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Kategorie: Anwalt Reiserecht , 08.10.2020 (Lesedauer ca. 6 Minuten, 230 mal gelesen)

Corona: Welche Rechte haben Reisende und Fluggäste?

Reisende am Flughafen mit Corona Mundschutz Maske Reisende am Flughafen mit Corona Mundschutz Maske © freepik - mko

Für Reisende und Fluggäste drängen sich seit Beginn der Corona-Pandemie viele Fragen auf: Welche Reisen können kostenlos storniert werden? Ist eine Reisewarnung für eine Stornierung zwingend? Was tun, wenn der Reiseveranstalter den Reisepreis einer stornierten Reise nicht zurückzahlt? Müssen Kunden sich mit Gutscheinen zufrieden geben? Corona-Test und Quarantäne: Was muss jetzt bei der Reiserückkehr beachtet werden?

Pauschalreise kostenlos stornieren – geht das?


Urlauber, die eine Pauschalreise gebucht haben, können diese unabhängig von der Corona-Pandemie unter bestimmten Voraussetzungen kostenlos stornieren. Eine Pauschalreise ist immer dann gegeben, wenn mindestens zwei Reiseleistungen (z.B. Flug/Hotel) gebucht wurden. Auch bei einer Kreuzfahrt liegt eine Pauschalreise vor.

Eine kostenlose Stornierung der Reise ist möglich, wenn die Reise abgesagt wurde oder am Reiseziel unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände auftreten, die die Durchführung der Reise erheblich beeinträchtigen. Diese Voraussetzung ist in der Regel bei einer Reisewarnung des Auswärtigen Amtes erfüllt.

Seit dem 1. Oktober 2020 gelten wieder differenzierte Reisewarnungen für einzelne Länder. Damit wird die pauschale Reisewarnung für alle außereuropäischen Länder abgelöst. Konkret gibt es Reisewarnungen für alle Länder, die von der Bundesregierung als Risikogebiet eingestuft sind. Welche Gebiete als Risikogebiet eingestuft werden, findet man aktuell auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts.

Das Amtsgericht Frankfurt/Main (Aktenzeichen 32 C 2136/20 (18)) hat entschieden, dass eine offizielle Reisewarnung nicht zwingend notwendig ist, um eine Reise kostenlos wegen Corona stornieren zu können. Der Reisepreis müsse vom Veranstalter auch dann zurückgezahlt werden, wenn keine ausdrückliche Reisewarnung bestand, aber eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine Ausbreitung des Coronavirus im Reisegebiet und damit eine Gesundheitsgefährdung für den Kunden gegeben war.

Trotz dieser Entscheidung wird es aber weiter in der Kulanz des Reiseveranstalters liegen, ob er eine kostenlose Stornierung ohne offizielle Reisewarnung gestattet. Daher aufgepasst: Wer jetzt eine Reise storniert, für die womöglich am Reisezeitpunkt keine Reisewarnung mehr besteht, muss ggfs. mit Stornokosten rechnen.

Wie sieht es bei Individualreisen aus?


Individualreisende haben es schwerer ihre Reise zu stornieren und ihr Geld zurück zu bekommen. Vertragspartner ist nicht ein Reiseveranstalter, sondern das jeweilige Hotel, die Fluggesellschaft, die Bahn oder der Ferienhausvermieter mit den jeweils geltenden eigenen Stornobedingungen.

Touristische Übernachtungen in Hotels in Deutschland können kostenlos storniert werden, so lange aufgrund einer Rechtsverordnung keine touristischen Übernachtungen im Hotel erlaubt sind und der Hotelier somit seine Leistung nicht erbringen kann.

Viele Anbieter haben aber aufgrund der Corona-Krise ihre Stornobedingungen gelockert oder bieten Umbuchungen an, so etwa Airbnb oder die Deutsche Bahn. Reisenden sollten sich daher bei ihrem Anbieter über Stornomöglichkeiten informieren.

Gutschein statt Erstattung des Reisepreises – ist das erlaubt?


Viele Reiseveranstalter bieten ihren Kunden bei Stornierung einer Reise momentan einen Gutschein statt einer Erstattung des Reisepreises an. Manche Reiseveranstalter zahlen ihren Kunden sogar einen Bonus, wenn statt einer Rückzahlung ein Gutschein akzeptiert wird.

Wichtig zu wissen: Reisende, die das Recht haben ihre Reise kostenlos zu stornieren, müssen sich nicht auf einen Gutschein einlassen. Gutscheine sind im Fall einer Insolvenz des Reiseveranstalters nicht geschützt und verfallen.
Auch die EU-Kommission hat klargestellt, dass Reisende keine Gutscheine für abgesagte Pauschal- oder Individualreisen akzeptieren müssen.

Als Unterstützung für die Reisebranche hat Deutschland eine freiwillige Gutscheinlösung beschlossen. Danach können Kunden für Reisen, die vor dem 8.3.20 gebucht wurden und aufgrund von Corona nicht in Anspruch genommen werden konnten, anstatt einer Erstattung einen Gutschein im Wert des Reisepreises annehmen. Die Bundesregierung sichert den Wert des Gutscheins in voller Höhe ab. Die EU-Kommission hat die deutsche Lösung zur Deckung von Gutscheinen zwischenzeitlich genehmigt.
Nach dem Ende der Reisebeschränkungen soll der Kunde den Gutschein dann beim Reiseveranstalter einlösen. Der Reiseveranstalter muss den Kunden auf sein Wahlrecht - Gutschein oder Erstattung - aufmerksam machen. Kunden, die einen Gutschein ablehnen, müssen umgehend die Ihnen zustehende Erstattung erhalten. Gutscheine, die nicht bis Ende 2021 eingelöst werden, müssen vom Reiseveranstalter erstattet werden.

Der Gutschein muss folgende Angaben enthalten: Reisewert, Ausstellung wegen Corona, Gültigkeitsdauer, sofortige Erstattung bei Nichteinlösen während Gültigkeitsdauer sowie Absicherung des Gutscheins bei Insolvenz des Reiseveranstalters durch staatliche Garantien.

Reiseveranstalter weigert sich stornierte Reise zu erstatten– was tun?


Wird eine Reise wirksam storniert, muss der Reiseveranstalter den gezahlten Reisepreis innerhalb von 14 Tagen zurückerstatten. Bei individuell gebuchten Flugreisen mit EU-Bezug beträgt die Erstattungsfrist sieben Tage ab Zahlungsaufforderung. Bei vielen Reiseveranstalter und Fluggesellschaften verläuft die Kommunikation mit den Kunden und die Rückzahlung sehr schleppend.
Kunden, die ihren Reiseveranstalter oder ihre Fluggesellschaft zur Rückzahlung des geleisteten Reisepreise aufgefordert haben und jetzt auf ihre Erstattung warten, haben die Möglichkeit ein gerichtliches Mahnverfahren zu betreiben oder zu klagen. In beiden Fällen hilft Ihnen ein spezialisierter und erfahrener Anwalt für Reiserecht ihre Rechte effektiv und schnell durchzusetzen.

Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat gegen die Deutsche Lufthansa AG wegen nicht erstatteter Flugtickets im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie Klage erhoben, da diese ihre Kunden über ihr Recht auf Rückzahlung statt Gutschein schlecht informiert. Auch gegen Eurowings und Der Touristik wurde wegen nicht erstatteter Reisepreiszahlungen Klage erhoben.

Was gilt, wenn der Reiseveranstalter die Reise storniert?


Viele Reiseveranstalter haben aufgrund der Corona-Pandemie weltweit von sich aus zahlreiche Reisen gestrichen. Erfolgt das Storno der Reise vom Reiseveranstalter, kann er vom Reisenden keine Zahlung verlangen. Bereits geleistete Zahlungen müssen innerhalb von 14 Tagen zurückerstattet werden.

Geld zurück bei vorzeitigem Reiseabbruch?


Viele Reisende mussten aufgrund der Corona-Pandemie ihren Urlaub vorzeitig abbrechen und nach Hause zurückkehren. In diesen Fällen kann vom Reiseveranstalter eine teilweise Erstattung des Reisepreises verlangt werden. Die Höhe der Erstattung hängt davon ab, um wie viele Tage die Reise verkürzt wurde.

Wer zahlt bei verlängertem Aufenthalt wegen Corona?


Wer nicht wie geplant seine Rückreise antreten kann, weil etwa Flüge ausfallen, hat einen Anspruch gegenüber seinem Reiseveranstalter auf Kostenerstattung für einen Aufenthalt von bis zu drei Tagen. Alles was darüber hinaus geht, muss der Reisende selbst bezahlen.

Wer am Urlaubsort unter Quarantäne gestellt wird, hat möglicherweise einen Anspruch auf Kostenübernahme gegenüber dem verfügenden Land.

Hilft eine Reiserücktrittsversicherung?


Reiserücktrittsversicherungen greifen üblicherweise bei unvorhersehbaren schweren Erkrankungen, Unfällen oder Todesfällen beim Versicherten oder einer Risikoperson. Viele Versicherer haben den Versicherungsschutz für Pandemien oder Epidemien vertraglich ausgeschlossen. Was im Einzelfall gilt, steht im Versicherungsvertrag.

Corona-Test und Quarantäne: Was ist bei der Reiserückkehr zu beachten?


Alle Reisende, die aus einem Risikogebiet nach Deutschland zurückkehren, müssen einen Corona-Test machen. Sie müssen Sie sich nach der Einreise in Deutschland unmittelbar an ihrem Reiseziel in häusliche Quarantäne begeben und sich bei der zuständigen Behörde, wie etwa dem Gesundheitsamt, melden. Die Quarantäne dauert so lange an, bis ein negatives Testergebnis gegenüber der zuständigen Behörde nachgewiesen werden kann. Während der Quarantäne darf das Haus, bzw. die Wohnung nicht verlassen und es darf auch kein Besuch empfangen werden. Die Einhaltung der Quarantäne wird durch die zuständige Behörde/ Gesundheitsamt überwacht.

Ausgenommen von den Quarantäne-Regelungen sind in den meisten Bundesländern Einreisende, die einen höchstens 48 Stunden vor Einreise durchgeführten Test mit negativem Ergebnis vorweisen können. Welche Gebiete als Risikogebiet eingestuft werden, findet man aktuell auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts. Der Pflichttest ist kostenlos. Testzentren sind an Flughäfen, Bahnhöfen und gut erreichbaren Orten eingerichtet. Auch Urlauber, die aus keinem Risikogebiet zurückkehren, können sich bis zu 72 Stunden nach der Einreise in Deutschland kostenlos testen lassen.

Das Verwaltungsgericht Leipzig (Aktenzeichen 3 L 494/20) hat entschieden, dass von Rückkehrern aus Risikogebieten neben einem negativen Corona-Test keine weitere ärztliche Bescheinigung zur Symptomfreiheit erbracht werden muss.

Welche konkreten Regelungen zur Quarantänepflicht gelten, entscheiden jeweils die Bundesländer. Vor der Einreise sollten Reisende sich über die Quarantäne-Bestimmungen ihres Bundeslandes informieren.

Wie ist sicheres Reisen in Corona-Zeiten möglich?


Die Europäische Kommission hat Empfehlungen für sicheres Reisen während der Corona-Pandemie ausgesprochen. Danach sollten Bahnhöfe und Flughäfen regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden. In Zügen, Bussen und allen übrigen Transportmitteln sollte stets für eine ausreichende Lüftung gesorgt sein. Tickets und Check-Inns sollten, wenn möglich, online erfolgen, um Warteschlangen zu vermeiden. Abstandsregeln beim Sicherheits-Check, Boarding oder bei der Gepäckausgabe müssen eingehalten werden. Ist dies nicht möglich, sollten sich die Reisenden zusätzlich, etwa durch Masken, schützen.

Fluggesellschaften sollten ihre Fluggäste mit Abstand an Board platzieren. Die Ausgabe von Snacks oder Getränken ist an Board ggfs. nicht möglich.

Bei Bussen sollte zwischen Fahrer und Fahrgast eine Schutzabgrenzung geschaffen werden. Der Einstieg durch die Hintertür erscheint sinnvoll, ebenso das automatische Öffnen der Tür bei jeder Station, um den Kontakt vieler Fahrgäste mit den Knöpfen zu vermeiden.


erstmals veröffentlicht am 03.04.2020, letzte Aktualisierung am 08.10.2020

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