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Kategorie: Anwalt Reiserecht , 29.07.2021 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 37 mal gelesen)

Pauschalreise: Welche Rechte haben Urlauber?

junge Familie winkt aus dem Swimmingpool junge Familie winkt aus dem Swimmingpool © freepik-mko

Die beliebteste Urlaubsform der Deutschen ist der Strandurlaub – gerne als Pauschalreise gebucht. Doch was genau versteht man unter einer Pauschalreise? Was müssen Urlauber bei der Buchung beachten? Wann kann von einer Pauschalreise kostenfrei zurückgetreten werden? Welche Frist gilt zur Geltendmachung von Reisemängel? Und was tun, wenn der Reiseveranstalter insolvent wird?

Was versteht man unter einer Pauschalreise?


Von einer Pauschalreise spricht man, wenn zwei Reiseleistungen oder mehr– etwa Flug und Hotel – oder eine Reiseleistung mit einer touristischen Leistung – etwa Hotel und Wellnessbehandlung – zusammengefasst werden. Als Pauschalreise gilt zum Beispiel eine Kreuzfahrt, ein Linienflug und Unterkunft (Bundesgerichtshof, Aktenzeichen X ZR 244/02), eine Segeltour mit Skipper (Oberlandesgericht Düsseldorf, Aktenzeichen 18 U 76/94) oder eine Unterkunft mit Skikurs und Skipass (Oberlandesgericht Celle, Aktenzeichen 11 U 70/01). Wichtig ist, dass die Nebenleistung einen eigenen nicht unerheblichen Wert hat.

Was müssen Urlauber bei der Buchung beachten?


Ob beim Hochglanz-Reisekatalog oder bei einer Anzeige im Internet – Urlauber sollten die Beschreibung der Reiseleistung, wie Anreise, Unterkunft, Verpflegung, Ausflüge, etc., genau lesen. Die Formulierungen im Reisekatalog sind für Kunden oft missverständlich. So hat ein Zimmer „zur Meerseite“ nicht zwangsläufig auch einen Blick aufs Meer und bei einem „zentral gelegenen“ Hotel ist mit Lärm zu rechnen. Der Reiseveranstalter ist verpflichtet die einzelnen Reiseleistung eindeutig zu beschreiben. Macht er falsche Angaben, kann der Reisepreis gemindert werden.

Auch den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, etwa zum Reiserücktritt, zur Anzahlung des Reisepreises sowie zu nachträglichen Preiserhöhungen, sollte der Urlauber Beachtung schenken.

Bucht der Kunde eine Pauschalreise, gilt diese mit der Buchungsbestätigung vom Reiseveranstalter als angenommen. Der Reiseveranstalter hat zwei Wochen Zeit dem Kunden die schriftliche Buchungsbestätigung zu kommen zu lassen, danach ist der Kunde nicht mehr an seine Reisebuchung gebunden. Wer online eine Pauschalreise bucht, ist mit Buchungsbestätigung per E-Mail an die Reise gebunden.
Die Buchungsbestätigung muss bestimmte Angaben, wie Urlaubsort, Transportmittel, Unterbringung, Verpflegung, Reisepreis, Reisedaten, Kontaktdaten des Reiseveranstalters, Infos zum Umgang mit Reisemängeln, enthalten.

Ob Impfungen oder eine Reiserücktrittsversicherung notwendig sind, muss der Urlauber alleine recherchieren.

Welche Pflichten hat ein Reiseveranstalter bei einer Pauschalreise?


Pauschalurlauber müssen schon vor der Reisebuchung vom Reiseveranstalter mit einem Infoblatt über ihre Rechte informiert werden. Des Weitern hat der Reiseveranstalter eine Beistandspflicht, das bedeutet er muss dem Urlauber Hilfe leisten, wenn dieser beispielsweise in gesundheitlichen oder finanziellen Schwierigkeiten steckt.

Darf der Reiseveranstalter im Nachhinein die Preise erhöhen?


Seit der Reform des Reiserechts zum 1. Juli 2018 kann der Reiseveranstalter bis 20 Tage vor Reisebeginn, den Reisepreis um bis zu acht Prozent erhöhen, wenn sich etwa nach Vertragsschluss die Kosten für Treibstoff erhöht haben. Behält sich der Reiseveranstalter eine nachträgliche Preiserhöhung vor, muss er auch Reduzierungen beim Reisepreis an den Kunden weitergeben. Bei einer Erhöhung der Preise von mehr als acht Prozent steht dem Kunden ein Sonderkündigungsrecht zu.

Wann ist ein kostenfreier Rücktritt von einer Pauschalreise möglich?


Pauschalreisende können kostenfrei von ihrem Reisevertrag zurücktreten, wenn es nach Abschluss des Vertrages zu einer Gefahrenlage am Urlaubsziel kommt oder mit erheblichen Beeinträchtigungen der Reise aufgrund von äußeren Eindrücken zu rechnen ist. Man spricht in diesen Fällen von „unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umständen“. Kommt es am Urlaubsort zu einer solchen Situation, kann der Pauschalreisende die Reise abbrechen. Mehrkosten für anderweitige Übernachtungen muss der Reiseveranstalter für bis zu drei Nächten übernehmen.

Insbesondere während der Corona-Pandemie stehen viele Pauschalreisende vor der Frage, wann sie kostenlos ihre Urlaubsreise stornieren können. Lesen Sie dazu mehr in unserem Rechtstipp „Corona: Welche Rechte haben Reisende und Fluggäste?“.

Wie lange können Reisemängel bei einer Pauschalreise geltend gemacht werden?


Wer Ansprüche wegen Reisemängel geltend machen will, hat dafür zwei Jahre Zeit. Früher mussten die Ansprüche auf Reisepreisminderung oder Schadensersatz wegen entgangener Urlaubsfreude innerhalb eines Monats nach Reiseende geltend gemacht werden. Der Reiseveranstalter darf diese gesetzliche Frist nicht in seine Allgemeinen Geschäftsbedingungen kürzen.

Reiseveranstalter insolvent – und jetzt?


Seit dem 1. Juli 2021 sind Pauschalreisende durch einen Reisesicherungsfond geschützt, wenn der Reiseveranstalter Insolvenz anmelden muss. Das heißt, die Zahlung des Reisepreises, eine eventuell nötige Rückbeförderung der Pauschalreisenden sowie alle weiteren im Zusammenhang mit der Insolvenz stehenden Kosten, sind abgesichert.


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