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Kategorie: Anwalt Familienrecht , 24.01.2020 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 102 mal gelesen)

Kindesunterhalt – wer zahlt wann wie viel?

Kindesunterhalt – wer zahlt wann wie viel? © freepik - mko

Eltern sind gesetzlich verpflichtet ihren Kindern Unterhalt zu leisten. Doch wie hoch ist der konkrete Unterhaltsanspruch eines Kindes? Wer muss wann zahlen? Wird das Kindergeld beim Unterhalt angerechnet? Kann Kindesunterhalt rückwirkend verlangt werden und wie gestaltet sich die Unterhaltsfrage beim sog. Wechselmodell?

Kindesunterhalt – Das müssen Sie wissen!


Eltern sind gegenüber ihren Kindern zum Unterhalt verpflichtet, wenn diese sich nicht selbst versorgen können – was in der Regel zumindest bei minderjährigen Kindern der Fall ist. Trennen Eltern sich leistet der Elternteil, bei dem das Kind lebt, einen sog. Naturalunterhalt. Dieser besteht etwa in Essen, Kleidung, Unterkunft. Der Elternteil, bei dem das Kind nicht lebt, ist zum sog. Barunterhalt verpflichtet. Ausnahme: Der betreuende Elternteil erzielt deutlich mehr Einkünfte, als der Elternteil, der zum Barunterhalt verpflichtet ist. Laut Bundesgerichtshof (Aktenzeichen XII ZB 297/12) entfällt die Unterhaltspflicht, wenn die Einkünfte des betreuenden Elternteils dreimal so hoch sind, wie die des Barunterhaltspflichtigen.
Bei volljährigen Kindern mit eigenem Hausstand schulden beide Elternteile Barunterhalt.
Die Pflicht zur Zahlung des Kindesunterhalts ist unabhängig davon, wer das Sorgerecht besitzt.

Wie hoch ist der Unterhaltsanspruch eines Kindes?


Die Höhe des Kindesunterhalts wird anhand der sog. Düsseldorfer Tabelle ermittelt, die alle zwei Jahre aktualisiert wird. Maßgeblich sind bei der Berechnung des monatlichen Kindesunterhalts das monatliche bereinigte Nettoeinkommen des Barunterhaltspflichtigen wie auch die Altersgruppe des Kindes. Die Düsseldorfer Tabelle ist in unterschiedliche Einkommensstufen und Altersgruppen/ bzw. Bedarfsgruppe für volljährige Kinder eingeteilt. Damit wird sie dem steigenden Bedarf eines Kindes je nach Lebensalter wie auch seinem gewohnten Lebensstandard gerecht. In der Düsseldorfer Tabelle wird der jeweilige Mindestunterhalt für das Kind aufgeführt sowie der jeweilige sog. Selbstbehalt, also das monatliche Existenzminimum des Unterhaltspflichtigen.

Wird Kindergeld beim Kindesunterhalt angerechnet?


Bei der Berechnung des Kindesunterhalts spielt auch das monatliche Kindergeld eine Rolle. Dieses erhält in der Regel der betreuende Elternteil von der Familienkasse ausgezahlt. Die Hälfte des Kindergeldes steht aber dem Barunterhaltspflichtigen zu, so das diese vom Barunterhalt abgezogen wird.

Wechselmodell – wie teilt sich der Unterhalt auf?


Praktizieren die Eltern das sog. Wechselmodel, das heißt sie teilen sich die Betreuung des Kindes zu gleichen Teilen und das Kind lebt auch bei beiden Eltern zu gleichen Teilen - etwa im wöchentlichen Wechsel – sind sie beide barunterhaltspflichtig. Die Höhe des Barunterhalts berechnet sich nach dem Einkommen des jeweiligen Elternteils (Bundesgerichtshof, Aktenzeichen XII ZB 599/13).

Kann Kindesunterhalt rückwirkend verlangt werden?


Grundsätzlich kann Kindesunterhalt nicht rückwirkend eingefordert werden. Dies ist nur dann ausnahmsweise möglich, wenn der Barunterhaltspflichtige sich im Zahlungsverzug mit dem Kindesunterhalt befindet und entsprechend angemahnt wurde. Wurde er aufgefordert Auskünfte über sein Einkommen zu erteilen, muss er ab diesem Monat (rückwirkend) Kindesunterhalt zahlen.

Unterhaltsberechnung: Anwalt für Familienrecht hilft!


Die Berechnung des Kindesunterhalts ist im Einzelfall nicht einfach. Basis der Berechnung ist das sog. bereinigte Nettoeinkommen, das heißt beim tatsächlich erzielten Nettoeinkommen werden Beträge ab- oder hinzugezogen. Welche Einkünfte oder Ausgaben hier konkret eine Rolle spielen, weiß ein Anwalt für Familienrecht. Online-Kindesunterhaltsrechner können immer nur Richtwerte für den Kindesunterhalt liefern.

Kindesunterhalt wird nicht gezahlt – Was tun?


Kommt der Barunterhaltspflichtige seiner Verpflichtung zur Zahlung des Kindesunterhalts nicht nach, sollten sich der betreuende Elternteil schnell an das zuständige Jugendamt wenden und einen Unterhaltsvorschuss beantragen. Der Unterhaltsvorschuss beträgt seit dem 1.12020 für Kinder bis zum 6. Lebensjahr monatlich max. 165 Euro, für Kinder bis zum 12, Lebensjahr monatlich max. 221 Euro und für Kinder bis zum 18. Lebensjahr monatlich max. 293 Euro.

Nach Bewilligung des Antrags auf Unterhaltsvorschuss wird dem Barunterhaltspflichtigen mitgeteilt, dass er nun den Kindesunterhalt nicht mehr an den betreuenden Elternteil, sondern an die Unterhaltsvorschusskasse zahlen muss.
Wichtig ist aber gleichzeitig einen Anwalt für Familienrecht aufzusuchen. Er fordert den Barunterhaltspflichtigen auf seine Einkommensverhältnisse offen zu legen und setzt den Kindesunterhaltsanspruch notfalls gerichtlich durch.


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