anwaltssuche
Kategorie: Anwalt Strafrecht , 06.07.2022 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 589 mal gelesen)

Haustiere aussetzen: Mit diesen Strafen müssen Besitzer rechnen!

augesetzter Hund auf einem Feldweg augesetzter Hund auf einem Feldweg © freepik - mko

Nach den Corona-Lockdowns und zur Urlaubszeit werden wieder vermehrt Haustiere einfach vor Tierheimen oder an Autobahnraststätten ausgesetzt, weil sie nicht mehr in die Lebensplanung passen. Das ist nicht nur moralisch fragwürdig, den herzlosen Besitzern droht eine empfindliche Geldbuße und eventuell sogar eine Freiheitsstrafe!

Ist das Aussetzen von Haustieren strafbar?


Während der Corona-Pandemie haben sich viele – oft unüberlegt – ein Haustier angeschafft und merken erst später, dass sie den Bedürfnissen des Tiers nicht gerecht werden können oder es schlicht nicht mehr zur Lebensplanung passt. Diese Erkenntnis scheinen Tierbesitzer auch vermehrt vor und in den Sommerferien zu haben. Um sich von dem Tier zu entledigen, werden rund 350.000 Haustiere pro Jahr ausgesetzt.

Doch Vorsicht: Wer sein Haustier aussetzt, um sich seiner zu entledigen oder sich der eigenen Halterpflicht zu entziehen, verstößt gegen das Tierschutzgesetz und begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße von bis zu 25.000 Euro geahndet werden kann. Stirbt ein Haustier, weil es ausgesetzt wurde, droht seinem Besitzer eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Unter Aussetzen versteht man nicht nur das Anbinden oder Abstellen eines Haustiers vor einem Tierheim oder einer Autobahnraststätte. Haustierhalter, die bewusst eine Situation schaffen, in der das Haustier von sich aus entläuft – etwa der offene Papageienkäfig am offenen Fenster, verwirklichen den Tatbestand des Aussetzens. Ebenso, wenn Haustiere, wie zum Beispiel Katzen, bewusst von ihrem Halter verjagt werden.

Darf man Haustiere einfach zu Hause zurücklassen?


Nicht nur das Aussetzen eines Haustiers ist verboten, auch das Zurücklassen eines Haustieres über einen längeren Zeitraum verstößt gegen das Tierschutzgesetz. Haustierhalter können ihrem Tier nicht einfach für zwei Wochen Wasser und Futter hinstellen und dann in Urlaub fahren. Wer sein Tier ohne Betreuung sich selbst überlässt, muss ebenfalls mit einer empfindlichen Geldbuße von bis zu 25.000 Euro rechnen.

Welche Alternativen gibt es zum Aussetzen eines Haustiers?


Ist eine Versorgung des Haustiers etwa während des Urlaubs durch Nachbarn, Freunde oder Verwandte nicht möglich, so gibt es Tierpensionen, die eine artgerechte Unterbringung des Tiers während des Urlaubs gewährleisten.
Tierhalter, die sich mit ihrem Haustier überfordert fühlen, sollten sich Hilfe bei einem Fachmann holen. Sprechen Sie Ihren Tierarzt oder Trainer an. Auch Tierpsychologen können helfen Probleme mit dem Haustier zu lösen.
Wer aus triftigen Gründen nicht mehr länger für sein Haustier sorgen kann, sollte sich an ein Tierheim oder einen Tierschutzverein wenden und sein Haustier dort abgeben. Dort wird man das Haustier artgerecht versorgen und sich um eine geeignete Weitervermittlung bemühen.

Ausgesetztes Haustier gefunden – was tun?


Wer einen ausgesetzten Hund oder eine Katze findet, kann sie nicht einfach behalten und mit nach Hause nehmen. Das Haustier muss, wie jede andere gefundene Sache, bei der Fundbehörde abgegeben werden. Das Fundrecht ist insoweit auch auf gefundene Haustiere anwendbar. Ist das Tier verletzt und benötigt eine tierärztliche Versorgung, kann der Finder das Haustier zunächst zum Tierarzt bringen. Für die Kosten der tierärztlichen Behandlung kommt die Fundbehörde auf, entschied der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (Az. 5 BV 14/1846). Der Finder muss allerdings die Fundbehörde umgehend vom Fund des Haustiers informieren, so das Bundesverwaltungsgericht (Az. 3 C 7/16).

Schon gewusst? Kosten für Tierversorgung sind steuerlich absetzbar


Oft führen auch finanzielle Gründe dazu, dass Haustiere ausgesetzt werden. Sie verursachen für ihre Besitzer, etwa durch Tierarztbesuche, Ferienbetreuung und Futterkosten, nicht unbedeutende finanzielle Aufwendungen. Eine gute Nachricht für alle Herrchen und Frauchen ist: Die Kosten, die durch die Versorgung oder Betreuung eines Haustieres entstehen, können als haushaltsnahe Dienstleistung bei der Steuer angesetzt werden! Dies entscheid der Bundesfinanzhof (Az.VI R 13/15) im Fall eines Katzenbesitzers, der seine Katze während seines Urlaubs zu Hause von einer Tierbetreuung versorgen ließ. Für die hierfür entstandenen Kosten beantragte der Mann eine Steuerermäßigung für die Inanspruchnahme haushaltsnaher Dienstleistungen. Zu Recht, entschied das Gericht: Die Tierbetreuung weist eine ausreichende Nähe zur Haushaltsführung auf. Mit ihr seien Arbeiten wie Fellpflege, Füttern etc. verbunden, die ansonsten ein Haushaltsangehöriger vornehmen würden.



erstmals veröffentlicht am 22.07.2020, letzte Aktualisierung am 06.07.2022

Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Strafrecht & Ordnungswidrigkeiten
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Strafrecht