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Kategorie: Anwalt Mietrecht , 25.06.2021 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 1415 mal gelesen)

Fußball - Was müssen Fans beim Zuschauen und Feiern beachten?

Fußball - Was müssen Fans beim Zuschauen und Feiern beachten? © freepik - mko

Ob Weltmeisterschaft, Europameisterschaft oder Bundesliga: Fußball begeistert die Massen. Doch worauf müssen Fans beim Zuschauen achten? Wie laut darf der Torjubel sein? Wann ist Vorsicht beim Bierchen zum Spiel angebracht? Müssen Nachbarn Fußball-Deko ertragen? Und ist Fußball schauen oder hören am Arbeitsplatz erlaubt?

Wie viel Lärm ist rund um ein Fußball-Spiel erlaubt?


Torjubel und Anfeuerungsrufe gehören zu einem Fußballspiel dazu. Nicht tolerieren müssen Hauseigentümer und Mieter allerdings Fußballpartys mit lautem Gegröle nach 22 Uhr. In Wohngebieten darf ab 22 Uhr keine Lärmbelästigung von Feiern im Freien- und dazu gehört auch der Balkon- ausgehen, entschied das Oberlandesgericht Düsseldorf (Aktenzeichen 5 Ss Owi 475/89I). Als Maßstab für die Belästigung gilt, dass der Betroffene auch bei geschlossenem Fenster nicht schlafen kann. Wer also auf den Sieg seiner Fußballmannschaft anstoßen will, muss die Party nach drinnen verlagern.

Anwohner von Fußballstadien müssen den Krach rund um den Fußball in Kauf nehmen. Bei Torjubel dürfen auch die ansonsten geltenden Lärmschutzgrenzwerte punktuell überschritten werden, so das Landgericht Aachen (Aktenzeichen 9 O 533/05). Dies gilt auch, wenn ein Verein beim Einzug in eine Wohnung oder ein Haus noch in einer unteren Klasse spielt – und zunächst nur wenig Lärm durch geringe Zuschauerzahlen zu befürchten ist – der Verein jedoch in den Folgejahren aufsteigt. Anwohner eines Fußballstadions müssen damit rechnen, dass der Verein erfolgreich spielt und gegebenenfalls aufsteigt. Ist er Eigentümer des Hauses oder der Wohnung, hat er keinen Anspruch auf Schadensersatz.

Auch das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz (Aktenzeichen 8 B 10784/07.OVG) erlaubt eine Nutzung eines Multifunktionsplatzes, auf dem Fußball gespielt wird, bis 20 Uhr abends. Die Nachbarn müssen die damit verbunden Lärmbelästigungen hinnehmen.

Alkohol und Fußball schauen – Was müssen Fans beachten?


Für viele Fußballfans gehört das Bierchen zum Fußballschauen dazu. Dagegen ist nichts einzuwenden, kommt es allerdings aufgrund eines erhöhten Alkoholkonsums zu einem Unfall, muss die private Unfallversicherung in diesem Fall nicht einspringen. Das entschied das Amtsgericht Koblenz (Aktenzeichen 15 C 3047/08) im Fall eines betrunkenen Fußballfans, der sich ein Fußballspiel auf seinem Balkon anschaute und beim Torjubel vom Balkon in die Tiefe stürzte und sich dabei verletzte.

Alkohol am Autosteuer ist natürlich auch nach einem Fußball-Event nicht erlaubt. Bereits geringe Mengen Alkohol können Konzentration und Wahrnehmung des Autofahrers beeinflussen. Bei größeren Mengen droht ein empfindliches Bußgeld, Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei und der Entzug des Führerscheins.

Fußballübertragungen am Arbeitsplatz – was ist erlaubt?


Nur wenn der Chef es erlaubt, dürfen Arbeitnehmer ein Fußballspiel während der Arbeitszeit am Fernseher live verfolgen. Ansonsten ist das Erbringen der vollen Arbeitsleistung beim gleichzeitigen Fußballschauen nicht gewährleistet und kann zu einer Abmahnung führen.

Für die Radioübertragung von Fußballspielen gilt: Werden die Kollegen nicht gestört und kann der Arbeitnehmer trotz Radio seine Arbeitsleistung vollumfänglich erbringen, darf er Fußballspiele im Radio live am Arbeitsplatz verfolgen.

Vorsicht beim Fußball schauen per Internet-Stream: Ist in einem Unternehmen privates Surfen im Internet für Arbeitnehmer verboten, so gilt das auch für Sportübertragungen. Wer trotzdem Sport live am Arbeitsplatz per Internet-Stream verfolgt, riskiert eine fristlose Kündigung. Das Bundesarbeitsgericht (Aktenzeichen 2 AZR 581/04) hat entschieden, dass eine fristlose Kündigung des Arbeitsverhältnisses gerechtfertigt ist, wenn sich ein Arbeitnehmer während seiner Arbeitszeit ausschweifend für private Zwecke im Internet tummelt. Also Arbeitnehmer aufgepasst, besser vorher mit dem Chef absprechen, ob bestimmte Sport-Events am Firmen-Computer verfolgt werden dürfen.

In diesem Sinne entschied auch das Arbeitsgericht Köln (Aktenzeichen 20 Ca 7940/16) und hielt eine Abmahnung eines Arbeitnehmers für gerechtfertigt, der nachweislich 30 Sekunden lang ein Fußballspiel auf einem Dienst-PC schaute. In dieser Zeit habe der Mann seine Arbeitsleistung nicht erbracht, was ein abmahnungsfähiges Verhalten für die Kölner Richter darstellte.

Fußball-Deko – was müssen Nachbarn ertragen?


Ob Fahnen oder Fußballzwerge - Fußballbegeisterung kann auch zu ästhetischen Belästigungen führen. So etwa, wenn ein Nachbar sein Grundstück mit Fußball-Gartenzwergen schmückt. Das Amtsgericht Grünstadt (Aktenzeichen 2a C 334/93) hat entschieden, dass jeder unabhängig von ästhetischen Bedenken grundsätzlich so viele Gartenzwerge in seinem Garten aufstellen darf, wie er möchte. Ausnahmen bilden jedoch anstößige oder obszöne Gartenzwerge. So auch das Amtsgericht Essen (Aktenzeichen 19 II 35/99 WEG), dass einen einzigen 50 cm großen Fußballzwerg in exhibitionistischer Pose verbot.

Will sich ein Wohnungseigentümer eine Fahnenstange in seinem Garten errichten, benötigt er dafür die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft, schließlich wird damit das Gesamtbild der Wohnanlage verändert.

erstmals veröffentlicht am 03.06.2016, letzte Aktualisierung am 25.06.2021

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