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Kategorie: Anwalt Sozialrecht , 05.02.2021 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 73 mal gelesen)

Berufskrankheiten: Welche Leistungen gibt es und wie beantragt man sie?

Berufskrankheiten: Welche Leistungen gibt es und wie beantragt man sie? © baranq - Fotolia

Ob es um die Kostenübernahme von Heil- oder Reha-Behandlungen, medizinischen Hilfsmitteln oder die Zahlung von Pflegegeld geht: Arbeitnehmer erhalten vom gesetzlichen Unfallversicherungsträger nur dann Leistungen, wenn ihre beruflich bedingte Erkrankung als Berufskrankheit anerkannt wird. Doch welche konkreten Leistungen kann ein Betroffener beanspruchen? Und wie werden diese beantragt?

Wann ist eine beruflich bedingte Erkrankung eine Berufskrankheit?


Wenn sich die berufliche Tätigkeit auf die Gesundheit auswirkt, Arbeitnehmer deshalb längere Zeit ausfallen oder sogar in ihrer Arbeitsfähigkeit dauerhaft eingeschränkt sind, erhalten sie Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung, wenn ihre Erkrankung als Berufskrankheit anerkannt wird.

Eine Berufskrankheit ist immer dann gegeben, wenn die Erkrankung ihre Ursache im beruflichen Umfeld des Arbeitnehmers hat und dieser dem Risiko zu erkranken deutlich höher ausgesetzt ist, als der Rest der Bevölkerung. Dies ist etwa bei Arbeiten mit starker körperlicher Belastung, mit Einwirkungen von Chemikalien oder unter Lärm oder Staub der Fall.

Alle anerkannten Berufskrankheiten sind in der Berufskrankheitenliste im Anhang zur Berufskrankheitenverordnung aufgeführt. Alle übrigen Krankheiten werden nur in Ausnahmefällen als „Wie-Berufskrankheit“ akzeptiert.

Lesen Sie mehr zum Thema „Berufskrankheiten – Anerkennung und Einzelfälle“.

Wer zahlt bei einer anerkannten Berufskrankheit?


Wird eine Krankheit als Berufskrankheit anerkannt, übernimmt nicht die gesetzliche Krankenkasse, sondern der zuständige gesetzliche Unfallversicherungsträger alle Kosten. Das kann eine Unfallkasse oder eine gewerbliche oder landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft sein.

Welche Leistungen kann ein Betroffener vom Unfallversicherungsträger beanspruchen?


Arbeitnehmer mit einer anerkannten Berufskrankheit können umfangreiche Leistungen vom gesetzlichen Unfallversicherungsträger beanspruchen. Zu diesen gehören etwa
• Heil- und Reha-Behandlungen, Versorgung mit Medizin und Hilfsmitteln, häusliche Krankenpflege,
• Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, wie z.B. die Umgestaltung des Arbeitsplatzes oder eine Umschulung,
• Leistungen zur sozialen Teilhabe, wie die Ausstattung einer behindertengerechten Wohnung,
• Reha-Sport,
• Kinderbetreuungskosten,
• Haushaltshilfe,
• Wohnungshilfe,
• bei Pflegebedürftigkeit der Erhalt von Pflegegeld,
• Lohnfortzahlung,
• Verletztengeld während der Arbeitsunfähigkeit,
• ggfs. Hinterbliebenenleistungen (Sterbegeld, Witwen- und Waisenrente).

Wie erhalten Betroffene einer Berufskrankheit diese Leistungen?


Wer von einer Berufskrankheit betroffen ist, sollte dies umgehend seinem Arbeitgeber mitteilen. Dieser, aber auch der behandelnde Arzt, sind verpflichtet, die Berufskrankheit dem gesetzlichen Unfallversicherungsträger zu melden. Der Betroffene kann aber auch selbst tätig werden und den Unfallversicherungsträger informieren.

Sobald der Unfallversicherungsträger Kenntnis von der Meldung einer Berufskrankheit hat, wird ein Anerkennungsverfahren in Gang gesetzt. Dafür wird das Arbeitsleben des Betroffenen untersucht und geprüft, ob Einwirkungen oder Belastungen zur Erkrankung geführt haben können.

In der Regel erhält der Betroffene, aber auch der Arbeitgeber oder ggfs. Kollegen, einen Fragebogen. Dieser sollte so umfangreich und detailliert wie möglich ausgefüllt werden, da er eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Anerkennung als Berufskrankheit ist.

Liegen die Voraussetzungen für das Entstehen einer Berufskrankheit am Arbeitsplatz vor, prüft der Unfallversicherungsträger im zweiten Schritt, ob auch aus medizinischer Sicht ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Gefährdung und Erkrankung gegeben ist. Dafür ist die Krankenanamnese des Betroffenen sowie häufig das Gutachten eines Sachverständigen entscheidend. Der Betroffene hat das Recht einen eigenen Gutachter vorzuschlagen.

Nun entscheidet der Unfallversicherungsträger, ob eine Berufskrankheit vorliegt und sendet entweder einen positiven oder abschlägigen Bescheid an den Betroffenen. Der hat bei einer Ablehnung die Möglichkeit innerhalb von vier Wochen Widerspruch gegen den Bescheid einzulegen. Bleibt der Widerspruch auch erfolglos, kann der Betroffene vor dem Sozialgericht klagen.

In jedem Fall empfiehlt sich bei einem ablehnenden Bescheid den Rat eines erfahrenen Anwalts für Sozialrecht in Anspruch zu nehmen. Er kann die Erfolgschancen einer Klage rechtssicher einschätzen und weiß, wie ein Betroffener seine Rechte durchsetzen kann.


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