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Kategorie: Anwalt Mietrecht , 23.03.2022 (Lesedauer ca. 4 Minuten, 1431 mal gelesen)

Balkon und Terrasse- Was ist Mietern erlaubt?

Frauen feiern auf dem Balkon mit einem Bier Frauen feiern auf dem Balkon mit einem Bier © freepik - mko

Parabolantennen, Wäscheständer oder Blumenkästen aufstellen oder sich einfach sonnen, grillen und eine Zigarette rauchen: Balkon und Terrasse werden von Mietern vielfältig genutzt. Doch Vorsicht, nicht jede Nutzung ist erlaubt! Was dürfen Mieter auf Balkon und Terrasse? Und welche Störungen müssen Nachbarn nicht hinnehmen?

Wie dürfen Balkon und Terrasse genutzt werden?


Balkone und Terrassen sind Bestandteil des Mietvertrags und können vom Mieter so genutzt werden, wie die Mietwohnung selbst. Es dürfen Gartenmöbel und Sonnenschirme aufgestellt werden und selbstverständlich dürfen Mieter auf Terrasse und Balkon essen, trinken und sonnenbaden – alles in dem Maße, dass Nachbarn nicht gestört werden.

Ist Grillen auf dem Balkon erlaubt?


Es gibt keine gesetzliche Regelung, die Grillen auf dem Balkon verbietet. Doch es steht dem Vermieter frei im Mietvertrag festzulegen, dass auf Balkon oder Terrasse nicht gegrillt werden darf – egal, ob mit Kohlegrill oder Elektrogrill (Landgericht Essen, Aktenzeichen 10 S 438/01). Brutzelt der Mieter trotzdem im Freien, droht ihm schlimmstenfalls die Kündigung seines Mietverhältnisses.

Doch auch wenn Grillen laut Mietvertrag auf dem Balkon erlaubt ist, gilt das Gebot der Rücksichtnahme auf die Nachbarn. Um die Nachbarn nicht unnötig mit Rauch und Qualm zu belästigen, erlaubt das Landgericht Düsseldorf auf dem Balkon nur das Grillen mit einem Elektrogrill. Nach Ansicht des Landgerichts München I (Aktenzeichen 15 S 22735/03) ist aber auch der Einsatz eines Kohle-Grills auf dem Balkon erlaubt, wenn der Mieter ihn so aufstellt, dass Nachbarn möglichst wenig belästigt werden.

Beim Grillen auf dem Balkon gilt, wie bei allen anderen geräuschvollen Aktivitäten: absolute Nachtruhe zwischen 22 Uhr und 7 Uhr.

Dürfen Mieter auf dem Balkon rauchen?


Rauchen auf dem Balkon ist Mietern zwar grundsätzlich erlaubt, fühlt sich aber ein Nachbar durch den aufsteigenden Qualm eines starken Rauchers gestört, muss er rauchfreie Zeiten hinnehmen. Umgekehrt muss der Nachbar es dulden, dass zu bestimmten festgelegten Zeiten auf dem Balkon geraucht wird, entschied der Bundesgerichtshof (Aktenzeichen V ZR 110/14).

„Sexuellen Handlungen“ auf dem Balkon gehen zu weit!


Mieter, die ihren sexuellen Bedürfnissen auf dem Balkon freien Lauf lassen, riskieren eine Abmahnung vom Vermieter. So geschehen in einem Fall vor dem Amtsgericht Bonn (Aktenzeichen 8 C 209/05): Eine Mieterin hatte auf einem gut einsehbaren Balkon Sex mit ihrem Freund. Die Nachbarn wurden unfreiwillig Zeugen des Geschehens und beschwerten sich beim Vermieter. Dieser erteilte der Mieterin eine Abmahnung und bekam vor dem Amtsgericht Bonn Recht: Wer auf dem Balkon eines Mehrfamilienhauses, der zudem von einem Kinderspielplatz aus eingesehen werden konnte, sexuelle Handlungen vornimmt, stört den Hausfrieden.

Ist Nacktsonnen auf dem Balkon erlaubt?


Nach Auffassung des Amtsgerichts Merzig (Aktenzeichen 23 C 1282/04) stört hingegen alleine das Nacktsonnen auf einem Balkon im Mehrfamilienhaus noch nicht den Hausfrieden.

Haben Mieter ein Recht auf Sichtschutz?


Mieter, die ein wenig mehr Privatsphäre beim Sonnenbaden haben wollen, könnten sich mit einem Sichtschutz gegen neugierige Blicke der Nachbarn schützen. Das Anbringen eines Sichtschutzes ist dem Mieter aber nicht ohne weiteres erlaubt: Bei Markisen oder Balkonverglasungen handelt es sich laut Bayerischem Obersten Landesgerichts (Aktenzeichen 2 Z BR 123/97 und 2 Z BR 34/95) um bauliche Veränderungen. Solche sind ohne Genehmigung des Hauseigentümers nicht zulässig.

Auch das Anbringen von Vorhängen und Verkleidungen, die den Balkon nach außen völlig abschließen, ist dem Mieter nicht gestattet, entschied das Amtsgericht Münster (Aktenzeichen 48 C 2357/01). Bei einem Balkon handle es sich um einen offenen Gebäudevorbau, den der Mieter nicht eigenmächtig in einen geschlossenen Raum verwandeln dürfe.

In Köln ist man ein wenig toleranter und erlaubt dem Mieter das Anbringen eines Bast-Sichtschutzes an der Balkonbrüstung, so das Amtsgericht Köln (Aktenzeichen 212 C 124/98). Bedingung: Der Sichtschutz darf nicht höher sein als das Geländer und die Außenfassade des Hauses darf durch die Verkleidung nicht verunstaltet werden.

Dürfen Mieter eine Sonnenschutzmarkise anbringen?


Mieter haben ein Recht auf einen schattigen Platz auf ihrem Balkon und dürfen sich daher mit einer Sonnenschutzmarkise vor Sonnenlicht schützen, entschied das Amtsgericht München (Aktenzeichen 411 C 4836/13). Sonnenschutz gehört zum sozial üblichen Gebrauch einer Mietwohnung. Wenn ein Sonnenschirm keinen ausreichenden Sonnenschutz bietet, muss es dem Mieter erlaubt sein, eine Markise anzubringen.

Ist ein Pavillon-Zelt auf einer Terrasse erlaubt?


Das Landgericht Hamburg (Aktenzeichen 311 S 40/07) hat klargestellt, dass ein Vermieter ein Pavillon-Zelt auf einer Terrasse eines vermieteten Reihenhauses nicht verbieten darf.

Anders das Amtsgericht Spandau (Aktenzeichen 6 C 281/12) das den Mieter zur Beseitigung eines auf der Terrasse aufgestellten Pavillons verurteilte.

Benötigen Mieter für ein Katzennetz am Balkon die Zustimmung des Vermieters?


Will ein Mieter ein Katzennetz an seinem Balkon anbringen, benötigt er die Zustimmung des Vermieters. Lehnt der ab, weil seiner Ansicht nach damit die Hausansicht negativ beeinträchtigt wird, muss der Mieter dies hinnehmen. Dies entschied das Amtsgericht Augsburg, nach dem es Fotos von der Baukonstrukt des Mieters gesehen hatte.

Was gibt es bei Blumenkästen und Rankengitter zu beachten?


Blumenkästen dürfen nach einer Entscheidung des Landgerichts Berlin (Aktenzeichen 655 S 40/12) nur an der Innenseite des Balkons angebracht werden. Ansonsten sei die Gefahr zu groß, dass Passanten beim Anbringen und Abmachen zu Schaden kämen.

Das Landgericht Hamburg (Aktenzeichen 316 S 79/04) sieht das anders und erlaubte auch das Anbringen von Blumenkästen an der Außenseite des Balkons. Voraussetzung ist, dass die Blumenkästen so befestigt sind, dass sie nicht herunterfallen können.

Rankengitter für Pflanzen darf der Mieter auf dem Balkon anbringen, entschied das Amtsgericht Schöneberg (Aktenzeichen 6 C 360/85).

Der Mieter muss aber darauf achten, dass durch die Pflanzen in den Blumenkästen auf dem Balkon die anderen Mitbewohner nicht durch herabfallende Blütenblätter und ähnliches gestört werden, so das Landgericht Berlin (Aktenzeichen 67 S 127/02).

Dürfen Parabolantennen und Satellitenschüsseln auf dem Balkon angebracht werden?


Nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (Aktenzeichen 1 BvR 1314/118) kann ein Vermieter nur nach konkreter Interessenabwägung im Einzelfall „Satellitenschüsseln“ verbieten.

Nach einem Urteil des Amtsgericht Berlin-Mitte (Aktenzeichen 20 C 272/11) muss ein ausländischer Mieter, der bestimmte ausländische Sender ohne Parabolantenne nicht empfangen kann, sein Informationsbedürfnis konkret darlegen.

Das Landgericht Wuppertal (Aktenzeichen 9 S 28/11) lehnte den Anspruch eines Mieters auf eine Parabolantenne ab. Der Mieter könne sein Informationsbedürfnis mit Hilfe des Internets befriedigen.

Ist Wäsche trocknen auf dem Balkon erlaubt?


Ein Wäscheständer mit kleiner Wäsche ist auf dem Balkon erlaubt. Er muss aber so aufgestellt werden, dass er Nachbarn nicht gefährdet oder optisch stört. So das Landgericht Nürnberg-Fürth (Aktenzeichen 7 S 6265/89).

Sind Mietern Partys auf dem Balkon oder der Terrasse gestattet?


Partys dürfen draußen gefeiert werden, so lange sie die übrigen Mitbewohner nicht über ein erträgliches Maß hinaus stören. Die gesetzlichen Ruhezeiten sind natürlich einzuhalten.


erstmals veröffentlicht am 29.07.2013, letzte Aktualisierung am 23.03.2022

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