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Erbrecht , 12.02.2018

Urnen-Bestattung: Was ist erlaubt - Was ist verboten?

Urnen-Bestattung: Was ist erlaubt - Was ist verboten? © kytalpa - Fotolia

In Deutschland ist das Bestattungsrecht Sache der Bundesländer. Was mit der Asche eines Verstorbenen geschehen darf und was nicht, ist daher bundesweit unterschiedlich geregelt.

Grundsätzlich gilt Friedhofszwang – Ausnahme nur in Bremen!


Bis lang galt in allen deutschen Bundesländern der Friedhofszwang für einen verstorbenen Leichnam. Ausnahmen wurden nur bei See- oder sogenannten Friedwaltbestattungen gemacht. Seit Anfang des Jahres hat das Bundesland Bremen sein Bestattungsrecht geändert und erlaubt auch die Beisetzung einer Urne oder das Verstreuen der Asche auf einem privaten Grundstück.

Notwendig dafür ist die Zustimmung der Gemeinde. Diese Zustimmung ist an Voraussetzungen geknüpft: Der Verstorbene muss den letzten Wohnsitz in Bremen gehabt haben. Außerdem muss er in irgendeiner Form selbst verfügt haben, dass er so bestattet werden möchte. Eine notarielle Beglaubigung dieser Verfügung ist aber nicht notwendig. Ferner muss er auch eine Person bestimmt haben, die für die Totenfürsorge zuständig sein soll. Weiterhin muss sich der Ort, an dem die Urne beigesetzt werden soll, in privatem Eigentum oder im Eigentum der Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven befinden. Bei der Ausbringung auf privatem Eigentum ist es notwendig, dass der Eigentümer mit der Beisetzung einverstanden ist. Der Eigentümer darf kein Geld für die Beisetzung verlangen und muss Störungen der Nachbarn durch die Urnenbestattung vermeiden. Die mit der Totenfürsorge beauftragte Person muss spätestens zwei Wochen nach der unverzüglichen Bestattung der Urne vor einer Behörde eidesstattlich versichern, dass eine Urnenbestattung im Sinne des Verstorbenen stattgefunden hat.

Darf man eine Urne zu Hause aufbewahren?


Nein, dies ist nach keinem Bestattungsrecht eines deutschen Bundeslandes erlaubt. Weder die Urne mit der Asche des Verstorbenen noch der Leichnam selbst dürfen an die Familienangehörigen rausgegeben werden.

Ist eine Urnenbestattung auf einem ortsfremden Friedhof zulässig?


Eine Tochter wollte die Urne ihrer Mutter auf demselben Friedhof, auf dem auch ihr Vater in einem Urnengrab beigesetzt worden war, beisetzen lassen. Dies wurde ihr von der zuständigen Friedhofsverwaltung verwehrt, mit der Begründung, dass die Mutter keine Einwohnerin der Gemeinde gewesen sei. Dies sah das Verwaltungsgericht Koblenz (Aktenzeichen 1 L 302/15.KO) anders: Die Tochter dürfe die Urne der Mutter auf dem ortsfremden Friedhof beisetzen lassen. Zwar habe die Friedhofsverwaltung ein Ermessen, ob sie die Beisetzung ortsfremder Verstorbenen zulasse, in diesem müsse sie aber für die Beisetzung der Urne entscheiden. Schließlich sei der verstorbene Vater auch ortsfremd gewesen und man habe die Beisetzung erlaubt. Die Ehe müsse zudem auch über den Tod hinaus geschützt werden.

Umzug einer Urne nur in Ausnahmefällen erlaubt


Eine Urne darf grundsätzlich nach ihrer Bestattung nicht in eine andere Grabstelle umgebettet werden. Dies ist nur in Ausnahmefällen mit wichtigem Grund zulässig. Der Umzug eines Angehörigen stellt nach einem aktuellen Urteil des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen (Aktenzeichen 14 K 4013/16) keinen wichtigen Grund für die Umbettung einer Urne dar. Ein wichtiger Grund wäre etwa laut Gericht, wenn der bereits bestattete Mensch nachweislicher lieber an einem anderen Ort seine letzte Ruhe finden wollte.

Ruhefrist für Urnenbestattung von zwei Jahren ist zulässig


Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (Aktenzeichen 4 N 17.1197) hat entschieden, dass eine Ruhrfrsit von zwei Jahren für eine Urnenbestattung rechtmäßig ist. Eine Umbettung einer Urne nach zwei Jahren verstoße nicht gegen den postmortalen Achtungsanspruch, da die Personen des Verstorbenen dadurch nicht herabgewürdigt werde. Bei einer Erdbestattung sei eine Ruhefrist von 12 Jahren angebracht, damit der Verwesungsprozess sicher abgeschlossen sei.


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