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Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht , 10.04.2018 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Hundebiss: Wer haftet?

Hundebiss: Wer haftet? © hemlep - Fotolia

Beim Kontakt mit fremden Hunden sollte man Vorsicht walten lassen. Auch der noch so gutmütig wirkende Hund kann plötzlich zu schnappen. Für den Verletzten hat ein Hundesbiss oft gravierende gesundheitliche Folgen, für die in der Regel der Hundehalter aufkommen muss - es sei denn, er besitzt eine Tierhalterversicherung.

Hundehalter muss für typische Tiergefahr einstehen


Eine Frau wurde auf einer Geburtstagsfeier von einem dort freilaufenden Hund ins Gesicht gebissen, als sie ihm ein Leckerli geben und ihn streicheln wollte. Der Hundehalter hatte der Frau dies vorher ausdrücklich untersagt. Für die Folgen des Hundesbisses wollte dieser daher nicht aufkommen. Die Frau musste mehrfach operiert werden und verlangte Schadensersatz.

Zu Recht und in vollem Umfang, entschied das Oberlandesgericht Oldenburg (Aktenzeichen 9 U 48/17). Der Hundebiss sei die Verwirklichung einer typischen Gefahr die von einem Tier ausgeht. Dafür müsse der Tierhalter haften, wenn nicht eine Eigengefährdung des Verletzten vorliege. Dies sei hier nicht der Fall. Die Frau habe bei einem freilaufenden Hund auf einer Geburtstagsfeier davon aufgehen können, dass dieser nicht beißen werde, wenn sie sich zu ihm runterbeugt. Ein Mitverschulden der Frau am Hundebiss sei daher nicht gegeben, so die Oldenburger Richter.

Hundebetreuer geht bei Hundebiss leer aus


Wer gefälligkeitshalber den Hund eines Bekannten betreut und mit ihm Gassi geht, kann bei einem Hundebiss nicht die gesetzliche Unfallversicherung in Anspruch nehmen. Ein Hundebetreuer wird nicht als Beschäftigter im Sinne des Unfallversicherungsrecht tätig.
Im zugrundeliegenden Fall betreute eine Frau während eines mehrwöchigen Urlaubs ihres Bekannten dessen Hund. Sie fütterte ihn, spielte mit ihm und ging mit ihm spazieren. Bei einem Spiel biss der Hund der Frau unvermittelt ins Gesicht und in den Hals. Die Frau erlitt schwere Verletzungen. Sie beantragte eine Entschädigung bei der gesetzlichen Unfallversicherung, da sie ihrer Ansicht nach als Hundebetreuerin arbeitnehmerähnlich zu behandeln sei und damit ein Arbeitsunfall vorliege.

Das sah das Hessische Landessozialgericht (Aktenzeichen L 3 U 171/13) anders. Die Frau sei zu keinem Zeitpunkt als Beschäftigte für den Hundehalter tätig gewesen. Die Hundebetreuung sei keine Tätigkeit einer abhängig Beschäftigten. Zudem liege hier eine Gefälligkeitsleistung vor, die nicht vom Umfang der gesetzlichen Unfallversicherung gedeckt sei. Hier sei ein Fall einer selbstständigen Geschäftsbesorgung oder Dienstleistung gegeben.

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