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Kategorie: Anwalt Verkehrsrecht , 13.07.2021 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 198 mal gelesen)

Fußgängerunfall auf Radweg – Wer haftet?

Fußgängerunfall auf Radweg – Wer haftet? © mko - topopt

Ein Zusammenstoß zwischen Fußgänger und Radfahrer, Elektroroller- oder Segway-Fahrer auf dem Fahrradweg kann für die Beteiligten nicht unerhebliche gesundheitliche oder wirtschaftliche Konsequenzen haben. Wer muss für die Unfallfolgen haften? Und wie entscheiden die Gerichte im Einzelfall?

Wann müssen Fahrradfahrer einen Radweg nutzen?


Ein Radweg muss von einem Fahrradfahrer nur dann benutzt werden, wenn ein entsprechendes Verkehrsschild dies anordnet. Ansonsten kann der Radfahrer frei wählen, ob er auf dem Radweg oder der Fahrbahn fährt. Die Anordnung einer Radwegbenutzungspflicht durch ein Verkehrsschild darf nur bei einer konkreten Gefahrenlage erfolgen, entschied das Bundesverwaltungsgericht (Aktenzeichen BVerwG 3 C 42.09).

Ist ein Fahrradweg neben einer Landstraße vorhanden, muss dieser auch von den Fahrradfahrern benutzt werden. Für den Fahrradfahrer besteht ansonsten auf der Landstraße aufgrund der großen Geschwindigkeitsdifferenz eine stark erhöhte Gefahrenlage. Dies entschied das Verwaltungsgericht Köln (Aktenzeichen 18 K 189/14).

Ist der Radweg etwa wegen einer Baustelle nicht nutzbar, darf der Fahrradfahrer auf die Fahrbahn ausweichen. Er darf aber nicht den gegenüberliegenden Radweg nutzen, entschied das Oberlandesgericht Naumburg (Aktenzeichen 1 U 74/11).

Wer haftet beim Zusammenstoß zwischen Fußgänger und Radfahrer?


Bei einem Zusammenstoß von Fußgänger und Radfahrer auf dem Radweg, haftet derjenige, der den Unfall verschuldet hat.

So haftet ein Fahrradfahrer für einen Unfall mit einem Passanten, weil er verbotswidrig den Radweg in der Gegenrichtung benutzte. Nach Ansicht des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main (Aktenzeichen 4 U 233/16) muss ein Fußgänger nicht mit einem verbotswidrig fahrenden Fahrradfahrer rechnen. Für den erlittenen Gelenkbruch bei der Passantin muss der Fahrradfahrer 5.000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Ein Fahrradfahrer, der auf einem Radweg an einer Bushaltestelle mit einem Passanten zusammenstieß, der gerade aus einem Bus stieg, haftet zu 80 Prozent für diesen Unfall, entschied das Kammergericht Berlin (Aktenzeichen 29 U 18/14). Der Radfahrer sei nicht so an dem Fußgänger vorbei gefahren, dass er ihn nicht behindert oder gefährdet hat.

Fußgänger und Radfahrer können auch gleichermaßen für den Unfall verantwortlich sein. So in einem Fall vor dem Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 26 U 53/17): Eine Fußgängerin überquerte an einer Fußgängerampel eine Straße, hinter der deutlich erkennbar ein Radweg verlief. Als sie diesen überqueren wollte, stieß sie mit einem deutlich zu schnell fahrenden Radfahrer zusammen. Die Frau stürzte und zog sich mehrere Knochenbrüche zu. Sie verlangte vom Radfahrer Schadensersatz und Schmerzensgeld. Das Oberlandesgericht Hamm sprach den beiden Unfallbeteiligten jeweils eine fünfzigprozentige Mitschuld am Unfall zu. Die Fußgängerin sei zur Hälfte für den Unfall verantwortlich gewesen, da sie nicht auf den Radverkehr und dessen Vorfahrtsberechtigung geachtet hat. Die Fußgängerampel gelte insoweit nicht für den hinter ihr verlaufenden Fahrradweg. Allerdings sei der Radfahrer viel zu schnell gefahren, weshalb er eine hälftige Mitschuld trage.

Fahrradfahrer müssen auf einem Sonderweg, den Radfahrer und Fußgänger gemeinsam nutzen können, im besonderen Maße auf Fußgänger Rücksicht nehmen, stellt das Oberlandesgericht Celle (Aktenzeichen 14 U 141/19) klar. Ist eine Verkehrssituation unklar, muss ein Radfahrer etwa Blickkontakt mit dem Fußgänger aufnehmen und so fahren, dass er jederzeit stehen bleiben kann. Dies gilt laut Gericht in besonderem Maß auf Gehwegen, die für Radfahrer frei gegeben sind. Hier besteht für die Belange der Fußgänger ein besonders hohes Maß der Aufmerksamkeit durch den Radfahrer.

Aber auch Fußgänger müssen beim Überqueren eines Radwegs Vorsicht walten lassen. Nach einem anderen Urteil des Oberlandesgericht Celle (Aktenzeichen 14 U 102/18) trifft sie die selben Sorgfaltspflichten, wie beim Überqueren einer Fahrbahn.

Kollision zwischen Fußgänger und Segway-Fahrer – wer ist schuld?


Kommt es zu einer Kollision zwischen einem Fußgänger und einem Segway-Fahrer, haftet immer das Elektrokleinstfahrzeug, entschied das Oberlandesgericht Koblenz (Aktenzeichen 12 U 692/18). Fahrer von Elektrokleinstfahrzeugen, wie Segways oder Elektro-Roller müssen auf Fußgänger Rücksicht nehmen und ihre Geschwindigkeit so anpassen, dass sie diese weder behindern noch gefährden.


erstmals veröffentlicht am 13.03.2018, letzte Aktualisierung am 13.07.2021

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