anwaltssuche
Kategorie: Anwalt Erbrecht , 07.02.2011 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Nicht selten doppelte Belastung mit Erbschaftsteuern bei Erbschaftswerten im Ausland

Seit vielen Jahren halten die Deutschen den Titel „Reiseweltmeister". Immer mehr Deutsche zieht es ins Ausland, auch für ein Leben im Ruhestand. Und selbstverständlich werden im Ausland auch Werte angeschafft, insbesondere Immobilien.

Seit vielen Jahren halten die Deutschen den Titel „Reiseweltmeister". Immer mehr Deutsche zieht es ins Ausland, auch für ein Leben im Ruhestand. Und selbstverständlich werden im Ausland auch Werte angeschafft, insbesondere Immobilien.

Aber wer Besitz im Ausland hat, sollte sich auch rechtzeitig mit den erbrechtlichen und erbschaftsteuerrechtlichen Vorschriften in diesem Land vertraut machen, denn nicht selten werde aus dem Besitz im Ausland auch eine saftige Doppelbesteuerung fällig.
Der Anspruch des deutschen Fiskus an den Steuerzahler sei dabei weitreichend. Es reiche bereits aus, dass einer der folgenden Anknüpfungspunkte für eine Steuerpflicht vorliege:

• der Erblasser/Schenker ist ein Inländer
• der Erbe/Beschenkte ist Inländer
• das übertragene Vermögen ist steuerpflichtiges Inlandsvermögen

Als Inländer gelten dabei natürliche Personen, die im Inland einen Wohnsitz oder ihre gewöhnlichen Aufenthalt haben, aber auch deutsche Staatsangehörige, die sich nicht länger als fünf Jahre dauernd im Ausland aufgehalten haben, ohne im Inland einen Wohnsitz zu haben. Häufig handele es sich bei den Immobilien im Ausland jedoch um reine Zweitdomizile, sodass die Besteuerung sowohl in Deutschland als auch in dem Land greife, in der die Immobilie belegen sei.

Hierbei sei auch noch zu beachten, dass im Ausland je nach Bundesstaat, etwa in der Schweiz, auch noch jeweils anderslautende Regelungen existieren können. Zwar werde die im Ausland anfallende Erbschaftsteuer in der Regel auf die deutsche Erbschaftsteuer angerechnet. Bis auf wenige Staaten, mit denen insoweit echte Doppelbesteuerungsabkommen bestünden wie z. B. mit den USA, Dänemark, Schweden oder der Schweiz, erfolge dies jedoch nur auf Antrag, also nicht etwa automatisch.
Schwierig seien auch generelle Anknüpfungspunkte an die fällige Steuer auszumachen. In manchen Ländern, wie etwa Spanien, werde die Erbschaftsteuer schon deshalb dort fällig, weil sich die Nachlasswerte auf dem Territorialgebiet befinden. In anderen Staaten sei die Besteuerung davon abhängig, ob der Erbe oder Erblasser dort einen Wohnsitz oder Zweitwohnsitz hatte. Hinzu kommen die Staaten, die Steuern erheben, wenn der Erblasser dessen Staatsangehörigkeit hatte.

Aber auch die erbrechtliche Situation sei häufig anders als in Deutschland. So hätten z. B. Pflichtteilsberechtigte in Deutschland nur einen Anspruch auf Auszahlung ihres Pflichtteils in Geld. Der Pflichtteilsberechtige werde aber nicht Miterbe und damit nicht mitspracheberechtigt. Anders sei es z. B. in Frankreich: Dort werde ein Pflichtteilsberechtigter auch tatsächliche Miterbe. Dabei gelte dies häufig auch dann, wenn dieser in Deutschland einen Pflichtteilsverzichtsvertrag unterschrieben habe, denn, der werde im Ausland nicht immer anerkannt.
Dasselbe, gelte auch bei deutschen Testamenten. die ebenfalls nicht immer oder erst nach großem Hin und Her im Ausland anerkannt würden. Das gelte selbst in EU-Ländern, wie hier z. B. häufig in Spanien. Vor diesem Hintergrund gelte die grundsätzliche Empfehlung, auch in dem Land, in dem sich Vermögenswerte befinden, ein Testament nach den dortigen Vorschriften aufzusetzen. Auf keinen Fall aber sollte man die Angelegenheit einfach laufen lassen und sich stattdessen lieber rechtzeitig rechtlich und steuerlich beraten lassen. Den Ärger hätten später die Erben, häufig der Ehegatte und/oder die Kinder.

Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Erben & Vererben
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Erbrecht

War dieser Expertentipp für Sie hilfreich?
Eigene Bewertung abgeben: stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau stern_grau

Stern Stern Stern Stern Stern grau 4.0 / 5 (21 Bewertungen)
Diese Beiträge könnten Sie interessieren:
Kategorie: Anwalt Migrationsrecht 21.11.2016
Für Ausländer, die nach Deutschland einreisen oder sich hier aufhalten (möchten), gelten die gesetzlichen Vorgaben aus dem Aufenthaltsrecht bzw. dem Asylrecht. Welche Rechte ein Ausländer in Deutschland hat, wird durch seine Herkunft entschieden.
14.02.2017
Das türkische und das deutsche Rechtssystem sind einander in vielen dieser Bereiche näher als man vermuten würde. In anderen wiederum bestehen Unterschiede, die unbedingt zu beachten sind, wenn rechtliche Fragen geklärt werden müssen.
Sozialhilfe für Deutsche im Ausland? © Marco2811 - Fotolia
Expertentipp vom 22.12.2016 (2321 mal gelesen)

Haben deutsche Staatsangehörige die im Ausland leben, oder dort Immobilien besitzen, einen Anspruch auf deutschen Sozialhilfeleistungen? Lesen Sie mehr …

Stern Stern Stern Stern grau Stern grau 3.9675324675324677 / 5 (154 Bewertungen)
Kleinkind kann durch Vaterschaftsanfechtung deutsche Staatsangehörigkeit verlieren © LanaK - Fotolia
Expertentipp vom 24.05.2018 (24 mal gelesen)

Ein Kleinkind, dass zunächst aufgrund der Abstammung die deutsche Staatsangehörigkeit erworben hat, kann diese wieder verlieren, wenn der angebliche deutsche Vater seine Vaterschaft erfolgreich anfechtet. Dies entschied das Bundesverwaltungsgericht in einem aktuellen Urteil.


Alle Expertentipps zum Thema Erben & Vererben

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Datenschutzerklärung