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Kategorie: Anwalt Reiserecht , 08.01.2021 (Lesedauer ca. 7 Minuten, 310 mal gelesen)

Corona: Welche Rechte haben Reisende und Fluggäste?

Reisende am Flughafen mit Corona Mundschutz Maske Reisende am Flughafen mit Corona Mundschutz Maske © freepik - mko

Für Reisende und Reiseveranstalter stellen sich aufgrund der Corona-Pandemie viele Fragen: Wann kann man eine Reise kostenfrei stornieren? Müssen Kunden Gutscheine statt Rückerstattung des Reisepreises akzeptieren? Was tun, wenn der Reiseveranstalter nach einer Stornierung den Reisepreis nicht zurückzahlt? Und was gilt aktuell im Hinblick auf Corona-Tests und Quarantäne für Reiserückkehrer?

Pauschalreise kostenlos stornieren – geht das?


Urlauber, die eine Pauschalreise gebucht haben, können diese unabhängig von der Corona-Pandemie unter bestimmten Voraussetzungen kostenlos stornieren. Eine Pauschalreise ist immer dann gegeben, wenn mindestens zwei Reiseleistungen (z.B. Flug/Hotel) gebucht wurden. Auch bei einer Kreuzfahrt liegt eine Pauschalreise vor.

Eine kostenlose Stornierung der Reise ist möglich, wenn die Reise abgesagt wurde oder am Reiseziel unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände auftreten, die die Durchführung der Reise erheblich beeinträchtigen. Diese Voraussetzung ist in der Regel bei einer Reisewarnung des Auswärtigen Amtes erfüllt.

Das Auswärtige Amt spricht gewöhnlich eine Reisewarnung aus, wenn das betroffene Land von der Bundesregierung als Risikogebiet eingestuft wird. Welche Gebiete als Risikogebiet eingestuft werden, findet man aktuell auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts.

Das Amtsgericht Frankfurt/Main (Aktenzeichen 32 C 2136/20 (18)) hat entschieden, dass eine offizielle Reisewarnung nicht zwingend notwendig ist, um eine Reise kostenlos wegen Corona stornieren zu können. Der Reisepreis müsse vom Veranstalter auch dann zurückgezahlt werden, wenn keine ausdrückliche Reisewarnung bestand, aber eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine Ausbreitung des Coronavirus im Reisegebiet und damit eine Gesundheitsgefährdung für den Kunden gegeben war.

Ein Kunde, der bereits Anfang April 2020 eine Kreuzfahrt, die für Anfang Juli 2020 geplant war, ohne das Vorliegen einer Reisewarnung stornierte, muss dem Reiseveranstalter Stornogebühren bezahlen, entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 159 C 13380/20). Begründung: Zum Zeitpunkt der Stornierung stand noch nicht fest, dass die Reise aufgrund der Corona-Pandemie stattfinden hätte können, oder nicht. Eine Pandemie könne zwar grundsätzlich als außergewöhnlicher Umstand, der zu einem Reiserücktritt berechtigt, gewertet werden, aber es komme darauf an, ob die Reise zum Stornierungszeitpunkt erheblich beeinträchtigt sein werde. In diesem Fall war es Anfang April nicht ausgeschlossen, dass die Kreuzfahrt unter entsprechenden Hygiene-Bedingungen doch hätte durchgeführt werden könne.

Daher aufgepasst: Wer eine Reise storniert, für die womöglich zum Reisezeitpunkt keine Reisewarnung besteht, muss ggfs. mit Stornokosten rechnen.

Reiseveranstalter muss auf Rückzahlungsoption auf Homepage hinweisen


Ein Reiseveranstalter muss auf seiner Homepage eindeutig auf Erstattungsansprüche nach einer Reisestornierung aufgrund der Corona-Pandemie hinweisen, stellt das Landgericht Hannover (Aktenzeichen 13 O 186/20) klar. Im konkreten Fall hatte der Reiseanbieter TUI Deutschland auf seiner Homepage Informationen zu Corona und Reisen angeboten. Hier wurde insbesondere auf die Möglichkeit hingewiesen, dass Reisen kostenlos umgebucht oder das ein Gutschein ausgestellt werden kann. Auf die Option der Erstattung des Reisepreises wurde an einer für den Kunden kaum auffindbaren Stelle hingewiesen. Für den Verbraucherzentrale Bundesverband stellt das eine Verschleierung der Kundenrechte dar. Dieser Ansicht folgte auch das Landgericht Hannover.

Wie sieht es bei Individualreisen aus?


Individualreisende haben es schwerer ihre Reise zu stornieren und ihr Geld zurück zu bekommen. Vertragspartner ist nicht ein Reiseveranstalter, sondern das jeweilige Hotel, die Fluggesellschaft, die Bahn oder der Ferienhausvermieter mit den jeweils geltenden eigenen Stornobedingungen.

Touristische Übernachtungen in Hotels in Deutschland können kostenlos storniert werden, so lange aufgrund einer Rechtsverordnung keine touristischen Übernachtungen im Hotel erlaubt sind und der Hotelier somit seine Leistung nicht erbringen kann.

Wurden aber gebuchte Hotelzimmer zeitlich vor dem Beherbergungsverbot einer Kommune storniert, gelten die zwischen dem Hotel und Gast vereinbarten Stornierungskosten, entschied das Landgericht Köln (Aktenzeichen 86 O 21/20). Da können auch Stornierungskosten in Höhe von 90 Prozent rechtmäßig sein, wenn dies so im Vertrag zwischen Hotel und Gast vereinbart wurde.

Viele Anbieter haben aufgrund der Corona-Krise ihre Stornobedingungen gelockert oder bieten Umbuchungen an, so etwa Airbnb oder die Deutsche Bahn. Reisenden sollten sich daher bei ihrem Anbieter über Stornomöglichkeiten informieren.

Gutschein statt Erstattung des Reisepreises – ist das erlaubt?


Viele Reiseveranstalter bieten ihren Kunden bei Stornierung einer Reise momentan einen Gutschein statt einer Erstattung des Reisepreises an. Manche Reiseveranstalter zahlen ihren Kunden sogar einen Bonus, wenn statt einer Rückzahlung ein Gutschein akzeptiert wird.

Wichtig zu wissen: Reisende, die das Recht haben ihre Reise kostenlos zu stornieren, müssen sich nicht auf einen Gutschein einlassen. Es handelt sich hier um ein freiwilliges Entgegenkommen der Kunden gegenüber dem Reiseveranstalter.
Auch die EU-Kommission hat klargestellt, dass Reisende keine Gutscheine für abgesagte Pauschal- oder Individualreisen akzeptieren müssen.

Als Unterstützung für die Reisebranche hat Deutschland eine freiwillige Gutscheinlösung beschlossen. Danach können Kunden für Reisen, die vor dem 8.3.20 gebucht wurden und aufgrund von Corona nicht in Anspruch genommen werden konnten, anstatt einer Erstattung einen Gutschein im Wert des Reisepreises annehmen. Die Bundesregierung sichert den Wert des Gutscheins in voller Höhe ab. Die EU-Kommission hat die deutsche Lösung zur Deckung von Gutscheinen zwischenzeitlich genehmigt.

Nach dem Ende der Reisebeschränkungen soll der Kunde den Gutschein dann beim Reiseveranstalter einlösen. Der Reiseveranstalter muss den Kunden auf sein Wahlrecht - Gutschein oder Erstattung - aufmerksam machen. Kunden, die einen Gutschein ablehnen, müssen umgehend die Ihnen zustehende Erstattung erhalten. Gutscheine, die nicht bis Ende 2021 eingelöst werden, müssen vom Reiseveranstalter erstattet werden.

Der Gutschein muss folgende Angaben enthalten: Reisewert, Ausstellung wegen Corona, Gültigkeitsdauer, sofortige Erstattung bei Nichteinlösen während Gültigkeitsdauer sowie Absicherung des Gutscheins bei Insolvenz des Reiseveranstalters durch staatliche Garantien.

Reiseveranstalter weigert sich stornierte Reise zu erstatten– was tun?


Wird eine Reise wirksam storniert, muss der Reiseveranstalter den gezahlten Reisepreis innerhalb von 14 Tagen zurückerstatten. Bei individuell gebuchten Flugreisen mit EU-Bezug beträgt die Erstattungsfrist sieben Tage ab Zahlungsaufforderung. Bei vielen Reiseveranstalter und Fluggesellschaften verläuft die Kommunikation mit den Kunden und die Rückzahlung sehr schleppend.
Kunden, die ihren Reiseveranstalter oder ihre Fluggesellschaft zur Rückzahlung des geleisteten Reisepreise aufgefordert haben und jetzt auf ihre Erstattung warten, haben die Möglichkeit ein gerichtliches Mahnverfahren zu betreiben oder zu klagen. In beiden Fällen hilft Ihnen ein spezialisierter und erfahrener Anwalt für Reiserecht ihre Rechte effektiv und schnell durchzusetzen.

Das Amtsgericht Frankfurt/Main (Aktenzeichen 32 C 2620/20 (18)) hat in einem Urteil klargestellt, dass ein Reiseveranstalter auch bei corona-bedingten unvorhersehbarer Liquiditätsschwierigkeiten und nicht zu bewältigendem Organisationsbedarf in Zahlungsverzug gerät, wenn er nicht innerhalb von 14 Tagen nach der Reisestornierung die Reisekosten an den Kunden zurückerstattet. Seine Pflicht zur Reiserückerstattung entsteht unabhängig eines Verschuldens.

So entschied auch das Amtsgericht Bad Iburg (Aktenzeichen 4 C 404/20, 4 C 398/20) und ließ die Corona-Pandemie nicht als Entschuldigung für eine verspätete Rückzahlung des Reisepreises einer stornierten Kreuzfahrt gelten.
Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hat gegen die Deutsche Lufthansa AG wegen nicht erstatteter Flugtickets im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie Klage erhoben, da diese ihre Kunden über ihr Recht auf Rückzahlung statt Gutschein schlecht informiert. Auch gegen Eurowings und Der Touristik wurde wegen nicht erstatteter Reisepreiszahlungen Klage erhoben.

Was gilt, wenn der Reiseveranstalter die Reise storniert?


Viele Reiseveranstalter haben aufgrund der Corona-Pandemie weltweit zahlreiche Reisen gestrichen.
Das Amtsgericht Rostock (Aktenzeichen 47 C 59/20) hat entschieden, dass ein Reiseveranstalter einer Kreuzfahrt trotz fehlender Reisewarnung des Auswärtigen Amtes eine geplante Reise aufgrund der Corona-Pandemie absagen kann. Selbst wenn keine Reisewarnung vorliegt, handelt es sich bei einer Pandemie um einen unvermeidbaren außergewöhnlichen Umstand, der zur Stornierung berechtigte. Ein Kunde kann in diesem Fall keinen Anspruch auf Schadensersatz wegen entgangener Urlaubsfreude geltend machen.

Erfolgt das Storno der Reise vom Reiseveranstalter, kann er vom Reisenden keine Zahlung verlangen. Bereits geleistete Zahlungen müssen innerhalb von 14 Tagen zurückerstattet werden.

Geld zurück bei vorzeitigem Reiseabbruch?


Viele Reisende mussten aufgrund der Corona-Pandemie ihren Urlaub vorzeitig abbrechen und nach Hause zurückkehren. In diesen Fällen kann vom Reiseveranstalter eine teilweise Erstattung des Reisepreises verlangt werden. Die Höhe der Erstattung hängt davon ab, um wie viele Tage die Reise verkürzt wurde.

Wer zahlt bei verlängertem Aufenthalt wegen Corona?


Wer nicht wie geplant seine Rückreise antreten kann, weil etwa Flüge ausfallen, hat einen Anspruch gegenüber seinem Reiseveranstalter auf Kostenerstattung für einen Aufenthalt von bis zu drei Tagen. Alles was darüber hinaus geht, muss der Reisende selbst bezahlen.

Wer am Urlaubsort unter Quarantäne gestellt wird, hat möglicherweise einen Anspruch auf Kostenübernahme gegenüber dem verfügenden Land.

Hilft eine Reiserücktrittsversicherung?


Reiserücktrittsversicherungen greifen üblicherweise bei unvorhersehbaren schweren Erkrankungen, Unfällen oder Todesfällen beim Versicherten oder einer Risikoperson. Viele Versicherer haben den Versicherungsschutz für Pandemien oder Epidemien vertraglich ausgeschlossen. Was im Einzelfall gilt, steht im Versicherungsvertrag.

Corona-Test und Quarantäne: Was ist aktuell bei der Reiserückkehr zu beachten?


Seit dem 22. Dezember gilt ein generelles Beförderungsverbot für Reisende aus Großbritannien, Nordirland und Südafrika.

Reisende, die aus einem Risikogebiet nach Deutschland zurückkehren, sind nicht mehr verpflichtet einen Corona-Test durchführen zu lassen. Aber das Gesundheitsamt kann Reiserückkehrern aus Risikogebieten auffordern innerhalb von 10 Tagen nach der Einreise einen Corona-Test zu machen oder ein negatives Testergebnis vorzulegen. Diese Testpflicht entsteht aber erst mit der Aufforderung des zuständigen Gesundheitsamtes.

Zudem müssen sich Reisende, die sich in den letzten zehn Tagen in einem vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet aufgehalten haben, vor ihrer Einreise nach Deutschland online unter www.Einreiseanmeldung.de registrieren. Die digitale Einreiseanmeldung wird verschlüsselt an das für den Zielort des Reisenden zuständige Gesundheitsamt übermittelt. So soll eine Kontrolle der bestehende Quarantänepflicht möglich sein, denn Reisende aus Risikogebieten müssen sich nach der Einreise in Deutschland in eine 10tägige häusliche Quarantäne begeben, die nach frühestens fünf Tagen durch einen negativen Corona-Test beendet werden kann. Treten während der Quarantäne corona-typische Krankheitsanzeichen auf, muss dies dem Gesundheitsamt mitgeteilt und es muss ein Corona-Test gemacht werden.

Wer gegen eine Quarantäneanordnung verstößt, riskiert eine Geldstrafe oder Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren. Wer bei diesem Verstoß eine Krankheit verbreitet, sieht sich einer einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren ausgesetzt.

Welche Gebiete als Risikogebiet eingestuft werden, findet man aktuell auf der Homepage des Robert-Koch-Instituts. Der noch kostenlose Pflichttest muss ab dem 8.11.2020 vom Reisenden selbst bezahlt werden. Freiwillige Tests sind nur noch in Bayern kostenlos möglich. Testzentren sind an Flughäfen, Bahnhöfen und gut erreichbaren Orten eingerichtet.

Das Verwaltungsgericht Leipzig (Aktenzeichen 3 L 494/20) hat entschieden, dass von Rückkehrern aus Risikogebieten neben einem negativen Corona-Test keine weitere ärztliche Bescheinigung zur Symptomfreiheit erbracht werden muss.

Wichtig: Welche konkreten Regelungen zur Quarantänepflicht gelten, entscheiden jeweils die Bundesländer. Vor der Einreise sollten Reisende sich über die Quarantäne-Bestimmungen ihres Bundeslandes informieren.

Wie ist sicheres Reisen in Corona-Zeiten möglich?


Die Europäische Kommission hat Empfehlungen für sicheres Reisen während der Corona-Pandemie ausgesprochen. Danach sollten Bahnhöfe und Flughäfen regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden. In Zügen, Bussen und allen übrigen Transportmitteln sollte stets für eine ausreichende Lüftung gesorgt sein. Tickets und Check-Inns sollten, wenn möglich, online erfolgen, um Warteschlangen zu vermeiden. Abstandsregeln beim Sicherheits-Check, Boarding oder bei der Gepäckausgabe müssen eingehalten werden. Ist dies nicht möglich, sollten sich die Reisenden zusätzlich, etwa durch Masken, schützen.

Fluggesellschaften sollten ihre Fluggäste mit Abstand an Board platzieren. Die Ausgabe von Snacks oder Getränken ist an Board ggfs. nicht möglich.

Bei Bussen sollte zwischen Fahrer und Fahrgast eine Schutzabgrenzung geschaffen werden. Der Einstieg durch die Hintertür erscheint sinnvoll, ebenso das automatische Öffnen der Tür bei jeder Station, um den Kontakt vieler Fahrgäste mit den Knöpfen zu vermeiden.

erstmals veröffentlicht am 03.04.2020, letzte Aktualisierung am 08.01.2021

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