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Kategorie: Anwalt Versicherungsrecht , 22.04.2022 (Lesedauer ca. 2 Minuten, 265 mal gelesen)

Was ist bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung zu beachten?

Arbeiter hat starke Schmerzen im Rücken Arbeiter hat starke Schmerzen im Rücken © freepik - mko

Psychische Erkrankungen, Krebs, Herz-Kreislaufkrankheiten und Unfälle sind die häufigsten Ursachen für eine Berufsunfähigkeit. Wer seinen Beruf jetzt nicht mehr ausüben kann, verliert auch sein Einkommen. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann vor einem finanziellen Ruin schützen. Doch worauf muss man bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung achten? Für wen ist sie sinnvoll? Was kostet sie? Und worauf muss man beim Vertragsabschluss besonders achten?

Was ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung?


Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt dem Versicherungsnehmer eine monatliche Rente, wenn er aus gesundheitlichen Gründen seiner beruflichen Tätigkeit nicht mehr nachgehen kann. Eine Berufsunfähigkeit kann laut Oberlandesgericht Frankfurt/Main (Az. 7 U 199/12) auch bei einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren vorliegen.
Wer also auf sein Arbeitseinkommen angewiesen ist und keine sonstige finanzielle Absicherung für den Fall einer Berufsunfähigkeit getroffen hat, sollte über den Abschluss dieser Versicherung nachdenken.

Für wen ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?


Eine Versicherung, die bei Berufsunfähigkeit einspringt, ist für alle erwerbstätigen Menschen sinnvoll, die nicht auf ihr Einkommen verzichten können. Insbesondere Selbstständige, die nicht gesetzlich rentenversichert sind, ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu empfehlen. Auch für Berufsanfänger kann eine Berufsunfähigkeitsversicherung Sinn machen, da sie sich aufgrund ihrer meist guten gesundheitlichen Situation günstig versichern können.

Wann zahlt eine Berufsunfähigkeitsversicherung?


Nach dem Versicherungsvertragsgesetz muss eine Berufsunfähigkeitsversicherung einspringen, wenn der Erwerbstätige seinen letzten Beruf vermutlich auf Dauer nicht mehr ausüben kann. Dafür muss der Erwerbstätige mindestens die Hälfte seiner Leistungsfähigkeit verloren haben. In diesem Fall muss die Versicherung die im Vertrag vereinbarte monatliche Rente zahlen. Das Einkommen des Erwerbstätigen spielt für die Höhe der monatlichen Rente keine Rolle.

Es ist ferner unerheblich, ob die Berufsunfähigkeit aufgrund eines Unfalls oder einer Erkrankung verursacht wurde. Unerheblich ist auch, ob der Erwerbstätige noch einer anderen Arbeit nachgehen kann.

Die Berufsunfähigkeit muss vom Erwerbstätigen gegenüber der Versicherung nachgewiesen werden.

Was kostet eine Berufsunfähigkeitsversicherung?


Was eine Berufsunfähigkeitsversicherung kostet, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Je nach Berufsrisiko steigen die Beiträge. Auch bestehende Erkrankungen oder frühere Krankheiten können sich auf die Beitragshöhe auswirken. Ebenso verhält es sich mit risikoreichen Hobbys. Auch zwischen den verschiedenen Anbietern gibt es Kostenunterschiede. Hier lohnt sich in jedem Fall ein Vergleich.

Was muss man beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung beachten?


Für den Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung muss der zukünftige Versicherungsnehmer viele Fragen zu seiner Gesundheit beantworten. Vorerkrankungen oder chronische Krankheiten können zu saftigen Aufschlägen bei den Versicherungsbeiträgen führen. Trotzdem sollte der Versicherungsnehmer die Gesundheitsfragen in jedem Fall wahrheitsgemäß beantworten, ansonsten muss die Berufsunfähigkeitsversicherung im Versicherungsfall nicht zahlen!

Der zukünftige Versicherungsnehmer muss dabei nicht nur Erkrankungen oder Unfälle angegeben, die für den Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung wichtig sind, sondern er muss auch Angaben machen, die für den Umfang der Versicherungsleistung wichtig sind, so das Landgericht Fürth (Az. 11 O 4279/20).

Das Oberlandesgericht Oldenburg (Az. 5 U 120/18) sah im Verschweigen einer Beinverkürzung aufgrund eines Reitunfalls eine arglistige Täuschung, die den Versicherer zur Anfechtung des Versicherungsvertrags berechtigt.

Auch das Oberlandesgericht Karlsruhe (Az. 12 U 140/12) lehnte eine Zahlungspflicht der Berufsunfähigkeitsversicherung im Fall eines Bauschlossers, der in den letzten zehn Jahren an verschiedenen Erkrankungen litt und diese im Versicherungsbogen nicht angab oder stark verharmloste, ab.

Dabei stellt das Landgericht Fürth (Aktenzeichen 11 O 4279/20) klar, dass ein Versicherungsnehmer nicht nur die Tatsachen angeben muss, die für den Abschluss des Versicherungsvertrages wichtig sind, sondern auch die Tatsachen, die für den Umfang der Versicherungsleistung von Bedeutung sind.

erstmals veröffentlicht am 15.03.2013, letzte Aktualisierung am 22.04.2022

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