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Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht , 17.05.2021 (Lesedauer ca. 5 Minuten, 1115 mal gelesen)

Schmerzensgeld – Ihre Ansprüche nach einem Verkehrsunfall

schmerzender gebrochener Arm in weißem Gipsverband schmerzender gebrochener Arm in weißem Gipsverband © freepik - mko

Wer infolge eines Verkehrsunfalls gesundheitliche Schäden davon trägt, kann in der Regel vom Unfallverursacher Schmerzensgeld verlangen. Doch wann genau hat man einen Anspruch auf Schmerzensgeld? Wie hoch ist das Schmerzensgeld nach einem Verkehrsunfall? Wie setzt man den Anspruch auf Schmerzensgeld durch? Wann verjähren Schmerzensgeldansprüche? Und wie entscheiden die Gerichte im Einzelfall zur Höhe der Schmerzensgeldzahlung?

Wann erhält man Schmerzensgeld nach einem Verkehrsunfall?


Hat ein Unfallbeteiligter ohne eigenes Verschulden aufgrund eines Verkehrsunfalls erhebliche Verletzungen oder Schmerzen erlitten und ist dem Unfallverursacher vorsätzliches oder fahrlässiges Handeln vorzuwerfen, steht dem Geschädigten in der Regel ein Anspruch auf Schmerzensgeld zu. Trägt der Geschädigte eine Mitschuld am Verkehrsunfall, wird das Schmerzensgeld entsprechend gekürzt.

Kein Schmerzensgeld gibt es für Unfallgeschädigte, wenn es sich bei seinen Verletzungen nur um sog. Bagatellschäden, wie Kopfschmerzen, oberflächliche Schürfwunden oder Reizungen der Schleimhäute, handelt. Besteht nur die Möglichkeit, dass ein Unfallbeteiligter eine psychisch bedingte HWS-Distorsion nach Verkehrsunfall erlitten hat, löst dies nach Ansicht des Oberlandesgerichts Brandenburg (Aktenzeichen 12 U 169/16) keinen Schmerzensgeldanspruch aus.

Angehörigen von Unfallopfern erhalten nur dann ein Schmerzensgeld, wenn der Schock über den Unfalltot bei ihnen zu starken Beeinträchtigungen führt.

Um Schmerzensgeld zu bekommen, muss der Unfallgeschädigte nachweisen, dass seine gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf den Verkehrsunfall zurückzuführen sind.

Wie viel Schmerzensgeld bekommt man nach einem Verkehrsunfall?


Die Höhe des Schmerzensgeldes wird konkret im Einzelfall bestimmt. Dabei beeinflussen folgende Faktoren die Höhe des Schmerzensgeldanspruchs maßgeblich:

  • Art der Verletzung
  • Dauer und Umfang der Behandlung
  • Anzahl der Operationen

  • Narben und Schmerzen
  • Dauerhafte gesundheitliche Beeinträchtigungen
  • Pflegebedarf

  • Psychische Folgen
  • Einschränkungen im Alltag
  • Berufliche Einschränkungen

  • Dauer der Arbeitsunfähigkeit
  • Folgeschäden
  • Mitverschulden des Unfallopfers
Zur Berechnung des Schmerzensgeldanspruchs werden von Versicherungen und Gerichten sog. Schmerzensgeldtabellen herangezogen, denn bei vergleichbaren Verletzungen wird in der Regel ein ähnliches Schmerzensgeld zu gesprochen. Diese Schmerzensgeldtabellen sind nicht rechtsverbindlich, sondern dienen lediglich zu Orientierung.

Höhe des Schmerzensgeldes – So entscheiden die Gerichte im Einzelfall


Ein betrunkener Autofahrer, der einen Unfall verursacht, muss seinem Beifahrer, der deshalb eine Querschnittslähmung erleidet, 400.000 Euro Schmerzensgeld zahlen, entschied das Landgericht Frankenthal (Aktenzeichen 4 O 494/15).

Erlebt eine Ehefrau das Sterben ihres Mannes bei einem Verkehrsunfall mit, führt dieser Schock zu einer irreversiblen posttraumatischen Belastungsstörung und Depression, die ein Schmerzensgeld von 100.000 Euro rechtfertigt, findet das Oberlandesgericht Frankfurt am Main (Aktenzeichen 6 U 216/16).

Das Oberlandesgericht Naumburg (Aktenzeichen 2 U 62/14) hält ein Schmerzensgeld in Höhe von 60.000 Euro für ein schweres Schädel-Hirn-Traums mit apallischem Syndrom und Wachkoma für angemessen.

Kommt es aufgrund eines Verkehrsunfalls zu einem langen stationären Krankenhausaufenthalt und jahrelanger ambulanter Behandlung mit dauerhafter Einschränkung in der Steh- und Gehfähigkeit, begründet dies einen Schmerzensgeldanspruch in Höhe von 45.000 Euro, entschied das Landgericht Amberg (Aktenzeichen 24 O 17/15).

Führt ein Verkehrsunfall zu dauerhaften Erektionsstörungen beim Unfallopfer, kann dies laut Oberlandesgericht Naumburg (Aktenzeichen 2 U 100/13) ein Schmerzensgeld von 25.000 Euro geltend machen.

Ein dauerhafter Tinnitus aufgrund eines Verkehrsunfalls rechtfertigt ein Schmerzensgeld in Höhe von 12.000 Euro, so das Oberlandesgericht Naumburg (Aktenzeichen 1 U 97/12).

Nach einer Entscheidung des Amtsgerichts München (Aktenzeichen 332 C 21014/12) ist bei einem verkehrsunfallbedingten HWS-Schleudertrauma mit ISG-Blockade und Beeinträchtigungen an der Lendenwirbelsäule, was zu einer wochenlangen Arbeitsunfähigkeit beim Verletzten führte, ein Schmerzensgeld von 2.000 Euro angemessen.

Für ein leichtes bis mittelschweres Schleudertrauma aufgrund eines Autounfalls gibt es für den Unfallgeschädigten ein Schmerzensgeld in Höhe von 500 Euro, entschied das Oberlandesgericht Koblenz (Aktenzeichen 6 S 274/14).

Leichte Prellungen, die ungefähr zwei Wochen andauern, begründen laut Oberlandesgericht München (Aktenzeichen 10 U 3138/15) einen Anspruch auf 250 Euro Schmerzensgeld.

Weitere Informationen zur Höhe des Schmerzensgelds bei typischen Gesundheitsschäden nach einem Verkehrsunfall finden Sie in unserer Checkliste „Verkehrsunfall - Schmerzensgeldtabelle“.


Wann verjähren Schmerzensgeldansprüche?


Für Schmerzensgeldansprüche gilt eine Verjährungsfrist von drei Jahren. Diese Frist beginnt sobald der Anspruch entstanden ist und der Betroffene Kenntnis davon erhält– also regelmäßig mit dem Verkehrsunfall. Treten gesundheitliche Beeinträchtigungen als Folge des Verkehrsunfalls erst später auf, kann der Anspruch auf Schmerzensgeld auch dann noch geltend gemacht werden.

Schmerzensgeld nach einem Verkehrsunfall – So gehen Sie vor


Um Ihren Anspruch auf Schmerzensgeld nach einem Verkehrsunfall erfolgreich gegenüber der gegnerischen Versicherung durchzusetzen, sollten Sie folgendermaßen vorgehen:

Sichern Sie alle notwendigen Beweise

Notieren Sie bereits am Unfallort die Kontaktdaten des Unfallgegners sowie seiner Versicherung und möglicher Zeugen. Auch Personenschäden können anhand von Fotos dokumentiert werden. Einen hilfreichen Überblick gibt Ihnen unsere „Unfall-Checkliste fürs Handschuhfach“.



Gehen Sie bei Beschwerden zum Arzt

Lassen Sie Beschwerden nach einem Verkehrsunfall umgehend von einem Arzt dokumentieren und behandeln. Er wird auch einen Unfallbericht ausfüllen.

Führen Sie ein Beschwerde-Tagebuch

Notieren Sie in einem sog. Beschwerde-Tagebuch wann, wie oft und in welcher Intensität Ihre Beschwerden auftreten. Dies hilft Ihnen vor Gericht die Schwere Ihrer Beeinträchtigungen nachzuweisen.

Nehmen Sie Kontakt zu einem Anwalt für Verkehrsrecht auf

Ein Anwalt für Verkehrsrecht berät kompetent und erfahren, wie Sie Ihren Anspruch auf Schmerzensgeld nach einem Verkehrsunfall effektiv und schnell durchsetzen können. Er ermittelt rechtssicher den Umfang und die Höhe Ihres Schmerzensgeldanspruchs. Zögern Sie nicht und nehmen Sie die Hilfe eines Schmerzensgeld-Experten in Anspruch!

Klagen Sie Ihren Anspruch auf Schmerzensgeld ein

Kann Ihr Anwalt für Verkehrsrecht keine außergerichtliche Einigung auf Zahlung von Schmerzensgeld mit dem Unfallverursacher erzielen, haben Sie die Möglichkeit Ihren Anspruch vor einem Zivilgericht einzuklagen. Ihr Anwalt wird eine entsprechende Klageschrift einreichen. Im Rahmen des Prozesses werden dann alle Beweise gesichtet und Zeugen vernommen. Das Gericht entscheidet am Ende über den Grund und die Höhe des Schmerzensgeldanspruchs.

TOP-Fehler beim Schmerzensgeld nach Verkehrsunfall


TOP-Fehler: Zu spät zum Arzt

Bei Beschwerden nach einem Verkehrsunfall sollten Sie umgehend einen Arzt aufsuchen. Der wird alle Schmerzen und Verletzungen dokumentieren, diagnostizieren und eine entsprechende Behandlung beginnen. Viele Verletzungen lassen sich schon nach ein paar Tagen nicht mehr mit Sicherheit auf den Verkehrsunfall zurückführen. Auch wenn grundsätzlich ein Schmerzensgeldanspruch besteht, lässt der sich dann nur schwer durchsetzen.

TOP-Fehler: Keine Beweissicherung am Unfallort

Wer Schmerzensgeld aufgrund eines Verkehrsunfalls geltend machen will, trägt die volle Beweispflicht. Das bedeutet, er muss nachweisen, dass der Verkehrsunfall ursächlich für seine Schmerzen und Verletzungen war. Neben dem Arztbesuch ist es daher wichtig bereits am Umfallort alle Beweise zu sichern. Einen hilfreichen Überblick gibt Ihnen unsere „Unfall-Checkliste fürs Handschuhfach“ ((link)).

TOP-Fehler: Schnelle Einigung mit der Versicherung

Wer sich mit der gegnerischen Versicherung vorschnell außergerichtlich auf eine Zahlung von Schmerzensgeld einigt, riskiert, dass spätere Folgeschäden nicht mehr eingefordert werden können. Diese sind dann mit dem bereits gezahlten Schmerzensgeld abgegolten.

TOP-Fehler: Keine Beratung vom Anwalt für Verkehrsrecht

Unfallopfer stehen den komplexen Voraussetzungen zur Geltendmachung eines Schmerzensgeldanspruchs oft hilflos gegenüber. Hier sollte unbedingt auf die kompetente Erfahrung eines Anwalts für Verkehrsrecht vertraut werden. Nur er kann aufgrund seiner Akteneinsicht die Erfolgsaussichten auf Schmerzensgeld einschätzen, erfolgreich durchsetzen und so dafür sorgen, dass Sie nicht leer ausgehen.

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Schmerzensgeld nach Verkehrsunfall - Fragen und Antworten

+ Schmerzensgeld - wer zahlt?

Wurde der Geschädigte bei einem Verkehrsunfall unverschuldet verletzt, übernimmt die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers die Schmerzensgeldzahlung. Bei Mitverschulden wird beim Schmerzensgeldanspruch ein Mithaftungsanteil abgezogen.


+ Schmerzensgeld - wer zahlt Anwalt?

Trägt der Unfallgegner allein die Schuld am Verkehrsunfall, zahlt dessen Versicherung die Anwaltskosten des Unfallopfers.


+ Schmerzensgeld - wie einfordern?

Schmerzensgeld kann nach einem Verkehrsunfall durch außergerichtliche Verhandlungen mit dem Unfallgegner, bzw. seiner Versicherung, eingefordert werden. Oder im Rahmen eines Zivilprozesses durch Klageeinreichung.


+ Schmerzensgeld - was steht mir zu?

Die Höhe des Schmerzensgeldes nach einem Verkehrsunfall hängt von verschieden Faktoren ab und wird immer individuell im Einzelfall berechnet. Eine hilfreiche Orientierung bietet Ihnen unsere Checkliste „Verkehrsunfall - Schmerzensgeldtabelle“ ((link))




erstmals veröffentlicht am 08.04.2019, letzte Aktualisierung am 17.05.2021

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