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Kategorie: Anwalt Familienrecht , 10.09.2020 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 1016 mal gelesen)

Scheidung: Wer bekommt den Hund?

verängstiger Hund verängstiger Hund © freepik - mko

Nach der Trennung oder Scheidung wird der gemeinsame Hausrat aufgeteilt. Dabei stellt sich nicht nur die Frage, wer das Silberbesteck oder den Staubsauger bekommt. Es muss auch entschieden werden, bei wem der Hund in Zukunft lebt. Diese Entscheidung ist oft mit großen Emotionen und Konflikten behaftet. Wer darf den Hund behalten? Und gibt es ein Umgangsrecht mit dem Hund?

Wem gehört der Hund?


Hat ein Ehepartner einen Hund mit in die Ehe gebracht oder ihn als alleiniger Eigentümer während der Ehe erworben, ist die Zukunft des Hundes nach einer Trennung eindeutig: Er lebt bei seinem Eigentümer. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass dieser sich nicht so rührend um das Tier gekümmert hat, wie der andere Ehepartner, so das Oberlandesgericht Stuttgart (Aktenzeichen 18 UF 57/19). Das Wohl des Hundes ist unerheblich, wenn ein Ehepartner Alleineigentümer ist, so das Landgericht Koblenz (Aktenzeichen 6 S 95/19).

Allerdings muss das Eigentum am Hund eindeutig nachweisbar sein. Kann keiner der Ehepartner sein alleiniges Eigentum am Tier beweisen, gilt der Hund als gemeinsames Eigentum und wird damit im Rahmen der Hausratsaufteilung einem Ehepartner zugeteilt. Für den Eigentumsnachweis reicht der Kauf des Welpens beim Züchter von einem Ehepartner allein nicht aus, wenn etwa die Tierhalterhaftpflichtversicherung auf den anderen Ehepartner läuft, so das Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts (Aktenzeichen 15 UF 143/12).

Wurde der Hund vom Ehepaar gemeinsam angeschafft, gilt er als Hausratsgegenstand und wird im Hinblick auf die Aufteilung des Hausrats auch so behandelt. Tiere sind zwar im Sinne des Bürgerlichen Rechts keine Sachen, aber die für Sachen geltenden Vorschriften sind auf sie entsprechend anzuwenden.

Wer bekommt den Hund?


Bei der Zuweisung des gemeinsamen Hundes nach einer Trennung steht in erster Linie das Wohl des Tieres im Fokus, stellt das Amtsgericht München (Aktenzeichen 523 F 9430/18) klar und weist der Hauptbezugsperson den Hund zu. Die Fakten, wer den Hund versorgt und sich um ihn gekümmert hat, waren für das Gericht nicht entscheidend.

Aber auch Affektionsinteresse und Rudelzusammenhalt sind für die Zuteilung des Hundes entscheidende Kriterien, so das Oberlandesgericht Nürnberg (Aktenzeichen 10 UF 1429/16). Weist etwa ein Partner ein größeres Affektionsinteresse als der andere am Hund auf oder würde der Hund den Verlust eines Rudelmitglieds nicht verkraften, spielt das laut Gericht eine große Rolle für die Entscheidung, bei wem der Hund in Zukunft lebt.

Gibt es ein Umgangsrecht mit dem Hund?


Nach einer Entscheidung des Oberlandesgerichts Hamm (Aktenzeichen II-10 WF 240/10) hat ein Ex-Partner keinen Anspruch auf Umgang mit dem beim anderen Partner lebenden Hund. Es gebe keinen gesetzlichen Anspruch auf eine zeitlich begrenzte Nutzung des Tiers. Auch die Regelungen über das Umgangsrecht mit einem gemeinsamen Kind können laut Gericht nicht entsprechend angewendet werden. Hier ginge es in erster Linie um das Wohl des Kindes und nicht um die emotionalen Bedürfnisse der Eltern.

Darf der Ex-Partner den gemeinsamen Hund verkaufen?


Wurde der gemeinsame Hund im Rahmen einer Hausratszuteilung einem Ehepartner zugesprochen, so darf dieser über das Tier frei verfügen. Er darf den Hund auch weiterverkaufen, entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 191 C 20103/19).




erstmals veröffentlicht am 12.03.2013, letzte Aktualisierung am 10.09.2020

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