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Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht , 21.07.2020 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 671 mal gelesen)

Sportrecht: Wer haftet für die Folgen beim Fußball-Foul?

ein Paar Fußballschuhe und ein Fußball ein Paar Fußballschuhe und ein Fußball © mko - topopt

Ein Fußballspiel lebt vom engagierten Zwei-Kampf. Dabei kommt es auch mal zu unfairen Fouls mit gesundheitlichen Folgen für die Spieler. Der Fußballplatz ist kein rechtsfreier Raum: Wer haftet also für Rippenbrüche, Nasenfrakturen oder Prellungen? Wann ist die Grenze zur Unfairness überschritten? Und wann ist ein grobes Foul eine Straftat?

Üblicher Zweikampf – Spieler hat keinen Anspruch auf Schadensersatz


Kommt es im Rahmen eines üblichen Zweikampfs zu Verletzungen bei einem Fußballspieler, führt das nicht unbedingt zu Schadensersatz- oder Schmerzensgeldansprüchen. Dies entschied das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 9 U 138/16) im Fall einer Frauenfußballerin, der als Mittelfeldspielerin von ihrer Gegnerin durch einen Tritt am rechten Unterschenkel eine Fraktur zu gefügt wurde, die zu einer dauerhaften Gehbehinderung führte. Der verletzten Spielerin steht laut Gericht kein Schadensersatz zu, da eine Beweisaufnahme von Zeugenaussagen des Schiedsrichters, Mitspielerinnen und Zuschauern ergab, dass kein absichtliches Foul-Spiel vorlag. Eine Haftung trifft Fußballspieler nur bei einem vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Regelverstoß. Für leichte Fahrlässigkeit haften Fußballspieler nicht, da es sich um eine Sportart mit beachtlichem Gefährdungspotential handelt.

Auch das Oberlandesgericht Koblenz stellt klar: Ein schlichter Regelverstoß führt noch nicht zur Haftung eines Fußballspielers für Verletzungen, die er seinem Gegner zufügt. Dafür muss die Grenze zur Unfairness deutlich überschritten sein, urteilte das Gericht und wies die Klage eines verletzten Fußballers auf Schmerzensgeld und Schadensersatz ab, dem im Rahmen eines Altherren-Freundschaftsspiels beim Kampf um den Ball seine Nase, sein Jochbein und Augenhöhle gebrochen wurde. Das Gericht erkannte zwar den Verstoß gegen die DFB-Regel an, hielt das Verhalten des Gegners aber im Grenzbereich zwischen der in einem solchen Kampfspiel eigenen gebotenen Härte und der unzulässigen Unfairness.

Unfaires Fußballspielen - Schadensersatz für verletzten Spieler


Wird allerdings die Grenze zur Unfairness bei einem Zweikampf deutlich überschritten, haftet ein Fußballspieler für die Verletzungen, die er seinem Gegenspieler zufügt, entschied das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen I-6 U 241/11) im Fall eines Kreisklasse-Spielers, der von seinem Gegenspieler mit gestrecktem Bein gefoult wurde. Dieses Foul führte zu einer Knieverletzung, die den Spieler letztlich berufsunfähig machte. Laut Gericht hat der Spieler den zur Verletzung führenden Zweikampf ohne jede Rücksicht auf die Gefahr und die Folgen seines Einsteigens für den Gegner geführt. Für dieses rücksichtlose Foul muss der Spieler ein Schmerzensgeld von rund 50.000 Euro an den verletzten Gegner zahlen.

Grobes Fußball-Foul eine Straftat?


Nach einer Entscheidung des Oberlandesgericht Celle (Aktenzeichen 2 Ss 20/20) begeht ein grob foulender Fußballspieler eine gefährliche Körperverletzung. Eine strafrechtliche Haftung scheidet bei Fußballspielern laut Gericht nur dann aus, wenn die Wettkampfregeln und die sportspezifischen Standards vom Spieler eingehalten werden. Grobe Verstöße gegen diese Regeln seien aber weder durch das erlaubte Risiko des Sports noch durch die Einwilligung des Spielers gedeckt. Ein Fußballspieler, der etwa mit einer sog. Blutgrätsche gegen seinen Mitspieler vorgeht, begeht eine strafrechtlich relevante Körperverletzung.

Fußball-Foul: Wann zahlt die Versicherung?


Eine Privathaftpflichtversicherung eines Fußballspielers muss für die Folgen eines groben Fouls mit Verletzungsvorsatz, das von ihm begangen wurde, nicht zahlen, entschied das Oberlandesgericht Karlsruhe (Aktenzeichen 9 U 162/11). Ein Amateurfußballspieler verlangte von seinem Privathaftpflichtversicherer die Freistellung von Schmerzensgeld- und Schadensersatzansprüchen, die sein verletzter Gegenspieler forderte. Das Gericht sprach den Privathaftpflichtversicherer von seiner Leistungspflicht frei, weil der Amateurfußballspieler vorsätzlich ein grobes Foulspiel im Sinne der Spielregeln des DFB begangen hatte.

erstmals veröffentlicht am 31.05.2013, letzte Aktualisierung am 21.07.2020

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