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Kategorie: Anwalt Immobilienrecht , 25.11.2022 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 322 mal gelesen)

Weihnachtsdeko – Was müssen Nachbarn ertragen?

Weihnachtsdeko – Was müssen Nachbarn ertragen? © mko - topopt

Ob Plastik-Weihnachtsmänner, die an der Hauswand hochklettern, oder illuminierte lebensgroße Rentiere im Vorgarten - für viele Menschen gehört die Weihnachtsdeko zur besinnlichen Adventszeit dazu. Doch wieviel Weihnachtsdeko oder -beleuchtung müssen Nachbarn und Mitbewohner ertragen? Und wie können sie sich gegen die blinkende Zwangsbeleuchtung und Weihnachtsduftspray im Treppenhaus wehren?

Wo und wieviel Weihnachtsbeleuchtung ist erlaubt?


In einem Mehrfamilienhaus darf im Treppenhaus Weihnachtsbeleuchtung angebracht werden, solange sie die übrigen Mitbewohner nicht stören, entschied das Landgericht (LG) Berlin (Az. 65 S 390/09).

In diesem Sinne ist auch das Anbringen von Lichterketten und Leuchtsternen am Fenster und am Balkon erlaubt, wenn sie Nachbarn nicht stören und sicher festgemacht sind, entschied das Amtsgericht Eschweiler (Az. 26 C 43/14). Leuchtet eine Lichterkette rund um die Uhr hell in die gegenüberliegende Wohnung eines Nachbarn, muss der diese Störung nicht hinnehmen. In der Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr sollte auch die Weihnachtsbeleuchtung ausgeschaltet sein. In manchen Kommunen ist sogar per Satzung geregelt, wann und wie hell die Weihnachtsdeko leuchten darf.

Da das Aufhängen von Weihnachtsbeleuchtung am Fenster oder Balkon eine weit verbreitete Sitte ist, kann der Vermieter aus dem Grund einem Mieter nicht kündigen, entschied das LG Berlin (Az. 65 S 390/09). Der Vermieter muss die Weihnachtsbeleuchtung am Haus dulden, solange sie den Gesamteindruck des Hauses nicht zerstört.

Wohnungseigentümer aufgepasst: Laut einer Entscheidung des LG Köln (Az. 29 T 205/06) stellt das Anbringen von Lichterketten am Balkon eine bauliche Veränderung dar, die einer Genehmigung der Wohnungseigentümergemeinschaft bedarf.

Worauf muss man bei Weihnachstdeko am Haus und im Garten achten?


Weihnachtsdekoration am Haus oder im Garten muss sicher angebracht sein und darf auch bei stärkerem Wind niemanden gefährden. Fällt ein Leuchtstern vom Dach und verletzt einen Passanten oder beschädigt ein parkendes Fahrzeug, haftet der Dekorateur für diesen Unfall.

Wohnungseigentümer und Mieter müssen zudem darauf achten, dass durch die Weihnachtsdekoration nicht fremdes Eigentum beschädigt wird. Bevor also ein Rentierschlitten auf dem Dach verankert wird, sollte die Erlaubnis des Vermieters, bzw. der Wohnungseigentümergemeinschaft, eingeholt werden.

Wie können sich Nachbarn gegen extreme Weihnachtsdeko wehren?


Grundsätzlich kann jeder sein Haus und seinen Garten so weihnachtlich dekorieren wie er will. Aber der Weihnachtsdeko-Wahn findet seine Grenzen dort, wo Nachbarn über Gebühr gestört werden. In diesem Fall droht dem Weihnachtsdeko-Fan teure Abmahnungen und Unterlassungsklagen.

Wieviel Weihnachtsdekoration ist im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses erlaubt?


Türkränze, Lichterketten, Nikoläuse und Tannengrün: In der Adventszeit schmücken manche Mieter nicht nur ihre Wohnung, sondern beziehen das Treppenhaus mit in ihre Weihnachtdekoration ein. Dies müssen Mitbewohner und Vermieter nur begrenzt dulden. Schmückt ein Mieter das komplette Treppenhaus und den Garten, ohne das mit seinen Mitbewohnern abzusprechen, können diese und auch der Vermieter die Entfernung der Weihnachtsdekoration verlangen, entschied das Amtsgericht Münster (Az. 38 C 1858/08). Geschmückte Adventskränze an der Wohnungstür sind aber erlaubt, so das LG Düsseldorf (Az. 25 T 500/98). Erlaubt ist auch das Aufstellen einer Madonnenfigur im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses, so das Amtsgericht Münster (Az. 3 C 2122/03).
Weihnachtsduftsprays im Treppenhaus sind hingegen für die Hausgemeinschaft nicht zumutbar – egal ob Tannen- oder Zimtduft, so das Oberlandesgericht Düsseldorf (Az. 3 WX 98/03).

Aufpassen sollten Mieter und Wohnungseigentümer, dass die Weihnachtsdeko im Treppenhaus sicher angebracht ist und keine Stolperfallen entstehen, ansonsten haftet der Dekorateur für die Unfallfolgen, so das Amtsgericht Münster (Az. 38 C 1858/08). Auch für Schäden an Türen, Fenster oder Wände aufgrund der Weihnachtsdekoration muss der Dekorateur zahlen.

Wichtig: Die Weihnachtsdekoration darf nicht vor Fluchtwegen oder Notausgängen im Mehrfamilienhaus stehen. Kann ein Bewohner im Notfall aufgrund einer Weihnachtsdekoration den Fluchtweg nicht nutzen, haftet derjenige, der die Weihnachtsdeko angebracht hat, so das Oberverwaltungsgericht Münster (Az.10 B 304/09).

erstmals veröffentlicht am 03.12.2021, letzte Aktualisierung am 25.11.2022

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