anwaltssuche
Kategorie: Anwalt Familienrecht , 02.06.2021 (Lesedauer ca. 3 Minuten, 17 mal gelesen)

Wechselmodell: Vereinbarung, Unterhalt und Umsetzung

Wechselmodell: Vereinbarung, Unterhalt und Umsetzung © freepik - mko

Eine Woche Mama, eine Woche Papa – das sog. Wechselmodell ist nach der Trennung der Eltern eine Möglichkeit, sich um die gemeinsamen minderjährigen Kinder zu kümmern. Doch was versteht man unter dem Wechselmodell? Was spricht dafür und was dagegen? Kann es auch gegen den Willen eines Elternteils angeordnet werden? Und wer zahlt beim Wechselmodell wie viel Kindesunterhalt?

Was versteht man unter Residenz- und Wechselmodell?


Trennen sich Eltern, stellt sich die Frage, wer für die minderjährigen Kinder sorgt. Lange Zeit war es die Regel, dass ein Kind schwerpunktmäßig bei einem Elternteil lebt und dem anderen Elternteil eine begrenzte Umgangszeit, etwa am Wochenende, zu stand. In diesen Fällen spricht man vom Residenzmodell.

Seit ein paar Jahren ist eine neue Betreuungsform, das sog. Wechselmodell, dazu gekommen. Hier teilen sich die Eltern die Betreuung der gemeinsamen Kinder hälftig auf. Das bedeutet, dass die Kinder in regelmäßigen zeitlichen Abständen zwischen den Elternwohnungen wechseln. Dabei gibt es keine Vorgaben zur Aufteilung der Betreuungszeiten.

Was spricht für und was spricht gegen das Wechselmodell?


Eltern sollten sich zum Wohl ihrer Kinder genau überlegen, welche Betreuungsform die geeignetste für die Familie ist. Für das Wechselmodell gibt es gute Gründe, aber es spricht auch einiges dagegen.

Ein Vorteil des Wechselmodells ist, dass die Kinder nach wie vor ungefähr gleich viel Zeit mit ihren Eltern verbringen und damit zu jedem Elternteil eine stabile Beziehung aufbauen können. Für die Eltern bedeutet das Wechselmodell die Möglichkeit überhaupt maßgeblich an der Erziehung teilzunehmen sowie auch eine Entlastung.

Gegen das Wechselmodell spricht in erster Linie, dass es ein hohes Maß an Konfliktpotential in sich birgt. Die Eltern müssen sich bei einer zeitlich annähernd gleichwertigen elterlichen Betreuung ständig über Erziehungsfragen abstimmen – was eine besondere Toleranz und eine belastbare Kommunikationsbasis der Eltern erfordert. Für Kinder kann der ständige Ortswechsel bedeuten, dass sie sich nirgendwo richtig zu Hause fühlen.

Wie beantragt man das Wechselmodell?


Entscheiden sich Eltern oder ein Elternteil für die Betreuungsform „Wechselmodell“ müssen sie einen entsprechenden Antrag beim zuständigen Familiengericht stellen. Das Familiengericht kann dann die hälftige Betreuung des Kindes durch beide Eltern als Umgangsregelung anordnen kann.

Kann das Wechselmodell gegen den Willen eines Elternteils angeordnet werden?


Bei unseren europäischen Nachbarn Belgien und Schweden ist das Wechselmodell der Regelfall und kann auch gegen den Willen der Eltern angeordnet werden. Auch in Deutschland kann das Wechselmodell nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs (Aktenzeichen XII ZB 601/15) gegen den Willen eines Elternteils vom Familiengericht angeordnet werden. Maßgebend ist für die Familiengerichte bei der Auswahl Residenzmodell oder Wechselmodell immer das Wohl des Kindes.

Wer muss Unterhalt beim Wechselmodell zahlen?


Beim Residenzmodell ist der Elternteil, bei dem das Kind nicht ständig lebt, zu hundert Prozent barunterhaltspflichtig. Da beim Wechselmodell bei keinem Elternteil der Schwerpunkt der Betreuung liegt, müssen beide für den Unterhalt des Kindes anteilig aufkommen.

Wie berechnet sich der Kindesunterhalt?


Beim Wechselmodell reichtet sich der Unterhaltsbedarf laut Bundesgerichtshof (Aktenzeichen XII ZB 599/13) nach dem Einkommen und Vermögen beider Elternteile. Dafür werden die bereinigten Nettoeinkünfte beider Eltern, unter Beachtung der durch das Wechselmodell entstandenen Mehrkosten, addiert und wie beim Residenzmodell nach der Düsseldorfer Tabelle ermittelt.

Welches Elternteil hat Anspruch auf Kindergeld?


Auch beim Wechselmodell wird das Kindergeld nur an ein Elternteil ausgezahlt. Fraglich ist aber, welcher Anteil dem anderen Elternteil zu steht.

Laut Bundesgerichtshof (Aktenzeichen XII ZB 45/15) dient die Hälfte des Kindergeldes dazu den Barunterhaltsbedarf zu decken, die andere Hälfte ist als finanzieller Ausgleich für tatsächlich erbrachte Betreuungsleistungen gedacht. Beim Wechselmodell betreuen aber beide Eltern das Kind. Aus diesem Grund muss die Hälfte des Kindergeldes, das auf den Betreuungsunterhalt entfällt, zwischen den Eltern aufgeteilt werden.

Lesen Sie hier weitere Fachartikel im Themenbereich Ehe & Familie
Hier finden Sie bundesweit Rechtsanwälte für Familienrecht