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Kategorie: Anwalt Arbeitsrecht , 02.04.2021 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 651 mal gelesen)

Burnout Arbeitnehmer: Krankschreibung, Perspektive und Kündigung

Burnout Arbeitnehmer: Krankschreibung, Perspektive und Kündigung © Brian Jackson - Fotolia

Das Thema Burnout spielt in der Arbeitswelt eine immer stärkere Rolle. Die Anzahl der Arbeitnehmer, die sich in ihrem Job ausgebrannt und überbelastet fühlen, nimmt stetig zu. Doch was versteht man unter Burnout? Muss der Arbeitgeber über die Erkrankung informiert werden? Droht eine Kündigung wegen Burnout? Und muss der Chef Schadensersatz oder Schmerzensgeld zahlen, wenn er einen Arbeitnehmer stark überlastet?

Was versteht man unter Burnout?


Von Burnout spricht man, wenn ein Mensch unter einer starken emotionalen, geistigen oder körperlichen Erschöpfung leidet. In der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10-Code) fällt Burnout in die Rubrik „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“. Oft sind Stress im Beruf oder Überforderung Ursachen von einem Burnout. Anzeichen für diese Erkrankung können schlechte Konzentration, Häufung von Fehlern oder fehlende Energie sein.

Muss der Arbeitgeber vom Burnout informiert werden?


Grundsätzlich müssen dem Arbeitgeber Diagnosen und Krankheitsbilder nicht mitgeteilt werden. Wichtig ist, dass der Arbeitnehmer nach der Diagnose Burnout seinen Chef umgehend mitteilt, dass er seiner beruflichen Tätigkeit aufgrund einer Erkrankung nicht nachgehen kann und eine entsprechende ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegt.

Wie lange ist man bei Burnout arbeitsunfähig?


Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit bei einem Burnout hängt von der Schwere der Erkrankung ab. Oft sind längere Fehlzeiten mit diesem Krankheitsbild verbunden. Gut zu wissen: Sechs Wochen im Jahr können Arbeitnehmer krankgeschrieben sein, ohne Angst um ihren Job haben zu müssen.

Kündigung wegen Burnout- ist das erlaubt?


Da es sich bei einem Burnout in der Regel um eine Langzeiterkrankung handelt, ist eine Kündigung des Arbeitsvertrages nur unter strengen Voraussetzungen möglich. Erste Voraussetzung ist, dass der Arbeitnehmer über einen langen Zeitraum – in der Regel mehr als zwei Jahre – erkrankt ist. Weiterhin müssen durch sein Fehlen Störungen im Betriebsablauf durch den Arbeitgeber nachgewiesen werden. Das wird im Einzelfall schwer nachweisbar sein, da das Unternehmen sich zwischenzeitlich in seinem Betriebsablauf auf das Fehlen des Arbeitnehmers eingestellt haben wird.

Arbeitgeber Schuld am Burnout - Schadensersatz?


Ein Arbeitnehmer, der von seinem Chef Schadensersatz wegen eines Burnouts beansprucht, muss dem Arbeitgeber nachweisen, dass dieser seine Fürsorgepflicht schuldhaft verletzt hat und es deshalb zu einer Gesundheitsverletzung beim Arbeitnehmer kam. Im Einzelfall dürfte es schwer nachweisbar sein, dass die Ursache für den Burnout ausschließlich im Arbeitsumfeld lag und der Chef schuldhaft für die krankmachende Arbeitssituation verantwortlich war. Wichtig ist daher für Arbeitnehmer, die sich überlastet fühlen, diesen Umstand ihrem Chef mitzuteilen und Abhilfe zu verlangen – aus Beweisgründen am besten schriftlich!

Was ist krankgeschriebene Arbeitnehmer mit einem Burnout erlaubt?


Arbeitnehmer, die an einem Burnout erkrankt sind und eine entsprechende ärztliche Krankschreibung haben, müssen nicht das Haus hüten. Nach einer Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf (Aktenzeichen 11 Sa 807/11) dürfen sie sogar verreisen: Eine an Burnout erkrankte und krankgeschriebene Arbeitnehmerin unternahm zu ihrer Genesung eine Segelreise – über die daraufhin erteilte Kündigung ihres Arbeitsvertrages verglichen sich die Parteien. Das Verhalten des Arbeitnehmers darf der Genesung nur nicht schaden – ansonsten ist alles was der Arzt erlaubt, gestattet!

Muss die Berufsunfähigkeitsversicherung bei Burnout zahlen?


Erkrankte Arbeitnehmer erhalten die gesetzliche Lohnfortzahlung für einen Zeitraum von sechs Wochen. Danach folgt eine gesetzliche Erwerbsminderungsrente von 30 Prozent des Bruttoeinkommens oder Hartz IV. Um diese Situation zu vermeiden, schließen Arbeitnehmer oft eine private Berufsunfähigkeitsversicherung ab. Die tritt aber nur dann ein, wenn der Versicherer Burnout als Berufsunfähigkeitsgrund anerkennt. Hier lohnt ein Blick in den Versicherungsvertrag.

erstmals veröffentlicht am 01.03.2017, letzte Aktualisierung am 02.04.2021

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