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Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht , 03.07.2018

Wann kann ein Doktortitel entzogen werden?

Wann kann ein Doktortitel entzogen werden?

Einmal Doktor – immer Doktor? Von wegen, ein erworbener Doktortitel kann auch wieder aberkannt werden. Gründe dafür sind neben Täuschungsvorwürfen, unwürdiges oder schwerwiegendes wissenschaftliches Fehl-Verhalten.

Täuschung führt zur Aberkennung des Doktortitels


Stellt sich im Nachhinein heraus, dass ein Doktorand bei seiner Doktorarbeit viele Passagen aus fremden Werken ohne Zitat übernommen hat, kann ihm der Doktortitel wegen dieser Täuschung entzogen werden. Dies entschied jüngst das Verwaltungsgericht Braunschweig (Aktenzeichen 6 A 102/16) im Fall eines Honorarprofessors, der in seiner Doktorarbeit zum Vergleich verschiedener Laserschweißtechniken Forschungsergebnisses des Laserzentrums Hannover übernommen hatte ohne dies als Quelle kenntlich zu machen. Das Gericht begründet seine Entscheidung unter anderem damit, dass nur der zum tragen eines Doktortitels würdig sei, der bewiesen habe selbstständig wissenschaftlich arbeiten zu können. Wer auf fremde Leistungen zurückgreife und dies nicht kenntlich mache, habe genau das nicht bewiesen.

So urteilte auch das Bundesverwaltungsgericht (Aktenzeichen 6 C 3.16) in Leipzig. Im zugrundeliegenden Fall bestand die Doktorarbeit zu mehr als der Hälfte aus fremden Texten. Dies hatte der Doktorand nicht kenntlich gemacht. Eine Internetplattform hatte die 327 Verstöße gegen das wissenschaftliche Zitiergebot allerdings zu Tage gefördert.

Unwürdigkeit führt zur Aberkennung des Doktortitels


Wer sich nicht würdige erweist einen Doktortitel zu führen, muss mit dem Entzug des Titels rechnen. Dies stellte das Bundesverfassungsgericht (Aktenzeichen 1 BvR 3353/13) im Fall eines Physikers klar, dem der Doktortitel wegen manipulierter Forschungsergebnisse entzogen worden war. Unwürdig sei ein Inhaber eines Doktortitels im Sinne des baden-württembergischen Landeshochschulgesetzes, wenn er im hohen Maß gegen die Grundsätze der wissenschaftlichen Praxis verstoßen hat. Datenmanipulation zur Fälschung von Forschungsergebnissen gehöre auf jeden Fall dazu.

Wertersatz nach Rücktritt vom Vertrag zur Erlangung eines Doktortitels?


Ein Kunde einer Gesellschaft, die gewerblich beim Erwerb eines Doktortitels unterstützt, muss im Fall des Widerrufs des Vertrages Wertersatz in Höhe des vereinbarten Vertragsentgelts zahlen, da er die empfangene Dienstleistung nicht mehr zurückgeben kann.

Dies entschied das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 2 O 28/16) im Fall eines Kunden, der einen Dienstvertrag mit der Gesellschaft abgeschlossen hatte und dem bereits nach kurzer Zeit der Kontakt zu einer rumänischen Universität vermittelt wurde, bei der er einen Ehrendoktor erwerben konnte. Der Kunde widerrief seinen Vertrag, da er der Ansicht war, dass der Doktortitel aufgrund der fehlenden wissenschaftlichen Leistungen sittenwidrig sei. Das Oberlandesgericht Hamm erklärte den Widerruf des Vertrages für wirksam, da die Widerrufsfrist in den AGBs der Gesellschaft unwirksam sei. Der Vertrag könne damit rückabgewickelt werden. Allerdings sei es dem Kunden nicht möglich die bereits empfangene Dienstleistung in Form der Vermittlung an die rumänische Universität wieder zurück zu geben. Aus diesem Grund müsse der Kunde der vereinbarte Vertragsentgelt als Wertersatz an die Gesellschaft leisten.

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