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Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht , 08.06.2021 (Lesedauer ca. 5 Minuten, 915 mal gelesen)

Hundebiss – Muss der Halter Schadensersatz zahlen?

Hund mit gefletschten Zähnen Hund mit gefletschten Zähnen © freepik - mko

Von Schäferhunden, Dobermännern und Rottweilern gehen laut Statistik die meisten Beißattacken aus. Jedes dritte Bissopfer ist ein Kind. Wann haftet der Hundehalter für den Biss seines Hundes? Für welche Schäden muss er aufkommen? Wann trifft das Bissopfer ein Mitverschulden? Und welche weiteren Folgen hat ein Hundebiss für den Besitzer?

Wann haftet der Hundehalter beim Hundebiss?


Ein Hundebesitzer haftet grundsätzlich verschuldensunabhängig für alle Schäden, die sein Hund verursacht. Dies ergibt sich aus der Tierhalterhaftung gemäß § 833 BGB. Darunter fallen natürlich auch Schäden, die aufgrund eines Hundebisses entstehen, sei es bei einem anderen Hund oder einem Menschen.

In bestimmten Fällen haftet auch der Hundeführer, wenn er im Sinne des bürgerlichen Rechts die Funktion eines Tieraufsehers erfüllt. Das ist etwa bei Hundesittern der Fall.

Voraussetzung für die Haftung ist allerdings, dass der Schaden durch den Hund verursacht wurde. Der Hundehalter haftet demnach nur, wenn sich eine typische Tiergefahr verwirklicht hat. So etwa, wenn der Hund einen anderen Hund beißt.

Eine typische Verhaltensweise von Hunden ist auch, dass sie beim Zusammentreffen mit anderen Artgenossen unkontrolliert hin und her springen. Kommt es dadurch zu einem Sturz eines Hundebesitzers, muss der Hundehalter für die Folgen haften, entschied das Oberlandesgericht Koblenz (Aktenzeichen 12 U 249/18).

Nach einer Entscheidung des Landgerichts Osnabrück (Aktenzeichen 8 O 1022/19) scheidet eine Hundehalterhaftung hingegen aus, wenn der eigene angeleinte Hund auf einen anderen Hund trifft und vor Aufregung mehrfach um seinen Besitzer läuft, sich dabei die Leine um dessen Beine verwickelt und er dadurch stürzt. Allein die Anwesenheit des fremden Hundes führt laut Gericht nicht zu einer Tierhalterhaftung.

Wird bei einer Hunderangelei ein Hundebesitzer von einem fremden Hund gebissen, haftet dessen Hundehalter. Allerdings muss sich das Opfer die Tiergefahr seines eigenen Hundes anrechnen lassen, entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe (Aktenzeichen 7 U 24/19).
Sind mehrere Hunde in eine Rangelei verstrickt und kommt es untereinander zu Beißereien, haftet nach einer weiteren Entscheidung des Oberlandesgerichts Karlsruhe (Aktenzeichen 7 U 86/18) der Halter des freilaufenden Hundes. Dies gilt selbst dann, wenn nicht eindeutig nachzuvollziehen ist, welcher Hund zuerst gebissen hat.

Das Oberlandesgericht Celle (Aktenzeichen 20 U 38/11) stellt klar, dass ein Hundehalter auch dann für den Biss seines Hundes haftet, wenn er keine Einflussnahme auf das Tier hat – etwa, wenn der Hund in der Obhut des Tierarztes ist.

Allein das Schild „Durchgang verboten“ reicht als Warnung vor einem bissigen Hund nicht aus, entschied das Amtsgericht Augsburg (Aktenzeichen 19 C 2923/17) im Fall einer Besucherin einer Tierfarm die durch einen freilaufenden Schäferhund gebissen wurde.

Der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen VI ZR 238/04) hebt in einer Entscheidung hervor, dass den Halter eines aggressiven oder bissigen Hundes eine erhöhte Sorgfalt bei der Beaufsichtigung trifft.

Hundebiss - Für welche Schäden muss der Hundehalter aufkommen?


Zum einen muss der Hundehalter für alle Sachschäden aufkommen, die durch den Hundebiss verursacht wurden. Darunter fallen etwa die Kosten für die kaputte Hose des Bissopfers, Fahrtkosten zum Arzt oder Medikamente, die aufgrund des Hundebisses benötigt werden. Wurde ein anderes Tier gebissen, sind die Tierarztkosten zu erstatten.

Hat der Hund einen Menschen gebissen, muss der Hundehalter in der Regel Schmerzensgeld zahlen. Die Höhe des Schmerzensgeldes richtet sich nach der Schwere der Verletzung und den Folgen. Schmerzensgeld für ein gebissenes Tier gibt es nicht. So hält das Amtsgericht Berlin-Tiergarten (Aktenzeichen 606 C 67/12) ein Schmerzensgeld von 2.000 Euro bei Hundebiss ins Gesicht einer Besucherin in fremder Wohnung für angemessen.

Neben dem Schmerzensgeld kann das Opfer auch sein entgangenes Entgelt geltend machen, etwa wenn seine Arbeitsunfähigkeit aufgrund des Hundebisses länger als 6 Wochen dauert. Das Oberlandesgericht Karlsruhe (Aktenzeichen 7 U 86/18) sprach einem Bissopfer für eine Bissverletzung am Kopf ein Schmerzensgeld von 2.000 Euro und Ersatz für Verdienstausfall in Höhe von 3.100 Euro zu.

Wann trifft das Bissopfer ein Mitverschulden?


Muss sich das Opfer ein Mitverschulden am Hundebiss zurechnen lassen, werden seine Ansprüche entsprechend gekürzt. So etwa, wenn der Hundehalter das Opfer vorher gewarnt hat, den Hund nicht zu streicheln und das Opfer dies dennoch tut, entschied das Oberlandesgericht Oldenburg (Aktenzeichen 9 U 48/17).

Nach einer weiteren Entscheidung des Oberlandesgerichts Oldenburg (Aktenzeichen 5 U 114/19) muss sich eine Hundebesitzerin, die sich bei einer Hunderangelei zwischen ihren und den fremden Hund stellte und dabei gebissen wurde, aufgrund ihres leichtfertigen Verhaltens und der Tiergefahr des eigenen Hundes eine achtzig prozentige Mitschuld zurechnen lassen.

Tritt ein Hotelangestellter in Abwesenheit des Gastes in dessen Hotelzimmer und weiß, dass der Gast einen Hund mitgebracht hat, muss er sich ein Mitverschulden am Hundebiss anrechnen lassen, entschied das Amtsgericht Frankfurt/ Main (Aktenzeichen 32 C 2982/16).

Welche weiteren Folgen hat ein Hundebiss?


Neben dem Geltend machen von zivilrechtlichen Ansprüchen haben Opfer eines Hundebisses auch die Möglichkeit eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung zu stellen oder dem Ordnungsamt den Beißvorfall anzuzeigen. Das Ordnungsamt prüft dann, ob vom Hund eine Gefahr ausgeht und erteilt ggfs. eine Maulkorb- oder Leinenpflicht.

Ein Schäferhund, der einer vorbeifahrenden Radfahrerin hinterherlief und sie in die Wade biss, darf nur noch an einer 1,5 m langen Leine in der Öffentlichkeit geführt werden, entschied das Verwaltungsgerichts Göttingen (Aktenzeichen 1 B 3/21) und bestätigte den behördlich angeordneten Leinenzwang.

Es besteht darüber hinaus die Möglichkeit, dass die nach dem Landeshundegesetz erforderliche Erlaubnis zum Halten eines gefährlichen Hundes nach einem Beißvorfall widerrufen werden kann, so das Verwaltungsgericht Aachen (Aktenzeichen 6 L 295/10).
Steht ein Hund schon unter Leinenzwang und Maulkorbzwang und kommt es erneut zu einem Beißvorfall, kann das Tier umgehend beschlagnahmt und eingeschläfert werden, so das Verwaltungsgericht Freiburg (Aktenzeichen 1 K 1686/09).

Eine Hundebesitzerin wurde vom Amtsgericht München (Aktenzeichen 813 Ds 274 Js 193453/18) wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten verurteilt, weil ihr unangeleinter Hund einen Jungen gebissen hatte.

Auch das Landgericht Osnabrück (Aktenzeichen 5 Ns 112/20) stellt in einer Entscheidung klar, dass ein Angriff von einem nicht angeleinten Hund den Tatbestand einer Körperverletzung verwirklicht. Ein unangeleinter Schäferhund, der den Rückrufkommandos seines Halters keine Beachtung schenkte, hatte eine ältere Frau auf dem Gehweg angesprungen, die stürzte und sich Verletzungen zu zog.

Wichtig zu wissen: Eine Anzeige ist keine Voraussetzung zur zivilrechtlichen Geltendmachung von Schadensersatz oder Schmerzensgeld!

Was deckt eine Hundehaftpflichtversicherung ab?


Eine Hundehaftpflichtversicherung deckt Sach-, Personen- und Vermögensschäden ab, die einem Dritten durch den eigenen Hund entstanden sind. In einigen Bundesländern, wie zum Beispiel Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen, ist eine Hundehaftpflichtversicherung Pflicht.

Die Hundehaftpflichtversicherung tritt nicht für Schäden ein, die der Hund bei seinem Hundebesitzer verursacht hat. Sie übernimmt auch keine Straf- oder Bußgelder, die durch den Hund veranlasst wurden. Auch im Fall einer missachteten Leinenpflicht, tritt sie nicht für Schäden ein.



erstmals veröffentlicht am 10.04.2018, letzte Aktualisierung am 08.06.2021

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