Mängel aufweist. Weigert er sich dies zu tun, hat der Patient das Recht den Behandlungsvertrag zu kündigen und das zahnärztliche Honorar nicht zu begleichen. Darüber hinaus kann der Patient vom behandelnden Zahnarzt Schmerzensgeld für die mit der fehlerhaften Behandlung verbundenen Torturen verlangen, entschied das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 26 U 21/13).

Kein Behandlungsfehler liegt etwa bei einem indizierten Austausch verschiedener Prothesen vor. Dies entschied das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 26 U 76/12) im Fall eines Zahnarztes, der eine mit Stiften zu befestigende und beschädigte Teilprothese durch eine Prothese mit Teleskopkronen ersetzt, da eine Reparatur der alten Prothese ebenso aufwendig gewesen wäre wie die Neuversorgung.

Ebenso liegt kein Behandlungsfehler vor, wenn der Zahnarzt Amalgam als Zahnfüllmittel nutzt. Die Verwendung von Amalgam bei Zahnfüllungen ist grundsätzlich unbedenklich, entschied das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 26 U 16/15).

Zahnprothetik ist in unterschiedlichen Preisklassen zu haben. Ein Zahnarzt muss seinen Patienten daher vor der Behandlung über die unterschiedlichen Alternativen der Zahnprothetik und deren Kosten aufklären. Entscheidet sich der Patient für eine kostengünstigere Behandlungsalternative, muss der Zahnarzt sich an diese Entscheidung halten. Unterlässt der Zahnarzt ein entsprechendes Aufklärungsgespräch und klärt er seinen Patienten nicht über die Kosten der Behandlung auf, muss der Patient für diese Kosten auch nicht aufkommen, entschied das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 26 U 35/13).

Darf der Zahnarzt bei Behandlungsfehlern nachbessern?


Unterläuft dem Zahnarzt ein Behandlungsfehler und stellt sich seine zahnmedizinische Leistung als mangelhaft dar, hat er das Recht zur Nachbesserung. Wie oft er nachbessern kann, hängt individuell von der Zumutbarkeit im Einzelfall ab.

Ein Patient kann eine Nachbesserung verweigern, wenn das Behandlungsverhältnis zwischen ihm und dem Zahnarzt als zerrüttet zu bezeichnen ist und das Vertrauen in eine sachgerechte zahnmedizinische Behandlung beim Patienten nicht mehr gegeben ist.

Welche Ansprüche haben Patienten bei einer mangelhaften Zahnbehandlung?


Gesetzlich versicherte Patienten haben zwei Jahre lang Gewährleistung auf mangelhaften Zahnersatz. Um diesen Anspruch geltend machen zu können, müssen sie dem behandelnden Zahnarzt auf den Mangel hinweisen und ihm die Möglichkeit einer Nachbesserung geben. Es besteht auch die Möglichkeit, dass die Krankenkasse den Mangel begutachten lässt. Sie ist aber nicht dazu verpflichtet.

Ein Zahnarztwechsel bei der Nachbesserung oder Neuanfertigung von Zahnersatz ist nur mit Genehmigung der Krankenkasse möglich.

Darüber hinaus können dem Patienten auch Schmerzensgeld und Schadensersatz zu stehen. So wurde ein Zahnarzt nach einer fehlerhaften Behandlung seiner Patientin rechtskräftig vom Oberlandesgericht Köln (Aktenzeichen 5 U 148/04) zur Zahlung von insgesamt 7.000 Euro Schadensersatz und Schmerzensgeld verurteilt, weil er die Schmerzen der Frau falsch interpretiert hatte. Bei Schmerzen, die länger als 4 Tage anhielten, könne nicht mehr von einem Anpassungsschmerz an den eingesetzten Zahnersatz ausgegangen werden; dann müsse die Ursache vielmehr durch eine neue Röntgenkontrolle abgeklärt werden, was der Zahnarzt unterlassen hatte.


erstmals veröffentlicht am 09.02.2016, letzte Aktualisierung am 07.04.2020

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