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Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht , 08.06.2020 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 846 mal gelesen)

Hundebiss: Wer haftet?

Hund mit gefletschten Zähnen Hund mit gefletschten Zähnen © freepik - mko

Jeder fünfte Deutsche wurde einer aktuellen Statistik zur Folge schon einmal von einem Hund gebissen. Kinder und Jugendliche sind dabei besonders gefährdet. Wer haftet bei einem Hundebiss? Für welche Schäden muss der Hundehalter aufkommen? Und wann liegt ein Mitverschulden des Bissopfers vor?

Haftung beim Hundebiss – das sollten Hundebesitzer wissen!


Ein Hundebesitzer haftet grundsätzlich verschuldensunabhängig für alle Schäden, die sein Hund verursacht. Dies ergibt sich aus der Tierhalterhaftung gemäß § 833 BGB. Darunter fallen natürlich auch Schäden, die aufgrund eines Hundebisses entstehen, sei es bei einem anderen Hund oder einem Menschen.

In bestimmten Fällen haftet auch der Hundeführer, wenn er im Sinne des bürgerlichen Rechts die Funktion eines Tieraufsehers erfüllt. Das ist etwa bei Hundesittern der Fall.

Voraussetzung für die Haftung ist allerdings, dass der Schaden durch den Hund verursacht wurde. Der Hundehalter haftet demnach nur, wenn sich eine typische Tiergefahr verwirklicht hat. So etwa, wenn der Hund einen anderen Hund beißt.

Eine typische Verhaltensweise von Hunden ist auch, dass sie beim Zusammentreffen mit anderen Artgenossen unkontrolliert hin und her springen. Kommt es dadurch zu einem Sturz eines Hundebesitzers, muss der Hundehalter für die Folgen haften, entschied das Oberlandesgericht Koblenz (Aktenzeichen 12 U 249/18).

Nach einer Entscheidung des Landgerichts Osnabrück (Aktenzeichen 8 O 1022/19) scheidet eine Hundehalterhaftung hingegen aus, wenn der eigene angeleinte Hund auf einen anderen Hund trifft und vor Aufregung mehrfach um seinen Besitzer läuft, sich dabei die Leine um dessen Beine verwickelt und er dadurch stürzt. Allein die Anwesenheit des fremden Hundes führt laut Gericht nicht zu einer Tierhalterhaftung.

Wird bei einer Hunderangelei ein Hundebesitzer von einem fremden Hund gebissen, haftet dessen Hundehalter. Allerdings muss sich das Opfer die Tiergefahr seines eigenen Hundes anrechnen lassen, entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe (Aktenzeichen 7 U 24/19).

Sind mehrere Hunde in eine Rangelei verstrickt und kommt es untereinander zu Beißereien, haftet nach einer weiteren Entscheidung des Oberlandesgerichts Karlsruhe (Aktenzeichen 7 U 86/18) der Halter des freilaufenden Hundes. Dies gilt selbst dann, wenn nicht eindeutig nachzuvollziehen ist, welcher Hund zuerst gebissen hat.

Hundebiss - Für welche Schäden muss der Hundehalter aufkommen?


Zum einen muss der Hundehalter für alle Sachschäden aufkommen, die durch den Hundebiss verursacht wurden. Darunter fallen etwa die Kosten für die kaputte Hose des Bissopfers, Fahrtkosten zum Arzt oder Medikamente, die aufgrund des Hundebisses benötigt werden. Wurde ein anderes Tier gebissen, sind die Tierarztkosten zu erstatten.

Hat der Hund einen Menschen gebissen, muss der Hundehalter in der Regel Schmerzensgeld zahlen. Die Höhe des Schmerzensgeldes richtet sich nach der Schwere der Verletzung und den Folgen. Schmerzensgeld für ein gebissenes Tier gibt es nicht.
Neben dem Schmerzensgeld kann das Opfer auch sein entgangenes Entgelt geltend machen, etwa wenn seine Arbeitsunfähigkeit aufgrund des Hundebisses länger als 6 Wochen dauert.

Was gilt bei einem Mitverschulden des Bissopfers?


Muss sich das Opfer ein Mitverschulden am Hundebiss zurechnen lassen, werden seine Ansprüche entsprechend gekürzt. So etwa, wenn der Hundehalter das Opfer vorher gewarnt hat, den Hund nicht zu streicheln und das Opfer dies dennoch tut, entschied das Oberlandesgericht Oldenburg (Aktenzeichen 9 U 48/17).

Nach einer weiteren Entscheidung des Oberlandesgerichts Oldenburg (Aktenzeichen 5 U 114/19) muss sich eine Hundebesitzerin, die sich bei einer Hunderangelei zwischen ihren und den fremden Hund stellte und dabei gebissen wurde, aufgrund ihres leichtfertigen Verhaltens und der Tiergefahr des eigenen Hundes eine achtzig prozentige Mitschuld zurechnen lassen.

Hundebiss bei Behörden anzeigen?


Neben dem Geltend machen von zivilrechtlichen Ansprüchen haben Opfer eines Hundebisses auch die Möglichkeit eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung zu stellen oder dem Ordnungsamt den Beißvorfall anzuzeigen. Das Ordnungsamt prüft dann, ob vom Hund eine Gefahr ausgeht und erteilt ggfs. eine Maulkorb- oder Leinenpflicht.

So wurde eine Hundebesitzerin vom Amtsgericht München (Aktenzeichen 813 Ds 274 Js 193453/18) wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von sieben Monaten verurteilt, weil ihr unangeleinter Hund einen Jungen gebissen hatte.

Wichtig zu wissen: Eine Anzeige ist keine Voraussetzung zur zivilrechtlichen Geltendmachung von Schadensersatz oder Schmerzensgeld!

Was deckt eine Hundehaftpflichtversicherung ab?


Eine Hundehaftpflichtversicherung deckt Sach-, Personen- und Vermögensschäden ab, die einem Dritten durch den eigenen Hund entstanden sind. In einigen Bundesländern, wie zum Beispiel Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen, ist eine Hundehaftpflichtversicherung Pflicht.

Die Hundehaftpflichtversicherung tritt nicht für Schäden ein, die der Hund bei seinem Hundebesitzer verursacht hat. Sie übernimmt auch keine Straf- oder Bußgelder, die durch den Hund veranlasst wurden. Auch im Fall einer missachteten Leinenpflicht, tritt sie nicht für Schäden ein.



erstmals veröffentlicht am 10.04.2018, letzte Aktualisierung am 08.06.2020

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