anwaltssuche
Kategorie: Anwalt Arztrecht , 08.01.2019 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Grober Behandlungsfehler - Auswirkungen auf die Beweislastverteilung

In diesem Expertentipp von Rechtsanwalt Christoph Kleinherne, Fachanwalt für Medizinrecht, erfahren Sie, welche Bedeutung die Einstufung eines Behandlungsfehlers als "grob" für die wichtige Frage der Beweislast hat. Wenn also laut BGH ein Arzt „eindeutig gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse verstoßen und einen Fehler begangen hat, der aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich erscheint, weil er ihm schlechterdings nicht unterlaufen darf.“

Auch beim Nachweis eines Behandlungsfehlers ist ein Arzthaftungsprozess noch nicht gewonnen!


Selbst wenn der geschädigte Patient im Rahmen eines Arzthaftungsprozesses den Nachweis eines behandlungsfehlerhaften Vorgehens führen kann, ist die Klage noch lange nicht gewonnen:

Sollte es sich bei dem von einem Sachverständigen festgestellten Behandlungsfehler nämlich nicht um einen so genannten Befunderhebungsfehler gehandelt haben, der sich unter eigenen Voraussetzungen auf die Beweislast auswirken kann muss der Patient zusätzlich noch den Nachweis führen, dass sich der festgestellte Fehler tatsächlich auch ausgewirkt hat – er muss für die eingetretenen Gesundheitsschäden „ursächlich“ gewesen sein. Es dürfen mit anderen Worten keine „vernünftigen Zweifel“ verbleiben, dass der konkrete Gesundheitsschaden tatsächlich Folge des festgestellten Behandlungsfehlers ist.

Weitere Informationen zur Beweislastumkehr bei Befunderhebungsfehlern finden Sie hier:
Arzthaftung: Umkehr der Beweislast bei einem Befunderhebungsfehler

Solche Zweifel an der Ursächlichkeit sind aber nicht selten: Beispielhaft zu nennen ist der Zusammenhang zwischen einer rechtswidrigen Impfung und den behaupteten Folgeschäden oder die Lungenembolie nach einer zu spät erkannten oder fehlerhaft behandelten Thrombose.

Beweislast kann sich ändern, wenn Behandlungsfehler als „grob“ eingestuft wird


Die Beweislast zwischen einem Behandlungsfehler und dem Gesundschaden kann sich aber ändern, wenn der festgestellte Behandlungsfehler als „grob“ eingestuft wird. Nach der Rechtsprechung des BGH ist dies der Fall, wenn der Arzt „eindeutig gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse verstoßen und einen Fehler begangen hat, der aus objektiver Sicht nicht mehr verständlich erscheint, weil er ihm schlechterdings nicht unterlaufen darf.“

Kann ein solches Fehlverhalten bejaht werden, reicht es aus, dass der Fehler „generell“ zur Verursachung des Schadens geeignet ist. Nahelegen oder wahrscheinlich machen muss der Fehler den Schaden hingegen nicht!

Sofern dies ebenfalls bejaht werden kann, ist es an der Behandlungsseite, darzulegen und zu beweisen, dass ein Zusammenhang zwischen dem groben Behandlungsfehler äußerst bzw. gänzlich unwahrscheinlich ist. Dieser Nachweis kann indes nur ausgesprochen selten geführt werden.

Rechtsanwalt Christoph Kleinherne München
Rechtsanwalt Christoph Kleinherne
Dollinger Partnerschaft Rechtsanwälte
Rechtsanwalt · Fachanwalt für Medizinrecht · Fachanwalt für Versicherungsrecht
Maistraße 37, 80337 München
(2 Bewertungen)
Zu meinem Profil
Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Gesundheit & Arzthaftung
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Arztrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.0 / 5 (2 Bewertungen)
Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
Kategorie: Anwalt Arzthaftungsrecht 12.07.2018
Die Voraussetzung für das Vorliegen eines Behandlungsfehlers ist nicht etwa eine gescheiterte Heilung, sondern mangelnde Sorgfalt des Arztes. Die Beweisführung bei Falschbehandlung ist für Laien oftmals schwierig. Mehr Informationen dazu hier.
18.12.2017
Das Arzthaftungsrecht ist dem Medizinrecht zugeordnet. Hier geht es im Wesentlichen um die Fragen der Arzthaftung: Ein Kunstfehler passiert und der Patient erleidet einen vorübergehenden oder andauernden Schaden oder kommt gar zu Tode. Für diesen Nachteil macht der Patient bzw. machen seine Hinterbliebenen Schadenersatz oder Schmerzensgeld geltend. Das Gesetz besagt: Wenn der Arzt gegen die ärztliche Sorgfaltspflicht verstoßen hat, und wenn ihm der Verstoß nachgewiesen werden kann, muss er haften.
Expertentipp vom 22.12.2016 (750 mal gelesen)

In deutschen Kliniken sterben jährlich rund 19.000 Menschen verursacht durch Behandlungsfehler. Das sind fünfmal so viele Todesfälle wie im Straßenverkehr, analysiert der aktuelle AOK Krankenhausreport. Bei jährlich rund 190.000 Patienten begründen Behandlungsfehler gesundheitliche Schäden. Letztinstanzlich müssen dann Gerichte beurteilen, ob ein Behandlungsfehler vorlag.

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 4.0 / 5 (49 Bewertungen)
Expertentipp vom 13.08.2015 (984 mal gelesen)

Nach einem aktuellen Bericht der Schlichtungsstelle für Arzthaftpflichtfragen der norddeutschen Ärztekammern sind die Fälle von ärztlichen Behandlungsfehlern im Jahr 2014 gestiegen. Die meisten ärztlichen Kunstfehler unterlaufen dabei Orthopäden und Unfallchirurgen. Wir haben Ihnen interessante Rechtsprechung zu Behandlungsfehlern in der Orthopädie zusammengestellt, die zeigen was als ärztlicher Behandlungsfehler gewertet wird und viel Schadensersatz es dafür gibt.

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.1 / 5 (49 Bewertungen)


Alle Expertentipps zum Thema Gesundheit & Arzthaftung

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Datenschutzerklärung