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Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht , 02.09.2019 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Wann kann ein Doktortitel entzogen werden?

Wann kann ein Doktortitel entzogen werden?

Einmal Doktor – immer Doktor? Von wegen, ein erworbener Doktortitel kann auch wieder aberkannt werden. Gründe dafür sind neben Täuschungsvorwürfen, unwürdiges oder schwerwiegendes wissenschaftliches Fehl-Verhalten.

Täuschung führt zur Aberkennung des Doktortitels


Wer in seiner Promotion gegen das Prinzip der umfassenden Kenntnis und Darstellung der einschlägigen Literatur verstößt, muss mit dem Entzug seines Doktortitels rechnen. Dies entschied das Verwaltungsgericht Gießen (Aktenzeichen 3 K 2499/17.GI) im Fall eines Mediziners, der Veröffentlichungen, an denen er selbst als Co-Autor mitgewirkt hatte, nicht in seiner Doktorarbeit benannt und verwertet hatte. Hierin sah das Gericht eine Täuschung zur Erlangung des Doktorgrads, die zu einem Entzug des Doktortitels berechtigten.

Stellt sich im Nachhinein heraus, dass ein Doktorand bei seiner Doktorarbeit viele Passagen aus fremden Werken ohne Zitat übernommen hat, kann ihm der Doktortitel wegen dieser Täuschung entzogen werden. Dies entschied das Verwaltungsgericht Braunschweig (Aktenzeichen 6 A 102/16) im Fall eines Honorarprofessors, der in seiner Doktorarbeit zum Vergleich verschiedener Laserschweißtechniken Forschungsergebnisses des Laserzentrums Hannover übernommen hatte, ohne dies als Quelle kenntlich zu machen. Das Gericht begründet seine Entscheidung unter anderem damit, dass nur der zum Tragen eines Doktortitels würdig sei, der bewiesen habe selbstständig wissenschaftlich arbeiten zu können. Wer auf fremde Leistungen zurückgreife und dies nicht kenntlich mache, bleibe diesen Beweis schuldig.

So urteilte auch das Bundesverwaltungsgericht (Aktenzeichen 6 C 3.16) in Leipzig. Im zugrundeliegenden Fall bestand die Doktorarbeit zu mehr als der Hälfte aus fremden Texten. Dies wurde vom Doktoranden nicht kenntlich gemacht. Eine Internetplattform förderte allerdings 327 Verstöße gegen das wissenschaftliche Zitiergebot zu Tage.

Unwürdigkeit führt zur Aberkennung des Doktortitels



Wer sich nicht würdig erweist einen Doktortitel zu führen, muss ebenfalls mit dem Entzug des Titels rechnen. Dies stellte das Bundesverfassungsgericht (Aktenzeichen 1 BvR 3353/13) im Fall eines Physikers klar, dem der Doktortitel wegen manipulierter Forschungsergebnisse entzogen worden war. Unwürdig sei ein Inhaber eines Doktortitels im Sinne des baden-württembergischen Landeshochschulgesetzes, wenn er im hohen Maß gegen die Grundsätze der wissenschaftlichen Praxis verstoßen hat. Datenmanipulation zur Fälschung von Forschungsergebnissen gehöre auf jeden Fall dazu, so das Gericht.

Wertersatz nach Rücktritt vom Vertrag zur Erlangung eines Doktortitels?



Ein Kunde einer Gesellschaft, die gewerblich den Erwerb eines Doktortitels unterstützt, muss im Fall des Widerrufs des Vertrages Wertersatz in Höhe des vereinbarten Vertragsentgelts an die Gesellschaft zahlen, da der Kunde die empfangene Dienstleistung nicht mehr zurückgeben kann.

Dies entschied das Oberlandesgericht Hamm (Aktenzeichen 2 O 28/16) im Fall eines Kunden, der einen Dienstvertrag mit der Gesellschaft abgeschlossen hatte und dem bereits nach kurzer Zeit der Kontakt zu einer rumänischen Universität vermittelt wurde, bei der er einen Ehrendoktor erwerben konnte. Der Kunde widerrief seinen Vertrag, da er der Ansicht war, dass der Doktortitel aufgrund der fehlenden wissenschaftlichen Leistungen sittenwidrig sei. Das Oberlandesgericht Hamm erklärte den Widerruf des Vertrages für wirksam, da die Widerrufsfrist in den AGBs der Gesellschaft unwirksam war. Der Vertrag konnte damit rückabgewickelt werden. Allerdings sei es dem Kunden nicht möglich die bereits empfangene Dienstleistung in Form der Vermittlung an die rumänische Universität wieder zurück zu geben. Aus diesem Grund müsse der Kunde der vereinbarte Vertragsentgelt als Wertersatz an die Gesellschaft leisten, so das Gericht.

erstmals veröffentlicht am 03.07.2018, letzte Aktualisierung am 02.09.2019

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