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Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht , 11.10.2018 (Lesedauer ca. 2 Minuten)

Abfindung – Wer, wie viel und wann?

Abfindung – Wer, wie viel und wann? © Pixelot - Fotolia

Nicht jeder Arbeitnehmer geht am Ende eines vorzeitig beendeten Arbeitsverhältnisses mit einer Abfindung aus dem Unternehmen. Ob eine Abfindung gezahlt werden muss, in welcher Höhe und was nach der Steuer übrigbleibt, sollten Arbeitnehmer und Arbeitgeber vorher genau abwägen.

Wer hat einen Anspruch auf Abfindung?


Wird einem Arbeitnehmer gekündigt, hat er nicht automatisch einen Anspruch auf eine Abfindung. Sozialpläne, Tarifverträge, Geschäftsführerverträge oder individuelle Arbeitsverträge können aber einen Anspruch auf eine Abfindung enthalten. Oft wird dem Arbeitnehmer auch im Kündigungsschreiben eine Abfindung angeboten.

Die einzige gesetzlich verankerte Abfindung gibt es nach dem Kündigungsschutzgesetz, wenn der Arbeitgeber eine betriebsbedingte Kündigung ausspricht und dem Arbeitnehmer bei Verstreichenlassen der Klagefrist eine Entschädigungszahlung anbietet.
In der Regel werden Abfindungen im Rahmen eines Kündigungsschutzprozesses oder auch außergerichtlich durch Verhandlungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber erreicht. Im Falle einer Einigung wird ein Vergleich oder ein Aufhebungsvertrag geschlossen. Ob und in welcher Höhe eine Abfindungszahlung erzielt werden kann, hängt von der Stärke der Rechtspositionen, dem Verhandlungsgeschick und letztlich von der Erfahrung des Verhandlers ab.

Abfindung- was steht mir zu?


Die Höhe der Abfindung ist frei verhandelbar. Einen Anhaltspunkt bietet folgende Faustformel: ½ Bruttomonatsgehalt pro Beschäftigungsjahr. Das Kündigungsschutzgesetz sieht diese Berechnungsformel auch vor. Ob für die Berechnung der Abfindung ein durchschnittliches Bruttomonatsgehalt oder nur das einfache Bruttomonatsgehalt zu Grunde gelegt wird, ist ebenfalls Verhandlungssache.

Höhere Abfindungen werden oft für Führungskräfte, leitende Angestellte oder Geschäftsführer gezahlt. Bei Geschäftsführern wird meistens die Restlaufzeit ihres Vertrages ausgezahlt. Von Bedeutung sind dabei auch variable Vergütungsbestandteile, wie Tantiemen und Boni.

Im Kündigungsschutzgesetz ist zudem geregelt, dass eine Abfindung bis zu zwölf Monatsverdiensten betragen kann, wenn das Arbeitsverhältnis durch ein Urteil des Gerichts aufgelöst wurde. Es sei denn, der Arbeitnehmer ist 50 Jahre oder älter und war mindestens 15 Jahre im Unternehmen beschäftigt, dann werden 15 Monatsgehälter als Abfindung fällig. Bis zu 18 Monatsgehältern Abfindung gibt es für Arbeitnehmer, die 55 Jahre oder älter sind und mindestens 20 Jahre im Unternehmen beschäftigt waren. Für 65jährige und ältere Arbeitnehmer besteht kein Anspruch auf eine erhöhte Abfindung.

Wird die Abfindung versteuert? Und was ist die Fünftelregelung?


Eine Abfindung wird im Rahmen der Einkommenssteuer versteuert. Dabei findet die sog. Fünftelregelung Anwendung. Darunter versteht man folgende komplizierte Berechnung: Ein Fünftel der Abfindung wird beim zu versteuernden Jahreseinkommen des Arbeitnehmers hinzugerechnet und daraus ergibt sich ein Steuerbetrag. Dann wird der Steuerbetrag aus dem übrigen Einkommen (ohne Abfindungszahlung) errechnet. Die Differenz zwischen beiden Steuerbeträgen wird mit fünf multipliziert und ergibt die Steuer, die für die Abfindung gezahlt werden muss.

Ist die Abfindung sozialversicherungspflichtig?


Bei einer Abfindung handelt es sich nicht um eine Gehaltszahlung oder Lohnzahlung. Aus diesem Grund gehen von ihr keine Sozialabgaben wie Renten-, Kranken-, Pflege- oder Arbeitslosengeld ab.

Muss zur Durchsetzung einer Abfindung eine Kündigungsschutzklage erhoben werden?


Arbeitnehmer, die eine Abfindung nach einer Kündigung durchsetzen wollen, müssen in der Regel eine Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht erheben. Dafür haben sie drei Wochen Zeit, danach gilt die Kündigung als wirksam und eine Abfindung kann in dieser Rechtsposition nur sehr schwer verhandelt werden.

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